Littau: Die Tage des Schulhauses Grenzhof sind gezählt

Ob das Schulgebäude Grenzhof tatsächlich unter Schutz gestellt wird, ist noch offen. Klar ist hingegen: Der Stadtrat will das Gebäude nicht mehr als Schule nutzen und dafür die benachbarte Schulanlage Rönnimoos ausbauen. Dafür hat er vom Parlament nun grünes Licht erhalten.

Robert Knobel
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Um dieses Gebäude wird gestritten: Das Schulhaus Grenzhof in Littau. (Bild PD)

Um dieses Gebäude wird gestritten: Das Schulhaus Grenzhof in Littau. (Bild PD)

Der Nebel rund um das umstrittene Thema Grenzhof hat sich etwas gelichtet: Das Luzerner Stadtparlament hat zwei dringliche Postulate von FDP und Grünen abgelehnt. Das eine forderte, einen Weiterbetrieb der Schulanlage Grenzhof zu prüfen, das andere wollte den Architekturwettbewerb für den Ausbau der Schulanlage Rönnimoos sistieren. Die Mehrheit des Parlaments folgte dem Stadtrat, der sein ursprüngliches Vorhaben wie geplant umsetzen will: Den Schulbetrieb im Grenzhof einzustellen und dafür das wenige hundert Meter entfernte Schulhaus Rönnimoos zu sanieren und auszubauen. Denn, so der Stadtrat, die Zeit dränge: Einerseits ist das Grenzhof-Schulhaus heute wegen Schadstoffbelastung zur Hälfte unbenutzbar, zudem würden die Schülerzahlen im betroffenen Quartier stark ansteigen.

«Es besteht dringender Handlungsbedarf», schreibt der Stadtrat in der Antwort auf die Postulate. Wegen der Querelen rund um die Unterschutzstellung des Grenzhof-Schulhauses sei man bereits ein Jahr im Verzug gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan. Die Eröffnung der ausgebauten Schulanlage Rönnimoos sei nun frühestens 2024 realistisch. «Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren», mahnte auch Andreas Felder (CVP).

Muss Stadt andere Nutzung für Schulhaus suchen?

Was die Zukunft des Rönnimoos-Schulhauses betrifft, scheint nun also alles klar zu sein. Ganz anders beim Grenzhof-Schulhaus. Zu den ursprünglichen Plänen des Stadtrats gehörte nämlich auch, das Schulhaus abzureissen und durch eine Wohnüberbauung zu ersetzen. Doch die kantonale Dienststelle für Hochschulbildung und Kultur hat bekanntlich entschieden, das Gebäude aus den Sechzigerjahren unter Denkmalschutz zu stellen (wir berichteten). Der Stadtrat hat gegen diesen Entscheid Beschwerde eingereicht. Sollte die Unterschutzstellung durch alle Instanzen hindurch bestätigt werden, darf die Stadt das Grenzhof-Gebäude nicht abreissen. Da eine schulische Nutzung wie erwähnt kein Thema mehr ist, müsste die Stadt eine alternative Nutzung suchen.

Das Thema Grenzhof wurde im Stadtparlament äusserst kontrovers diskutiert. Gegen die Pläne des Stadtrats waren die Grünen. Korintha Bärtsch: «Ich konnte noch nie schwarz auf weiss lesen, weshalb das Schulhaus Rönnimos besser ist als der Grenzhof.» Auch Judith Wyrsch (GLP) sagte: «Briefe von Anwohnern ans Parlament zeigen, dass sie den Grenzhof schätzen und am Schulhaus festhalten wollen.»

Angst vor teurer Sanierung

Doch gemäss dem Stadtrat spricht eine Reihe von Gründen dafür, den Schulbetrieb im Rönnimoos weiterzuführen, und nicht im Grenzhof: So sei das Rönnimoos besser vor der Hauptstrasse geschützt und der Standort sei sonniger. Zudem zähle das Rönnimoos heute schon deutlich mehr Schüler als das Grenzhof. Und vor allem: Eine Sanierung des Grenzhofs könnte ein Fass ohne Boden werden. Allein die nötigen Massnahmen für die Erdbebensicherheit könnten über 2 Millionen Franken kosten, so der Stadtrat. Hinzu komme die Schadstoff-Problematik. Das Schulhaus ist mit Naphthalin belastet. Selbst mit einer Sanierung müsste wohl extra eine Lüftung eingebaut werden, um die Grenzwerte künftig einzuhalten. Auch Urs Zimmermann (SVP) meinte: «Man kann noch zehn Expertisen machen - niemand kann uns garantieren, dass die Schadstoff-Problematik definitiv gelöst werden kann. Das ist für Schüler und Lehrpersonen nicht zumutbar.»

«Möglich wäre ein zusätzlicher
Kindergarten-Standort
ausserhalb des Rönnimoos.»

Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli

Allerdings entstehen mit der Konzentration auf den Standort Rönnimoos für einige Schüler längere Schulwege, etwa aus dem Gebiet Gütschhöhe. Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli (SP) sagte, man nehme die Bedenken der Eltern ernst. Doch gebe es andere Antworten darauf als den Weiterbetrieb des Grenzhofs. «Möglich wäre zum Beispiel ein zusätzlicher Kindergarten-Standort ausserhalb des Rönnimoos», so Züsli.

Rieska Dommann (FDP) mahnte vergeblich, man habe die Sanierungsmöglichkeiten zu wenig ernsthaft geprüft. Das Grenzhof-Schulhaus sei ein wertvolles Baudenkmal, das erhalten bleiben soll: «Wir sollen die Trouvaillen, die wir haben, zu neuem Leben erwecken und dafür sorgen, dass sie noch während vielen Jahrzehnten gute Dienste leisten können.»

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Robert Knobel