LITTAU: Flüchtlingskinder: Per Theater zur Integration

Auch wenn sie sich teils kaum verständigen können: Das Theaterspiel von Flüchtlings- und Schweizer Kindern klappt bestens. Morgen ist Aufführung.

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Auf der Basis von einfachen Utensilien wie Plastikbechern entwickelten die Kinder ein Theaterstück. (Bild Pius Amrein)

Auf der Basis von einfachen Utensilien wie Plastikbechern entwickelten die Kinder ein Theaterstück. (Bild Pius Amrein)

Auf der Basis von einfachen Utensilien wie Plastikbechern entwickelten die Kinder ein Theaterstück. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
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Die Aufführung findet am Samstag, 10. Oktober 2015, in Littau statt. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
Die Kinder, die am Theaterprojekt teilnehmen, sind zwischen 8 und 15 Jahre alt. Unter den teilnehmenden Flüchtlingskindern gibt es auch unbegleitete Minderjährige. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
Die Kinder haben mit Freiwilligen der Service Civil International (SCI) an dem Theaterprojekt gearbeitet. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))
Durch das Theater sollen Flüchtlingskinder die Möglichkeit haben, sich besser zu integrieren. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))

Auf der Basis von einfachen Utensilien wie Plastikbechern entwickelten die Kinder ein Theaterstück. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ))

Bereits zum dritten Mal führt der Service Civil International (SCI) in Luzern gemeinsam mit dem Verein Trau Fremdem das integrative Projekt Theater­Flucht durch. «In dieser Woche probten wir mit 25 Kindern aus den verschiedensten Ländern», erklärt Rahel Beetschen, Projektleiterin von TheaterFlucht. Angemeldet haben sich Kinder aus Asylzentren, mit Migrationshintergrund, aber auch Schweizer Kinder. Taymaz (9) aus dem Iran ist schon zum dritten Mal dabei. «Theater spielen macht mega Spass. Auch, dass wir basteln, gefällt mir.» Heute präsentieren die Kinder ihre Arbeit in einer öffentlichen Theateraufführung. Nervös vor der Aufführung sei er nicht, erklärt Taymaz. «Das war ich das erste Mal, jetzt weiss ich: Nervös zu sein, bringt mir nichts.»

Auch unbegleitete Minderjährige

Die Kinder sind zwischen 8 und 15 Jahre alt. Dieses Jahr machen auch vier unbegleitete minderjährige Asylsuchende (14- und 15-jährig) mit. Ihre Herkunft ist kein Thema in der Projektwoche – bewusst, weil die Kinder nicht noch mehr traumatisiert werden sollen. «Die Kinder sind einfach nur Kinder. Aber natürlich sind wir sehr achtsam mit ihnen», betont Theaterpädagogin Maria Gallati, die zusammen mit der Musikerin Lisa Brunner die künstlerische Leitung innehat.

Während in den letzten Jahren grobe Themen für das Theater vorgegeben wurden, lassen sich die Kinder heuer von den Materialen, die zur Verfügung stehen – nämlich Einwegbecher und schlichte Papiertüten –, leiten. «Die Ideen kommen von den Kindern, eines will tanzen, eines will eine Prinzessin spielen. Wir fügen das wie eine Collage zusammen», erklärt die Theaterpädagogin. Die Stimmung ist fröhlich, meistens läuft es gut zwischen den Kindern, die sich teilweise nur ganz schlecht verstehen. «Wenn jemand nicht gut Deutsch kann, dann verständigen wir uns mit Zeichensprache», erzählt Laurin (10) aus Kriens. Er habe sich zum Projekt angemeldet, weil er neugierig auf die Flüchtlingskinder sei.

Wann muss die Flöte einsetzen?

Die Kinder sind gerade dabei, eine Szene zu proben, in der sie gemeinsam eine Pyramide aus Einwegbechern bauen. Einige ihrer Kollegen machen dazu Musik. Ein kleiner Junge, der Flöte spielt, versteht nicht, wann er anfangen muss zu spielen. Lisa Brunner macht es ihm mit den Kindern vor, fast schon pantomimisch. Beim nächsten Versuch klappt das Timing bestens, die Kinder werden mit lautem Proben-Applaus belohnt. Dass TheaterFlucht nicht nur eine nette Herbstferienbeschäftigung ist, sondern auch nachhaltig etwas bewirkt, davon ist Rahel Beetschen überzeugt. «Die Schweizer Kinder beschäftigt es, dass die Flüchtlingskinder von weit her in unser Land kamen. Und auch ihre Eltern befassen sich so automatisch damit.» Ausserdem werden hier auch Freundschaften geschlossen, zum Beispiel zwischen Helen (13, Eritrea) und Djellza (13, Kosovo). Beide sind schon zum zweiten Mal dabei und werden diesmal den Cupsong singen.

Insgesamt wird TheaterFlucht in sechs Schweizer Städten realisiert. Der lokale Partner von SCI, der Verein Trau Fremdem, organisiert hier in Luzern das Fundraising, die Kinder, die Lokalität und alles Nötige.

Hinweis

Aufführung: Morgen Samstag, 15 Uhr, in der reformierten Kirche Littau. www.traufremdem.ch, www.theaterflucht.ch

Natalie Ehrenzweig