Und Luzern sprach: Es werde Licht – das sind die Höhepunkte des Lilu Lichtfestivals
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Am Donnerstagabend geht das Lilu Lichtfestival in die zweite Runde. Die 19 Installationen sind historisch, biblisch – aber auch verspielt.

Simon Mathis
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Wasserturm, Hofkirche oder Vögeligärtli: Am Donnerstagabend ab 18 Uhr erstrahlen zahlreiche Gebäude und Orte der Stadt Luzern vier Stunden lang in einem neuen Licht. Im Rahmen des Lilu Lichtfestival Luzern präsentieren Künstler aus aller Welt ihre Installationen. Dieses Jahr findet die Veranstaltung zum zweiten Mal statt. Die Zahl der Installationen ist gestiegen – erstmals ist das Lilu auch in der Neustadt präsent.

Was für Geschehnisse und Geheimnisse verstecken sich noch hinter den dicken Wänden des Wasserturms? Projekt Oktogon von François Chalet.
26 Bilder
Die Hofkirche, einmal anders beleuchtet.
Logo des Lilu Lichtfestivals am Quai.
Die Installation «En-Trance» des Künstlerkollektivs Projektil vor der Hofkirche.
«Tanze durch die Wellen des Lichtermeeres, verliere dich in endlosen Mustern und Farben. Lass dich zum Eingang einer neuen Dimension führen.»
Ein Kind steht vor einer der Lichtinstallationen
«En-Trance» vor der Luzerner Hofkirche
Der Künstler François Chalet bespielt die Geschichte des über 700 Jahre alten Wasserturms.
Zart herabhängend enthüllen «Les Amours en Cage» der Künstlerin Martine Christophe die erhabene Grösse der Pflanzenwelt, gesehen auf dem Quai.
Keys of Light ist ein interaktives Kunstwerk des niederländischen Künstlers Mr. Beam. Die Installation wird durch die Zuschauer mitgestaltet, welche durch eine Reihe von Live-Solo-Performances Klänge hervorrufen.
Cygnus ist eine poetische Lichtinstallation auf dem Wasser.
15 Schwäne, scheinbar im Schlaf auf dem Wasser treibend, erwachen und werden von einem inneren Licht erhellt. Gemeinsam tanze sie einen geheimnisvollen Nachtreigen.
Es gibt viel zu erzählen:
Ein Verliess, ein Archiv, ein Schatz, ein Schuss und ein toter Storch.
Das Künsterkollektiv Projektil präsentiert mit ihrer neusten Show in der Hofkirche die Fortsetzung ihres letztjährigen Grosserfolgs Genesis.
Mit Genesis 2 werden die Tage 4 bis 7 der Schöpfungsgeschichte in den heiligen Hallen inszeniert.
Decke, Wände und weitere Strukturen der Hofkirche werden durch Lichtprojektionen zum Leben erweckt.
Die Projektion entführen die Besucher unter einen freien Himmel, der die Schöpfungsgeschichte visuell neu interpretiert.
Der Zugang zu Genesis 2 kostet 18 Franken Eintritt.
Einige Show sind bereits ausverkauft.
In Flammen getaucht: der Wasserturm.
Und noch einmal mit einmal mit einem anderen Sujet.
«Oktogon» von François Chalet zeigt die Geschichte des Wasserturm .
«Cygnus» by Pet & Flo and Denis Bivour.
Die Projektion dauert rund 20 Minuten und ist jeden Tag bis am 19. Januar von 18 bis 22 Uhr zu sehen.
Die Umgebung der Hofkirche Luzern wird mit Lichtprojektionen verzaubert.

Was für Geschehnisse und Geheimnisse verstecken sich noch hinter den dicken Wänden des Wasserturms? Projekt Oktogon von François Chalet. 

Bild: Pius Amrein (Luzern, 8. Januar 2020)
«Es ist nicht unsere Strategie, immer mehr Projekte zu zeigen. Die künstlerische Qualität steht nach wie vor im Vordergrund.»

Das sagte Marcel Perren, Präsident des Vereins Lichtfestival Luzern, am Medienrundgang. Für das diesjährige Lilu gingen 75 Projekteingaben ein, 19 von ihnen kamen zur Umsetzung. Ein Spaziergang an alle Stationen dauert ungefähr zwei Stunden und ist kostenlos. Das Budget des diesjährigen Festivals liegt bei fast einer Million Franken. Das sei nur unbedeutend mehr als im letzten Jahr, sagt Perren. Finanziert wird das Lilu durch Beiträge des Branchenverbands Luzern Hotels, Luzern Tourismus, Sponsoren, Stiftungen und weiteren Partnern.

