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Lene Horn: «Habe den schönsten Job der Redaktion»

Lene Horn ist die Chefin des Fototeams unserer Zeitung. Die dänisch-schweizerische Doppel­bürgerin ist zweifache Mutter. Sie studierte Grafikdesign an der Hochschule für Kunst und Design Luzern, und sie ist ausgebildete Modedesignerin. Die grosse Leidenschaft der 53-jährigen Wahlluzernerin ist ihr 1500 Quadratmeter grosser Garten.
Interview Roger Rüegger
Sie leitet das Fototeam der Neuen Luzerner Zeitung: Lene Horn. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Sie leitet das Fototeam der Neuen Luzerner Zeitung: Lene Horn. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Lene Horn, wie lesen Sie die Zeitung?

Lene Horn: Kaffee schlürfend, meist im Stehen (lacht). Nein, im Ernst. Als Gestalterin betrachte ich natürlich zuerst die Bilder und finde darüber den Einstieg in den Text, wie die meisten Menschen. Ich lese die Zeitung mit besonderem Augenmerk auf das Seitenlayout: die Komposition aus Bildschnitt und Grösse, das Abwechseln von Nähe und Distanz, das Spiel mit Raum und Dimensionen. Und ob es beim Bildeinsatz in einem Zeitungsbund genügend Variation hat.

Welche Variationen meinen Sie?

Horn: Dass zum Beispiel nicht nur Porträtbilder ernster Männer, die nach rechts blicken, auf den Seiten sind. Wichtig ist zudem, dass die Legende zum Bild passt. Eine Bildlegende kann ein Bild auf- oder abwerten.

Die Bildlegende schreiben aber nicht die Bildredaktoren. Reden Sie da trotzdem ein Wort mit?

Horn: Eigentlich nicht. Aber wenn mir ein Bild sehr am Herzen liegt, gebe ich gerne Inputs.

Vergleichen Sie die anderen Tageszeitungen jeweils mit unserer Ausgabe?

Horn: Nicht jeden Tag, aber regelmässig, ja. Mich interessiert, wie andere Medienhäuser mit den Bildern zu denselben Themen umgehen, welche Möglichkeiten es gibt und wie andere Redaktionen entscheiden. Bei Grossereignissen wie dem Anschlag auf die Redaktion des «Charlie Hebdo» in Paris schaue ich auch, wie das international redaktionell verarbeitet – und sowohl gestalterisch als auch bezüglich Bildauswahl – gelöst wurde. Wichtig ist für mich, offen und neugierig zu bleiben.

Und wie kommen wir weg?

Horn: Gut, natürlich. Wir geben ja unser Bestes – und zudem besteht unser Fototeam aus sehr kompetenten und engagierten Bildredaktoren und Fotografen mit jahrelanger Erfahrung. Die Fotografen kommen mit guten Bildern von ihrem Einsatz zurück, die Bildredaktoren ihrerseits suchen manchmal stundenlang internationale Bilddatenbanken ab, um das Bild zu einem wichtigen Thema oder für eine Frontseite zu finden.

Ist dieser Aufwand tatsächlich so wichtig?

Horn: Nur so entstehen ausserordentlich schöne und gut illustrierte Zeitungsseiten. Wir erhalten ja nicht umsonst jedes Jahr Preise für unsere Zeitungsgestaltung.

Nehmen die Leser die Bilder auch so in den Fokus wie ihr Profis?

Horn: Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen. Ja, ich denke schon.

Die Bildsprache in unserer Zeitung hat sich im Verlauf der Jahre geändert. Haben Sie daran massgeblich Anteil?

Horn: Das würde ich nicht so formulieren. Ich bin nur ein Teil von vielen. Es gibt Trends und Tendenzen in der Fotografie weltweit, die grossen Einfluss darauf haben. Ich arbeite täglich eng mit unseren Fotografen zusammen. Wir besprechen, konzipieren, suchen Lösungen. Sie sind alle eigen, jeder beleuchtet anders, jeder fotografiert anders, und alle bringen sehr viele Ideen. Aber ich bringe schon auch meine Vorstellungen ein und versuche, den vielfarbigen Weg für alle vorzugeben. Und: Wir haben seit ein paar Jahren unseren visuellen Blattmacher Sven Gallinelli, dem gute Bilder auch wichtig sind.

Was ist die auffälligste Veränderung beim Einsatz von Zeitungsbildern?

Horn: Dass es gegenüber früher nicht mehr auf allen Bildern Menschen hat. Heute kann man ein Thema viel symbolischer und abstrakter darstellen und bebildern. Man darf heute Lesern auch einmal ein «Geschenk» bereiten: ein Bild, das zum Überlegen, zum Staunen oder zum Stolpern bringt, oder eines, das zunächst irritiert.

Geben Sie uns ein Beispiel?

