Lieber neue Bilder als leere Giebel

Jetzt kommt Bewegung in die blockierte Diskussion um die Luzerner Brückenbilder. Stadtrat und Parlament stellen die Weichen, um die Lücken auf der Kapellbrücke bald wieder zu füllen.

Robert Knobel
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Die augenfälligen Lücken auf der Kapellbrücke. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 6. Juli 2017))

Die augenfälligen Lücken auf der Kapellbrücke. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 6. Juli 2017))

Im August jährt sich der Brand der Luzerner Kapellbrücke zum 25. Mal. Die Brücke ist bekanntlich längst wieder aufgebaut. Doch die Frage der Brücken-Bilder ist nach wie vor ungelöst. Dort, wo die historischen Bilder den Brand nicht überstanden haben, bleiben die Rahmen bis heute leer.

Einst als Mahnmal für den Brand von 1993 gedacht, wird dieser Zustand heute zunehmend als störend empfunden. Darüber ist sich mittlerweile auch die Politik mehrheitlich einig. Das Luzerner Stadtparlament hat deshalb gestern einen Vorstoss von SP, CVP und GLP überwiesen. Dieser fordert eine Strategie für die Nutzung der leeren Brückenjoche. Insbesondere wird vorgeschlagen, die leeren Stellen mit zeitgenössischer Kunst zu besetzen. Zu diesem Zweck soll die «Hängeordnung» geändert werden, welche das Aufhängen von Brückenbildern regelt.

Bilder sollen eine Geschichte erzählen

Auch der Stadtrat findet, es sei jetzt an der Zeit, die Bilderfrage zu klären. Allerdings gibt es dazu noch viele offene Punkte. So etwa die Frage, welche Art von Bildern dereinst auf der Kapellbrücke hängen soll. Ein gewisser Konsens herrscht darüber, dass die neuen Bilder genauso wie die alten eine Geschichte erzählen und zum Nachdenken anregen sollen. Die Bilder könnten beispielsweise aktuelle gesellschaftliche Vorgänge thematisieren und reflektieren. Christian Hochstrasser (Grüne) sagte am Donnerstag im Grossen Stadtrat dazu: «Die Bilder sollen eine Geschichte zum aktuellen Zeitgeschehen erzählen.»

Stefan Sägesser (GLP) plädierte dafür, «den Mut zu haben für Aussagen, die zu Diskussionen anregen». Harte Worte für den jetzigen Zustand fand Michael Zeier-Rast (CVP): «Die Pseudolücken kastrieren das Wesen dieser Brücke.» Das «begehbare Bilderbuch», das die Brücke früher war, müsse endlich wieder hergestellt werden. Über Inhalt und Sujets der neuen Brückenbilder wird wohl noch viel diskutiert werden – auch die Denkmalpflege wird sehr viel mitzureden haben. Kein Thema mehr sind die Kopien der verbrannten Bilder, die vor einigen Jahren kontrovers diskutiert wurden. Sowohl der Denkmalschutz als auch die Mehrheit der Politik lehnen Kopien der historischen Bilder klar ab.

Einzig die FDP findet, es gebe in Sachen Brückenbilder keinen Handlungsbedarf. «Für uns stimmt die jetzige Hängeordnung », sagte Laura Grüter. Die FDP lehnte den Vorstoss denn auch als einzige Fraktion ab. Sie hatte schon in der Vergangenheit eine andere Meinung, indem sie etwa das Aufhängen von Bildkopien befürwortete. Die Jungfreisinnigen hatten 2013 eine Initiative lanciert, mit der sie das Aufhängen ebendieser der Kopien ermöglichen wollten. Die Initiative wurde allerdings abgelehnt. Fragt sich noch, wer allfällige neue Bilder für die Kapellbrücke bezahlen wird. Möglicherweise kommt der Stadt hier ein Legat aus dem Jahr 2016 gelegen. Das Legat erhielt die Stadt für die Aufwertung der Kapell- und Spreuerbrücke. Aufgrund dieser Geldspende wird zurzeit ein Aufwertungskonzept zusammen mit der Hochschule Luzern erarbeitet.