Mit dem Wasserturm auf Zeitreise

Ein Höhepunkt des diesjährigen Festivals ist sicherlich das Projekt «Oktogon» von François Chalet, der an der Hochschule Luzern Design & Kunst doziert. Im nachfolgenden Video sind die ersten rund vier Minuten der 20-minütigen Projektion zu sehen: 

Chalet projiziert schlichte, aber prägnante Cartoon-Episoden auf den Wasserturm – und erzählt so die Geschichte des Stadtluzerner Wahrzeichens. Das Werk schreckt nicht davor zurück, auch düstere historische Kapitel anzudeuten. Das nur dreiköpfige Team um Chalet verbildlicht den Brand der Kapellbrücke 1993 auf eindrückliche Weise. «Ich bin sehr stolz, den Wasserturm so bespielen zu dürfen», sagte Chalet am Mittwochabend. Erst beim Einrichten am Dienstag habe er gemerkt, was das für ein unglaubliches Projekt sei.

Lilu – das sind die Highlights

Nicht weniger als 19 Stationen umfasst das diesjährige Lilu-Lichtfestival Luzern. Sie bringen die Stadt vom 9. bis 19. Januar jeweils von 18 bis 22 Uhr zum Leuchten. Keinesfalls verpassen sollten Sie folgende fünf Höhepunkte.
Spektakulär: «Genesis 2». Die Fortsetzung von «Genesis» erzählt die biblische Schöpfungsgeschichte weiter. Tickets sind ab 13 Franken erhältlich.
– Musikalisch: «Keys of Light». Wer sich an den Flügel im Nationalquai-Pavillon setzt, kann mit der Klaviatur das Lichtspiel auf der Pavillonfassade lenken.
– Historisch: «Oktogon». Projektionen auf dem Wasserturm erzählen die Geschichte dieses ikonischen Bauwerkes.
– Verspielt: «Hit!» An der Fassade der ZHB können Besucher bei einer virtuellen Schneeballschlacht mitmachen.
– Experimentell: «Mutatio». Was haben Selfies mit der Luzerner Politikerin Josi Meier zu tun? Zu erfahren ist das im Zöpfli. (sma)

Der eigentliche Glanzpunkt des Lilu findet sich im Innern eines Gotteshauses: Das Zürcher Künstlerkollektiv Projektil erzählt in der Hofkirche mit Licht und Ton die biblische Schöpfungsgeschichte. «Genesis 2» ist die Fortsetzung der imposanten Lichtshow «Genesis», die im Januar 2019 ein Besuchermagnet war – 8000 Tickets gingen weg.

«Im vergangenen Jahr wurden wir vom grossen Zulauf überrascht», so Marcel Perren. Deshalb habe man heuer den Besucherstrom verbessert und das E-Ticketing-System eingeführt. Laut Perren konnte man online bereits 5700 Tickets verkaufen. «Genesis 2» wird an einigen Aufführungen auch von Livemusik begleitet. Am 19. Januar, dem letzten Lilu-Abend, spielt in der Hofkirche gar die erfolgreiche Zürcher Folk-Band Black Sea Dahu. Diese Vorstellung ist laut offizieller Website bereits ausverkauft.

Ein Schwanentanz auf dem Vierwaldstättersee

Ganz so epochal und gross sind nicht alle der 19 Lichtinstallationen. Es kann auch beschaulicher und verspielter zu und her gehen. Etwa, wenn vor dem Schweizerhofquai 15 leuchtende Schwäne elegant über das Wasser tänzeln:

Oder beim Musikpavillon am Nationalquai; dort können sich Besucher an einen Flügel setzen und in die Tasten hauen. Die Klaviatur ist direkt mit einem Computer verbunden, der die Töne und die Spielweise der Pianisten in pulsierende Lichter an der Pavillonfassade übersetzt.

Viele Installationen sind eng mit der Stadt Luzern verknüpft. So etwa das «Gespenst in der Furrengasse» von Elke Radtke oder die Installation «Mutatio» im Zöpfli, die an die Luzerner Politikerin Josi Meier erinnert. Die zweite Ausgabe des Lilu ist mit hohen Erwartungen verknüpft. «Die erste Ausgabe zog 40'000 Besucher an», hielt Marcel Perren während des Rundgangs fest. «Jetzt wollen wir 60'000 Personen erreichen.» Perren stand am Mittwoch die Vorfreude auf die nächsten Abende ins Gesicht geschrieben: «Letztes Jahr waren wir unsicher, ob das Interesse gross genug ist. Jetzt sind wir weiter und können auf dem positiven Echo aufbauen.»

Die Installation vor der Hofkirche:

Die Installation vor dem Schweizerhof: 

Das Logo am Nationalquai:

Die 19 Lichtinstallationen im Überblick:

Hinweis: Der Rundgang zu den 19 Lichtinstallationen ist kostenlos begehbar und dauert rund zwei Stunden. Für die Lichtshow Genesis 2, den geführten Lilu-Rundgang sowie weitere Events aus dem Rahmenprogramm werden Tickets benötigt. Weitere Informationen unter www.lichtfestivalluzern.ch

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