LFK-HERRENABEND: Luzerner Standing Ovations für Basler Wortwitz

Wer von der Zeitung als Berichterstatter an den Empfang des Luzerner Fasnachtskomitees (LFK) abdelegiert wird, hat es weit gebracht. Ins reifere Alter vor allem.

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LFK-Präsident Martin Dudle (links) trat als «Glanz & Gloria»-Frau auf, für Vize Roger Ulrich gabs ein Küsschen. (Bild Remo Nägeli/Neue LZ)

LFK-Präsident Martin Dudle (links) trat als «Glanz & Gloria»-Frau auf, für Vize Roger Ulrich gabs ein Küsschen. (Bild Remo Nägeli/Neue LZ)

Das ist quasi Voraussetzung, um die Tragweite dieses Anlasses halbwegs ermessen und das Geschehen mit der gebotenen Milde beurteilen zu können, dem Umstand Rechnung tragend, dass es mit Fasnacht zu tun hat. Gerade wegen Letzterem ist aber auch Routine im Umgang mit allfälligen Unerquicklichkeiten erforderlich. Wenn nämlich in der Zeitung ein allzu respektloses Wort stehen oder ein wichtiger Name fehlen sollte (und es hat fast nur wichtige), ist fertig lustig, setzt es scheints Klar- und Richtigstellungsbegehren ab.

Um es gleich klar und richtig zu stellen: Es war schon sehr zünftig gestern Abend im Saal der Maskenliebhaber-Gesellschaft im Süesswinkel. Herrlich herausgeputzte Mannen, 121 an der Zahl, waren beisammen, um sich dem festlichen Mahl (Kalbsvoressen mit Spätzli aus Martin Schmidlis Bahnhof-Restauration) hinzugeben und den launigen Litaneien zu lauschen. Nicht alles schien dabei lustig gemeint zu sein – oder doch?

An der Fasnacht soll man grundsätzlich nicht werten. Dass der Wortwitz aber doch eher eine Basler Domäne ist, stellte Ehrengast Felix von Rohr, Obmann des Basler Fasnachtskomitees, unter Beweis. Ein Müsterchen: Als Revanche für den Fritischi-Raub könnten die Luzerner ja mal die Gigi Oeri entführen, die habe sogar einen ähnlich braunen Grind wie unser aller Bruder, meinte von Rohr. Sein superb gereimter Vortrag, der ohne Basel-gegen-Luzern-Gifteleien auskam, riss die versammelten Huerenaffe trotz bereits vorgerückter Stunde zu Standing Ovations hin. Passend dazu gab die Kleinformation der Noggeler mit dem Wettstein-Marsch verdientermassen die Basler Hymne zum Besten.

Komödiantische Talent zeigte Fritischivater Thomas Schärli, der als Junkie auf die Bühne kam, um sich«ein bisschen zu wärmen», weil es am Bahnhof wegen des neuen Wegweisungsartikels ungemütlich geworden sei. Mit der Bierflasche in der Hand zog er Parallelen zu all den vielen Flaschen im Saal, namentlich unter den Zunftgewaltigen, Schärli inklusive («nichts als heisse Luft drin»).

Dass Redner in andere Rollen schlüpften, war keine Ausnahme. LFK-Präsident Martin Dudle trat als Annina Frei («Glanz & Gloria») in Erscheinung, Stapi Urs W. Studer als sein eigener Aktenköfferliträger Paul Hurschler. Der wusste natürlich Bescheid über die Internas im Stadthaus. Sicherheitsdirektorin Ursula Stämmer zum Beispiel lasse insgeheim auch diesen LFK-Herrenabend überwachen. Doch keine Bange, beruhigte Hurschler-Studer, die Kamera laufe ohne Ton. Stämmer habe sich dazu entschlossen, seit sie selber einmal mit Ton gefilmt worden sei. Am Jodlerfest.

Nein, nein, es gab nichts Zotiges, nichts Ehrenrühriges am gestrigen Abend. Alles blieb – fast ist man geneigt zu sagen: leider – über der Gürtellinie und politisch korrekt. An die Grenze ging einzig einmal Tätschmeister Roger Ulrich, LFK-Vizepräsident, der solide durchs Programm führte. «Bei uns ists wie am WEF, ausser dass niemand davonläuft – vermutlich weil die Kebab-Stände bereits geschlossen sind ?»

Was fehlt noch? Genau: Die Wortspiele von CVP-Nationalrat Pius Segmüller («Fasnacht hat auch mit Faseln zu tun»), die Reime von NW-Regierungsrat Beat Fuchs («D Lozärner tüend am Umzug laufe ond d Nidwaldner Plakette chaufe»), das Walserische von Wey-Zunftmeister Franz Heini, die HD-Läppli-Nummer von Roland Essig (Maskenliebhaber) und Roland Stöckli (Dominus Fidelitas). Das Allerbeste aber ist vermutlich erst nach Redaktionsschluss gekommen. Wie immer halt. Aber vielleicht kriegt ja der Berichterstatter irgendwann noch eine zweite Chance.

Hans Graber