LESERREAKTIONEN: Bilderkopien: Volksabstimmung wird gefordert

Die kopierten Giebelbilder der Kapellbrücke werden vom Bund als «eher peinlicher Anblick bezeichnet». Das löst einen Sturm der Entrüstung auf der Leser­briefseite unserer Zeitung aus.

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Die an der Luga in Luzern im April 2009 ausgestellten Kopien der Kapellbrückbilder. (Bild Roger Grütter/Neue NZ)

Die an der Luga in Luzern im April 2009 ausgestellten Kopien der Kapellbrückbilder. (Bild Roger Grütter/Neue NZ)

«Wenn Experten in Fragen der Kunst und Ästhetik so sakrosankt urteilen, kommen bei mir Zweifel auf», gibt Wolfgang Sidler aus Luzern zu bedenken. Er ist einer von fünf Leserbriefschreibern, die inzwischen mit einem öffentlichen Kommentar in der Zeitung auf den Bescheid des Stadtrats, die von Jost Schumacher in Auftrag gegebenen Kopien der Kapellbrückenbilder nicht aufzuhängen, reagiert haben. Gegen den Umstand, dass versucht wurde, die Bilder lesbarer zu machen, hat er nichts. Sein Fazit: «In dieser verfahrenen Situation gibt es nur eine richtige Lösung. Die Bürger der Stadt Luzern sollen darüber abstimmen, ob dieser kopierte, lesbare Bilderzyklus auf unserer Kapellbrücke seine Heimat finden soll.»

«Touristische Attraktion»
Ebenfalls für die Kopien setzt sich Silvio Panizza aus Ebikon ein: «Es wäre eine touristische Attraktion, den neuen Zyklus lückenlos während eines Jahres auf der Brücke zu zeigen. Marketingmässig könnte dies geschickt ausgenutzt werden und die Touristen zusätzlich motivieren, nach Luzern zu reisen.» Diesbezüglich hofft er auf eine Intervention von Luzern Tourismus. Dass sich der Stadtrat nicht zu einem bejahenden Entschluss durchringen kann, verortet Panizza in «fehlendem Mut».

Sowohl Raoul Bussmann aus Luzern als auch Lukas Graf, Vizepräsident JCVP Luzern Richenthal, finden eher den Entscheid als die Bilder «peinlich». Wie Panizza argumentiert Graf mit dem touristischen Nutzen – und hofft darauf, dass sich vielleicht mit einem neuen Denkmalpfleger etwas an der Situation ändern könnte. Bussmann plädiert für einen offeneren Kunstbegriff: «Kunst ist das, was der Öffentlichkeit gefällt – nicht den abgeklärten Experten.»

Auch die Kapellbrücke soll weg!
Pointiert und zynisch fasst Rolf Lötscher aus Luzern seinen Groll in Worte: «Lasst doch einfach – konsequenterweise – die wiedererstandene Kapellbrücke, die ja nach Lesart der ?Sachverständigen? nur ein primitiver Nachbau ist, einfach abreissen oder sie ins Ausland verschieben.»

Zusammenstellung scd

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Bei einer auf Zisch gestarteten Umfrage zum Thema sind 436 Stimmen eingegangen. 70% finden den Entscheid falsch, die Bilderkopien nicht aufzuhängen.