LITTAU: Neue Cheerstrasse wird viel teurer

Der Luzerner Stadtrat will die neue Verbindungsstrasse zwischen Littau Dorf und Littauerboden nun realisieren. Die Zusatzkosten sind happig.

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Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

2009, kurz vor der Fusion mit der Stadt Luzern, sagte die Stimmbevölkerung der Gemeinde Littau klar Ja zur neuen Cheerstrasse. Rund 13,8 Millionen Franken hätte das Projekt damals kosten sollen. Jetzt, acht Jahre später, will der Stadtrat die neue Umfahrungsstrasse endlich realisieren. Doch die Kosten haben sich nun fast verdoppelt – auf rund 24,3 Millionen Franken. Entsprechend beantragt die Stadtregierung beim Parlament einen Zusatzkredit von 8,95 Millionen Franken, plus 1,3 Millionen Franken für die höheren Betriebs- und Unterhaltskosten.

Die Cheerstrasse verbindet Littau Dorf mit dem Littauerboden. Anstatt über den heutigen Bahnübergang beim Bahnhof Littau soll sie künftig entlang der Bahnlinie durch eine Unterführung zum Knoten Bodenhof führen und dort in die Thorenberg­strasse einmünden (siehe Plan). Der Übergang beim Bahnhof für Autos soll aufgehoben werden.

Künftig keine Rückstaus mehr

Mit der neuen Cheerstrasse können die Rückstaus beim heutigen barrieregesteuerten Bahnübergang der Strecke Luzern–Wolhusen künftig verhindert werden. Warum aber ist das Projekt nun so viel teurer? «Vertiefte Abklärungen haben ergeben, dass es unter den heutigen Voraussetzungen zusätzliche Massnahmen braucht, damit das Projekt seine Wirkung entfalten kann», sagt der städtische Verkehrsdirektor Adrian Borgula (Grüne). Folgende zusätzliche Teilprojekte sind gemäss Borgula notwendig, «damit man von einem Gesamtverkehrskonzept sprechen kann»:

  • Anstatt des heutigen Bahnübergangs beim Bahnhof gibt es eine neue Velo- und Fussgänger-Unterführung (Zusatzkosten: 4,6 Millionen Franken).
  • Erweiterung der Zu- und Wegfahrten plus Anpassung der Verkehrsführung beim Knoten Bodenhof und beim Abschnitt Bodenhof–Cheerstrasse (insgesamt 990 000 Franken).
  • Flankierende Massnahmen zur Aufwertung der Cheerstrasse zwischen Thorenbergstrasse und Bahnhof Littau zu einer Quartierstrasse (240 000 Franken).

Auch das ursprüngliche Projekt Cheerstrasse selber verteuerte sich um knapp 5 Millionen Franken – teuerungsbedingt, aber auch, weil im Vergleich zum heutigen Standard «die Kosten für Unvorhergesehenes und die Honorare für Drittaufträge deutlich zu knapp berechnet wurden», so Borgula. «Zudem erfolgte zwischenzeitlich eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, und die Landerwerbskosten mussten aufgrund der Marktpreise und der heutigen Berechnungspraxis nach oben korrigiert werden.» Die Unterführung der Bahngleise 400 Meter nordöstlich des Bahnhofs Littau ist im Sinne einer Vorarbeit schon 2005 realisiert worden, ist bis heute aber noch ungenutzt.

Noch offen ist, ob sich der Bund im Rahmen des Agglomerationsprogramms 3 mit geschätzten 8,5 Millionen Franken am Projekt beteiligen wird. Auch von den SBB erhofft sich der Stadtrat eine Beteiligung von 2,6 Millionen Franken. Dass das Projekt neue Cheerstrasse erst jetzt zur Ausführung kommt, hat gemäss Stadtrat Borgula damit zu tun, dass im Rahmen der städtischen Investitionsplanung dem Neu- und Ausbau der Schulhausinfrastruktur im Stadtteil Littau/Reussbühl eine höhere Priorität eingeräumt worden sei.

Kommt es zur Volksabstimmung?

Voraussichtlich am 1. Juni wird der Grosse Stadtrat über den Zusatzkredit von 9 Millionen Franken befinden. Ein Knackpunkt ist das aus Sicht vieler Parlamentarier ungünstige Kosten-Nutzen-Verhältnis. Das Parlament hat die Möglichkeit, via obligatorisches Referendum eine Volksabstimmung zu verlangen. Ob es dazu kommt, ist offen. Nimmt das Projekt alle Hürden, sollte die neue Strasse 2023 fertiggestellt sein.

Hinweis

Der Bericht und Antrag im Detail