LITTAU: Muss die Cheerstrasse nochmals vors Volk?

2009 sagte das Littauer Stimmvolk Ja zum Bau der neuen Cheerstrasse. Doch nun könnten die in der Zwischenzeit stark gestiegenen Kosten dem Projekt zum Verhängnis werden.

Hugo Bischof
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Hier soll die neue Cheerstrasse durchführen. Die Gleisunterführung steht schon, ist aber noch ungenutzt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. Mai 2017))

Hier soll die neue Cheerstrasse durchführen. Die Gleisunterführung steht schon, ist aber noch ungenutzt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. Mai 2017))

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

24,3 Millionen Franken soll der Bau der neuen Cheerstrasse im Stadtteil Littau kosten. Damit haben sich die Kosten gegenüber dem ursprünglichen Projekt von 2009 fast verdoppelt – teuerungsbedingt, aber auch, weil der Stadtrat zusätzliche Massnahmen vorsieht (wir berichteten). Die entlang der Bahngleise via Unterführung zum Kreisel Bodenhof führende Umfahrungsstrasse soll die heutige prekäre Verkehrssituation beim Bahnübergang Bahnhof Littau entschärfen.

Voraussichtlich am 1. Juni wird das Stadtparlament über den vom Stadtrat beantragten Zusatzkredit von 9 Millionen Franken befinden. Dazu kommt ein weiterer Kredit von 1,3 Millionen Franken für zusätzliche Betriebs- und Unterhaltskosten.

SVP ringt sich zu «Gesamtlösung» durch

Grösste Knacknuss bei der Parlamentsdebatte dürften die hohen Zusatzkosten sein. Am stärksten ins Gewicht fällt die 6 Meter breite Velo- und Fussgänger-Unterführung beim Bahnhof Littau für 4,6 Millionen Franken. In einer ersten Reaktion hatte sich Peter With, Präsident der städtischen SVP, auf Anfrage unserer Zeitung kritisch zu einem solchen «Velotunnel» geäussert. Wichtig sei in erster Linie, dass das Strassenprojekt, so wie es die Stimmbevölkerung der früheren Einwohnergemeinde Littau 2009 beschloss (damals noch ohne Velo- und Fussgänger-Unterführung), endlich umgesetzt werde.

Grüne sagen kategorisch Nein

Inzwischen hat die SVP Stadt Luzern ihre Fraktionssitzung abgehalten. Und jetzt tönt es etwas anders. «Die ganze Fraktion steht jetzt hinter dem Gesamtprojekt, auch hinter den zusätzlichen Massnahmen inklusive der Velo- und Fussgänger-Unterführung», sagte SVP-Fraktionschef Marcel Lingg am Freitag. «Wir wollen eine Gesamtlösung; deshalb akzeptieren wir auch die Verbesserung für den Langsamverkehr.»

Kategorisch Nein zum Ausbau der Strasse sagen die Grünen. Deren Fraktionschefin Korintha Bärtsch betont: «Der Landverschleiss ist viel zu gross. Und die neue Strasse lässt mehr Verkehr zu, sodass die Kreuzung Bodenhof später wegen Kapazitätsproblemen auch ausgebaut werden müsste.» Zudem sei es «unsinnig und falsch», eine Strasse mit der möglichen Ausdehnung der Siedlungsfläche zu begründen. Bärtsch spricht damit eine allfällige Einzonung des Gebiets Gopigen an. Heute ist dieses Land jedoch noch unbebaut.

Auch Grünliberale wollen Volksabstimmung

Wichtig sei aber, dass die Bevölkerung erneut über den Kredit abstimmen könne, betont Bärtsch. «Das heisst über die neue Ausgangslage, dass die Cheerstrasse halt viel mehr kostet als angenommen.» Das sei «aus demokratischen Gründen» zwingend, «da die Littauer Bevölkerung die Cheerstrasse in einer Volksabstimmung ja deutlich angenommen hat».

Nicht nur die Grünen, auch die Grünliberalen werden sich in der Parlamentsdebatte für ein obligatorisches Referendum, also eine zwingende Volksabstimmung einsetzen. «Unter diesem Vorbehalt werden wir dem Zusatzkredit zustimmen», sagt GLP-Fraktionschef Jules Gut.

Mario Stübi (SP) betont, dass das vorliegende Projekt wegen der finanziellen und baulichen Veränderungen «weitgehend einer Neubeurteilung bedarf». Es brauche eine Absprache mit den anderen Parteien, «um zu einer befriedigenden Lösung für alle zu kommen». Aktuell stünden für die SP Kosten und Nutzen «nicht in einem optimalen Verhältnis».

Auch FDP-Fraktionschefin Sonja Döbeli hofft auf eine Optimierung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses. Für Roger Sonderegger (CVP) ist die Verbesserung der Situation für den Velo- und Fussgängerverkehr beim Bahnhof positiv: «Diese ist heute sehr unbefriedigend und gefährlich.» Auch die Lärmsituation an der unteren Cheerstrasse und am Grünauring würde besser. «Wichtig ist uns zudem, dass nicht das Stadtluzerner Parlament den Stecker zieht, nachdem das Volk in Littau schon Ja gesagt hat.» Negativ seien die hohen Kosten.

Strassenunterführung steht schon seit zwölf Jahren

Einen kuriosen Aspekt hat das Projekt neue Cheerstrasse abseits der politischen Debatte. Die für die Umfahrung notwendige Unterführung der Bahngleise zirka 400 Meter nordöstlich des Bahnhofs Littau steht nämlich bereits. Sie wurde von der Gemeinde Littau 2005 vorausblickend für 1,87 Millionen Franken gebaut. Zurzeit ist sie ungenutzt. Frühestens 2023, wenn die neue Strasse stehen soll – also 18 nach ihrem Bau – ,kann sie ihren Betrieb aufnehmen.