Lido-Unfall wird Fall für das Luzerner Kantonsgericht – Verunglückter Mann geht in Berufung

Der 2014 im Luzerner Strandbad Lido verunglückte Familienvater legt gegen den Freispruch der Verantwortlichen Berufung ein.

Evelyne Fischer
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Das Bezirksgericht Luzern hat den Badmeister und den Geschäftsführer des Strandbades Lido vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung durch Unterlassung freigesprochen. Im Juni 2014 kam es im Lido bei einem Steg zu einem schweren Unfall, das Opfer leidet seither an einer kompletten Tetraplegie. Laut Urteil lassen die Beweismittel «keine Schlüsse auf den genauen Unfallhergang» zu. Es sei unklar, ob der zweifache Familienvater einen «Köpfler» gemacht habe oder bloss unglücklich ins Wasser gefallen sei. Selbst wenn das Aufstellen von Warntafeln mit dem Hinweis «Kopfsprünge verboten» den Unfall hätte verhindern können, lasse sich daher keine strafbare Handlung nachweisen (wir berichteten).

Auf diesem Steg verunglückte der Mann.

Auf diesem Steg verunglückte der Mann.

Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 17. Juli 2017

Der Verunfallte, der sich als Strafkläger am Verfahren beteiligt, lässt den Fall nun durch seinen Rechtsanwalt Erich Züblin ans Luzerner Kantonsgericht weiterziehen. «Der Freispruch beruht auf einer fehlerhaften Würdigung des Sachverhalts», sagt Züblin auf Anfrage.

«Man hätte Verbotstafeln aufstellen müssen»

Kopfsprünge vom Steg in den See hätten laut Züblin verboten werden müssen. «Für Naturbäder gelten die gleichen Regeln wie für künstliche Schwimmbecken. Da Menschen die Gefahren im Wasser unterschätzen und ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen, hätten entsprechende Verbotstafeln aufgestellt werden müssen.» Für Züblin steht fest: «Hätte man sich an die gesetzlichen Bestimmungen und Richtlinien gehalten, wäre mein Klient heute kein Tetraplegiker.» Aus Sicht des Strafklägers soll eine Bestrafung der Verantwortlichen auch präventiv wirken – die «Sicherheitskultur» soll verbessert und entsprechende Unfälle in Seebadis verhindert werden. Alleine das Lido werde an heissen Sommertagen von durchschnittlich 4000, in Spitzenzeiten von bis zu 6000 Badegästen besucht.

An der Verhandlung hatte sich auch der Staatsanwalt auf den Standpunkt gestellt, dass Verbotsschilder den Mann von einem Sprung abgehalten hätten. Eine solche Tafel wurde beim Steg erst 2016 angebracht. Schon vor der Einführung des Verbots seien Badmeister aber angehalten gewesen, im hinteren Bereich des Stegs konsequent zu intervenieren, sagte der Lido-Geschäftsführer am Bezirksgericht. «Alle Badmeister haben diese Aufgabe pflichtbewusst umgesetzt.» Im vorderen Bereich, wo vermutlich der Familienvater eingetaucht ist, seien flache Kopfsprünge möglich.

Schadenersatzansprüche stehen im Raum

Rechtsanwalt Erich Züblin verfolgt mit der Berufung ein weiteres Ziel: Das Strafverfahren könne dazu beitragen, «einen Sachverhalt so festzustellen, dass sich die haftpflichtrechtlichen Konsequenzen anschliessend einfacher klären lassen und Schadenersatzansprüche durchgesetzt werden können».

Er betont: Das Strafverfahren sei von Amtes wegen eingeleitet worden. «Es soll korrekt abgeschlossen werden.» Zur Erinnerung: Das Bundesgericht hatte im Juli 2017 entschieden, dass der Fall nochmals aufgerollt werden muss. Dies führte dazu, dass die Luzerner Staatsanwaltschaft, die das Strafverfahren wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung durch Unterlassung Ende 2015 eingestellt hatte, doch noch Anklage erheben musste.