Lisa Zanolla (SVP) kämpft für die «Määs» – und bringt das Polit-Karussell in Luzern in Schwung

Ihr Schausteller-Geschäft steht seit Monaten still. Doch politisch geht es für Lisa Zanolla aufwärts: Die SVP-Politikerin ist neue Präsidentin des Luzerner Stadtparlaments.

Robert Knobel
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Lisa Zanolla im «Crazy Cactus» an der Baselstrasse.

Lisa Zanolla im «Crazy Cactus» an der Baselstrasse.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 3. September 2020)

Am vergangenen Donnerstag wurde Lisa Zanolla (SVP) turnusgemäss zur neuen Präsidentin des Grossen Stadtrats Luzern gewählt. Eigentlich wollte sie danach eine grosse Wahlfeier im «Crazy Cactus» an der Baselstrasse durchführen. Doch, wie so oft in diesen Zeiten, musste sie ihre Pläne kurzfristig ändern: Gefeiert wurde schliesslich in der Messehalle Allmend, wo es mehr Platz für Social Distancing gibt; auch aufs Essen wurde verzichtet.

Sie gibt die Hoffnung auf eine Määs 2020 noch nicht auf

Dass die Feststimmung am Wahltag getrübt war, ist wohl noch die kleinste Sorge, die Lisa Zanolla zurzeit umtreibt. Denn beruflich hat die Coronakrise die 50-Jährige mit voller Wucht getroffen. «Uns trifft es wohl von allen überhaupt am meisten», sagt Zanolla, die mit ihrem Mann eine Schaustellerfirma mit fünf Fahrgeschäften führt. Ausgerechnet am Wochenende, an dem der Lockdown kam, wollten die Zanollas ihre Tournee durch die Schweizer Jahrmärkte und Chilbis starten. Seither warten sie – immer in der Hoffnung, dass das Licht am Horizont doch noch kommt.

Genau so war es auch mit der Luzerner Määs, für Zanolla einer der wichtigsten Anlässe des Jahres. Die Määs 2020 wurde offiziell zwar abgesagt, doch Lisa Zanolla will die Hoffnung noch nicht ganz begraben. «Wir haben bei der Stadt ein Schutzkonzept eingereicht.» Dieses sieht einen Lunapark auf dem Europa- und Bahnhofplatz vor. Auf dem abgesperrten Gelände soll Maskenpflicht und eine Zugangsbeschränkung herrschen. Ähnliches fordert auch ein dringliches Postulat der CVP, welche sich zusätzlich für einen kleinen Markt auf der Bahnhofstrasse einsetzt.

«Gebt uns eine Chance, zu zeigen, dass wir es schaffen»

Die Määs einfach abzusagen, sei jedenfalls keine Lösung, findet Zanolla. Denn: Spätestens zu Beginn der nächsten Saison im Frühling würden sich dieselben Fragen wieder stellen. «Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben», sagt Zanolla und appelliert an den Stadtrat: «Es geht auch um Solidarität mit den Schaustellern. Gebt uns doch die Chance, zu zeigen, dass wir es schaffen, eine coronakonforme Määs auf die Beine zu stellen.»

Lisa Zanolla: «Eine Stadtratskandidatur würde nicht in mein Leben passen.»

Lisa Zanolla: «Eine Stadtratskandidatur würde nicht in mein Leben passen.»

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 3. September 2020)

Die Coronakrise prägt vorläufig auch das Amtsjahr von Lisa Zanolla als Parlamentspräsidentin. Die Sitzungen finden bis auf weiteres nicht im Rathaus, sondern im viel grösseren Kantonsratssaal statt. Zanollas Amtsvorgänger Daniel Furrer (SP) und Albert Schwarzenbach (CVP) haben ihr Präsidialjahr jeweils mit speziellen Aktionen geprägt – etwa mit Abendsitzungen fürs Publikum oder mit Besuchen von Parlamentspräsidenten der Nachbargemeinden. Lisa Zanolla plant nichts dergleichen, hat ihre Wahl aber unter ein Motto gestellt, das ihre berufliche Leidenschaft genauso auf den Punkt bringt wie ihre politische Überzeugung: «Karussell».

Jede Partei ist ein Karussell-Rössli

Das Parlament sei wie ein Karussell. Jede Partei sei ein Rössli, das mal oben, mal unten ist. «Das Wichtigste aber ist: Alle drehen gemeinsam. Wir alle sind hier, weil wir die Stadt Luzern weiterentwickeln wollen.» Dass sie selbst einer sogenannten «Polpartei» angehört, ändert nichts an Zanollas Überzeugung. Die SVP habe im politischen Karussell einfach eine andere Rolle als die Mitteparteien. «Es ist wie bei einer Preisverhandlung: Man fordert extra ein bisschen mehr und erhält am Ende ein Ergebnis, mit dem man gut leben kann.»

Das politische Karussell: Illustration der Einladungskarte zu Lisa Zanollas Wahlfeier.

Das politische Karussell: Illustration der Einladungskarte zu Lisa Zanollas Wahlfeier.

Die manchmal hitzigen Diskussionen im Parlament sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter den Kulissen in den Kommissionen sehr konstruktive Arbeit geleistet werde – und zwar von allen Parteien, wie Zanolla betont.

Die SVP und die Affäre Bonzanigo

Lisa Zanolla ist gegen Einschränkungen des Autoverkehrs und den Abbau von Parkplätzen, sie fühlt sich in der SVP wohl – trotz der jüngsten Turbulenzen in der Partei. Zanolla stand der Stadtratskandidatur von Silvio Bonzanigo von Anfang an kritisch gegenüber. Ob der Wirbel um Bonzanigos Person letztlich für die Wahlschlappe verantwortlich war (die SVP büsste 2 von 7 Sitzen ein), kann Zanolla nicht sagen. Sicher sei aber: «Es ist im Wahlkampf Einiges schief gelaufen.» Die SVP-Fraktion geht jedenfalls stark geschwächt in die neue Legislatur. Neben den beiden Sitzverlusten geht noch der Sitz von Silvio Bonzanigo, der bekanntlich aus der SVP ausgeschlossen wurde, verloren. Und weil Lisa Zanolla als Parlamentspräsidentin nicht abstimmen darf, bleiben der SVP-Fraktion nur noch drei Mitglieder – noch weniger als die GLP.

Die SVP müsse dringend in die Personalpolitik investieren, sagt Zanolla – auch im Hinblick auf die nächsten Stadtratswahlen 2024. Könnte sie sich womöglich eine Kandidatur vorstellen? Lisa Zanolla winkt ab: «Das würde nicht in mein Leben passen.» Vielmehr hofft sie, nächstes Jahr endlich wieder losziehen zu können. Nicht nur mit dem parlamentarischen Karussell, sondern auch mit den richtigen, grossen Bahnen.

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Robert Knobel