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LEITARTIKEL: Stadt Kriens – ein logischer Schritt

Stefan Dähler, stv. Leiter Ressort Stadt/Region, schreibt in seinem Leitartikel zur Abstimmung über die Gemeindeordnung, dass die Entscheidung für die Stadt vor allem Ausdruck eines selbstbewussten Blicks nach vorne wäre.
Stefan Dähler
Vom Dorf ist zumindest optisch nur noch wenig übrig: Baustelle im Zentrum beim Gemeindehaus. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 16. Februar 2018))

Vom Dorf ist zumindest optisch nur noch wenig übrig: Baustelle im Zentrum beim Gemeindehaus. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 16. Februar 2018))

«Die Welt geht nicht unter – egal, wie es ausgeht.» Mit dieser Aussage zur Abstimmungsfrage, ob Kriens sich neu als Stadt oder wie bisher als Gemeinde bezeichnen soll, hat FDP-Einwohnerrat Thomas Lammer natürlich recht. Formell gesehen ist am 4. März vor allem wichtig, dass die neue Gemeindeordnung, welche notwendige Anpassungen an das kantonale Finanzhaushaltsgesetz enthält, durchkommt.

Diese Änderungen sind bei den Krienser Parteien unbestritten. Für mehr Diskussionen sorgten im Einwohnerrat die Umbenennung von Gemeinde in Stadt Kriens und das neue Wappen mit wilderem Bären sowie weniger eiförmigem Brot. Auch wenn diese Veränderungen lediglich symbolischen Charakter haben, darf man deren Bedeutung nicht unterschätzen. Denn insbesondere bei der Stadtfrage geht es um die Krienser Identität.

Daher ist es trotz rekordverdächtig kompliziertem Stimmzettel richtig, dass die Bevölkerung getrennt über die Gemeindeordnung und das Wappen sowie den Stadtbegriff entscheiden kann. Das Risiko, dass andernfalls die Gemeindeordnung ganz abgelehnt würde, wäre zu gross. Denn im Jahr 2007 schickten die Krienser den Stadtbegriff schon einmal bachab – und das deutlich. 63 Prozent waren dagegen.

Ist Kriens in der Zwischenzeit zu einer Stadt geworden? Eindeutig beantworten lässt sich diese Frage nicht. Bevölkerungsmässig war Kriens schon 2007 mit rund 25'000 Einwohnern stadtwürdig. Ende 2016 waren es gemäss Lustat rund 27'000. Das ist mehr als beispielsweise Aarau oder Solothurn; ganz zu schweigen von Orten mit historischem Stadtrecht wie Willisau, Sursee sowie Sempach. Kommt hinzu, dass Kriens aufgrund der Bauprojekte im Zentrum oder im Schlund in den nächsten Jahren noch stärker wachsen wird.

Was die erwähnten Städte von Kriens jedoch unterscheidet, ist, dass sie trotz ihrer geringen Grösse eine gewisse regionale Zentrumsfunktion ausüben. Die Leute kommen aus dem Umland, um dort Einkäufe zu erledigen oder ihre Freizeit zu verbringen. Das trifft auf Kriens nicht oder nur in sehr begrenztem Mass zu. Wer sagt, er gehe in die «Stadt», meint damit Luzern.

Auch die rege Bautätigkeit macht Kriens nicht automatisch anziehender. Dafür sind kulturelle Angebote und öffentliche Plätze, wo sich die Leute treffen können, nötig. Das Kulturquadrat in der ehemaligen Schappe-Fabrik oder die geplanten Workshops zur Mitgestaltung des Gebiets Luzern Süd sind ein Anfang, doch es braucht diesbezüglich weitere Bestrebungen.

Die angesprochene Bautätigkeit stellt jedoch eine grosse Veränderung dar, die man nicht ignorieren kann. Einen dörflichen Charakter, sofern dieser zuvor noch vorhanden war, hat das Zentrum nicht mehr. Die neuen Überbauungen werden eher urban orientierte Bewohner anziehen. Die einst auf dem Dorfverständnis basierende Krienser Identität befindet sich daher zwangsläufig im Wandel.

Diese Entwicklung kommt nicht einfach aus heiterem Himmel. Sie ist vom Stimmvolk auch gewollt – es hat zum Beispiel das Zentrumsprojekt 2014 mit 57 Prozent angenommen. Der Namenswechsel zur Stadt wäre daher der nächste, logische Schritt.

Das hiesse nicht, dass sich Kriens vollends verändern muss. Noch vorhandene dörfliche Elemente wie die Pflege des Brauchtums oder das aktive Vereinswesen können auch in einer Stadt von Bedeutung sein – man denke etwa an die Fasnacht. Es hiesse auch nicht, dass Kriens Luzern als Zentrum konkurrieren soll. Die Entscheidung für die Stadt wäre vor allem Ausdruck eines selbstbewussten Blicks nach vorne – mit dem Ziel vor Augen, ein Gemeinwesen zu schaffen, in dem man nicht nur wohnt, sondern auch gerne seine Freizeit verbringt.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

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