LEITUNG: Das neue Gesicht der Messe

Mit Luzia Roos hat seit diesem Jahr eine Frau die Gesamtleitung der Erlebnismesse auf der Allmend inne. Wer aber ist «Madame Luga»?

Regula Bättig
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Hat den Überblick – und die Verantwortung: Luga-Leiterin Luzia Roos (48) gestern auf dem Riesenrad des Lunaparks. (Bild Manuela Jans)

Hat den Überblick – und die Verantwortung: Luga-Leiterin Luzia Roos (48) gestern auf dem Riesenrad des Lunaparks. (Bild Manuela Jans)

So langsam könne sie es auch ein wenig geniessen. «Die ersten zwei, drei Tage stand ich noch zu sehr unter Strom», sagt Luzia Roos, seit diesem Jahr Messeleiterin der Luga. Am Tag 6 nach Eröffnung ist sie erstmals nicht vor der Öffnung der Tore um 10 Uhr gekommen. Die Tage zuvor sei sie jeweils von 8 bis 20 Uhr auf dem Gelände gewesen, sagt die 48-jährige Oberkircherin. «Erreichbar bin ich sowieso rund um die Uhr.» Anstrengend. «Ja», stimmt sie zu. «Aber auch schön.»

Eigentlich realisiere sie erst jetzt, dass sie es sei, die jetzt die grösste Publikumsmesse der Zentralschweiz leite, erzählt Roos. «Bin wirklich ich es?», habe sie sich im Vorfeld verschiedentlich gefragt. Schliesslich ist die Luga so etwas wie die Messe in der Region, ist für viele ein Fixpunkt im Jahr – ähnlich wie die Fasnacht oder die Määs. Allerdings, so stellt die gelernte Hauswirtschaftslehrerin klar, sei die Luga ein absolutes Teamprodukt. Sie müsse sich nicht um «das Hinterste und Letzte» kümmern. «Ich bin halt einfach das Gesicht, das nach aussen auftritt.» Zudem, findet Roos, sei es einfacher, eine etablierte Messe zu übernehmen als eine neue Messe von Grund auf aufzubauen.

Auch Politisches soll Platz haben

Dennoch: Seit diesem Jahr hat sie das Sagen. Dies, nachdem Roos das Luga-Zepter von Markus Lauber übernommen hat, der sich nun vermehrt anderen Bereichen der Messe Luzern widmet. Neu erfinden will sie den Grossanlass nicht. «Die Luga baut auf Tradition: Die Leute haben ganz klar ihre Erwartungen.» Streichelzoo, Säulirennen, Degustationen. «Und was gut läuft, soll auch nicht verändert werden.» Das gilt auch für die Öffnungszeiten, eine Ausdehnung in die Abendstunden sei keine Option. «Das Bedürfnis ist weder beim Publikum noch bei den Ausstellern da.»

Die eine oder andere neue Idee möchte Roos allerdings schon einbringen, vor allem im Bereich Atmosphäre oder was den Einbezug und die Mobilisierung des Publikums betrifft. «Da lässt sich durchaus noch etwas machen», glaubt sie. «Und auch sonst bieten sich durch den Umbau des Messeplatzes ein paar ganz neue Möglichkeiten.» Zudem sehe sie es als ihre Aufgabe an, gesellschaftlich aktuelle Themen zu erkennen und aufzugreifen. «Und da hat es durchaus auch Platz für Politisches», findet sie. Luzia Roos gehört auch selber zu jenen, die sich durchaus für die nicht ganz so traditionellen Dinge begeistern können: So hat es ihr etwa der Auftritt der Jugend sehr angetan. «Da kommt eine ganz andere Art Leben auf das Gelände», stellt sie fest. «Persönlich finde ich zudem den Auftritt der Jäger toll. Dieser ist total authentisch und sympathisch.»

Dass sie als Frau – nebst Ernährung und Gesundheit – auch den Bereich Landwirtschaft der Messe betreut, ist in ihren Augen kein Problem. «Man kennt mich.» Dies aufgrund ihrer Herkunft – aufgewachsen ist Roos auf einem Bauernhof in Mauensee –, aber auch ihrer langjährigen Tätigkeit für den Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband. «Irgendwie schlägt mein Herz einfach für diesen Bereich.» Klar, zimperlich sein dürfe man nicht. «Dafür ist der Umgang aber auch sehr unkompliziert.»

Besucherzahl als Gradmesser

Ihre Feuerprobe hat die neue Messeleiterin bislang ohne Verbrennungen überstanden. Dieses Jahr stimme das Umfeld, so Roos. Die grossen Umbauarbeiten seien abgeschlossen, nennenswerte Reklamationen habe es keine gegeben. «Auch von Unstimmigkeiten unter Ausstellern blieben wir heuer verschont.» Dafür habe sie auf ihren Rundgängen verschiedentlich Lob und Komplimente entgegennehmen dürfen.

So weit, so gut, doch entscheidend sind aus Sicht der Messeleitung die Besucherzahlen. Angestrebt werden 110 000 Eintritte. «Das ist das Zünglein an der Waage», bestätigt Roos. Trotz allem bleibe die Luga was, sie sei: eine Messe. «Und die Aussteller kommen, weil sie ihre Produkte an den Mann bringen wollen.»