Horn: Einmal nur die Augen Angela Merkels oder nur den Schatten einer Alphornbläserin zeigen. Oder zum Thema Jagd nur einen Baumstamm mit einem hervorlugenden Gewehrlauf. Das ist doch etwas Wunderbares.

Hier kommt klar die Künstlerin in Ihnen zum Ausdruck. Sie haben Grafikdesign studiert. Weshalb sind Sie bei einer Tageszeitung gelandet?

Horn: Das Thema meiner Diplomarbeit war Buchgestaltung. Also wie man mit Bildern, Typografie und Layout Geschichten erzählen und Menschen berühren kann. Die Arbeit als Bildredaktorin lag daher nahe – sogar in Luzern.

In Ihrer Freizeit gestalten Sie mit Leidenschaft Ihren Garten. Da gibt es bestimmt Parallelen zur Arbeit?

Horn: Nun ja, im Garten und auf der Redaktion gibt es Ereignisse, die ich nicht kontrollieren kann. Im Garten sind dies das Wetter und die Maulwürfe, bei der Arbeit äussere Umstände wie verschobene Pressetermine und plötzliche Ereignisse (überlegt). Gemeinsam sind ihnen Farben, Formen und die Vielfalt. Und die sichtbaren Früchte der Arbeit. In meinem Garten gestaltet aber nur die Natur mit.

Eigentlich ein Gegensatz. Bei uns arbeiten Sie ausschliesslich im Büro. Juckt es Sie nicht, sich einfach mal eine Kamera zu schnappen und als Fotografin auf Reportage zu gehen?

Horn: Jein. Ich habe den schönsten Job auf der Redaktion. Jeder Tag ist anders, unberechenbar. Ich arbeite in einem wunderbaren Team, darf die Zeitung mitgestalten, mitbewegen. Ich sehe viele eindrückliche wie auch furchtbare Bilder, nicht nur jene unserer eigenen Fotografen, auch mit Blick in die Welt hinaus. Das manchmal schwierige Fotografieren draussen überlasse ich gern den Profis, auch wenn es manchmal schon hart sein kann, im Grossraumbüro der Redaktion wenig vom schönen Tag draussen mitzukriegen.

Sie sind vor 30 Jahren der Liebe wegen aus Kopenhagen in die Schweiz gekommen, inzwischen aber mit einem Arbeitskollegen zusammen. Ist die Zeitung an Ihrem Feierabend erledigt, oder sind News und Gestaltung auch beim Abendessen noch ein Thema?

Horn: Natürlich, die Arbeit und all die kleinen und grossen täglichen Herausforderungen sind grosse Teile unserer beider Leben, sie bewegen uns. Wir diskutieren Führungsthemen und Allgemeines aus der Medienwelt, Titel und Layouts. Ich als Bildmensch und er als Textmensch, das ist stets bereichernd. Dazu kommt, dass ich früher nie so viele Sportsendungen gesehen habe wie jetzt mit ihm. Das nützt mir auch bei der Arbeit in der Bildredaktion.

Sie erzählten mir einmal, dass Sie in der Schweiz als Erstes einen kulinarisch-kulturellen Schock mit dem Essen erlebten.

Horn: Oh, was für ein schockierender Themenwechsel! Ja, das war mein allererstes Erlebnis in und mit der Schweiz. Als ich 1984 frühmorgens mit dem Nachtzug in Basel ankam und mich ins Bahnhofbuffet setzte, stand auf jedem Tisch ein gefaltetes Kartonkärtchen, auf dem eine Speise angepriesen wurde, daneben der Preis. Mich schockierte damals allerdings nicht der Preis, sondern das Bild dieser seltsamen, mit Schlagrahm und einer roter Kirsche verzierten Vollkorn-Spaghetti – Vermicelles, so etwas kannte ich nicht.

Das Thema Essen wird aber schon grossgeschrieben bei Ihnen?

Horn: Ich koche sehr gerne. Zudem war ich 20 Jahre lang auf dem Wochenmarkt und verkaufte Gemüse eines Bio-Bauernhofs – und ich arbeitete bei einem Fischer in Meggen. Ich kenne mich gut aus mit Lebensmitteln.

Und auch mit der Mode. Sie sind nämlich auch ausgebildete Mode­designerin.

Horn: Was meine grosse Leidenschaft ist. Aber in dieser Branche zu leben und zwei Kinder zu versorgen, war sehr schwierig. Ich habe sehr viele unterschiedliche Dinge gemacht. In Kopenhagen arbeitete ich ausserdem als Kindergärtnerin. Ich denke, dass mir diese Vielfalt als Leiterin des Fototeams entgegenkommt.

Interview Roger Rüegger

HINWEIS

Alle Beiträge der Serie «Menschen hinter den News» finden Sie im Internet auf der Seite www.luzernerzeitung.ch/autoren

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