Luzerner Kantonsgericht: Liebesbriefe, SMS und Blumen kosten einen verliebten Afghanen fast 14'000 Franken

Das Luzerner Kantonsgericht hat einen 33-Jährigen unter anderem wegen Nötigung verurteilt. Der Mann konnte das Nein seiner Angebeteten nicht akzeptieren – und kassiert nun eine hohe Geldstrafe.

Evelyne Fischer
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Während Monaten überhäufte er seine Ex-Chefin mit Anrufen und SMS-Nachrichten, Tag und Nacht. Der im Kanton Luzern wohnhafte Afghane legte seiner Angebeteten Blumen vor die Haustüre, hinterliess Geschenke auf dem Gartensitzplatz, schrieb Liebesbriefe, sprayte mit Acrylfarbe rote Herzen auf ihre Treppe.

Sie sah sich bedrängt und belästigt, installierte Kameras, öffnete die Rollläden immer seltener, wechselte die Telefonnummer und reichte schliesslich eine Strafanzeige ein. Die Staatsanwaltschaft warf dem 33-Jährigen Nötigung, mehrfachen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vor. Dagegen wehrte sich der Beschuldigte, erst vor dem Bezirksgericht Luzern, dann vor Kantonsgericht (Artikel vom 20. Januar).

Es besteht Wiederholungsgefahr

Nun liegt das Verdikt der obersten Luzerner Instanz vor: Die Kantonsrichterin und die beiden Kantonsrichter verurteilen den Beschuldigten zu einer unbedingten Geldstrafe von 170 Tagessätzen à 80 Franken. Es müsse davon ausgegangen werden, «dass der Beschuldigte auch weiterhin versuchen wird, die Privatklägerin auf verschiedene Art und Weise zu kontaktieren». Daher sei es notwendig, dass der Mann die insgesamt 13'600 Franken bezahle, hält das Gericht im Urteil fest.

Wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung war der Beschuldigte bereits vorbestraft. Bereits während der Probezeit beging er erneut Gesetzesbruch. Daher wurde das Strafmass erhöht. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft eine unbedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken gefordert.

Wie schon das Bezirksgericht kommt auch das Kantonsgericht zum Schluss, dass der Beschuldigte die Privatklägerin über mehrere Monate «massiv belästigt» hat. Man könnte das Verhalten des Mannes auch wie folgt benennen: Stalking. Anders als in Ländern wie Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich stellt dies hierzulande keinen eigenen Straftatbestand dar. Nötigung oder Hausfriedensbruch zählen zu jenen Straftatbeständen, die oft in Zusammenhang mit Stalking auftreten.

Beschuldigter bezeichnet Befragungsprotokoll als «Quatsch»

Der Mann zeigte sich während des Verfahrens völlig uneinsichtig. In einer Befragung hatte die Privatklägerin zu Protokoll gegeben, dass sie ihn nicht liebe. Der Beschuldigte bezeichnete das Dokument in der Verhandlung als «Quatsch» und verwies auf einen Chat, der beweise, dass sie seine Gefühle erwidere. Hierzu kontert nun das Gericht: Es sei «unbehelflich», wenn der Beschuldigte «zum Beweis der angeblichen Liebe» einen Chatverlauf aufführe, bei dem er «anonym beziehungsweise unter falschem Namen» aufgetreten sei. Überdies gehe aus dem Chat keine Liebesbekundung der Privatklägerin hervor.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann ans Bundesgericht weitergezogen werden. Der Beschuldigte, der ohne Anwalt vor die Richter getreten ist, hat die Verfahrenskosten von 5400 Franken zu tragen.