Littering hat seit dem Ende des Lockdowns wieder stark zugenommen – nun plant die Stadt Luzern eine Infokampagne

Auf der Ufschötti und bei anderen Brennpunkten hat die Stadt Luzern ein Abfallproblem. Verursacht wird es vor allem durch Nachtschwärmer. Das Strasseninspektorat will nun stärker sensibilisieren.

Beatrice Vogel
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Bilder: PD/Stadt Luzern

In der Stadt Luzern haben seit dem Lockdown-Ende Littering und Vandalismus wieder stark zugenommen. Die Stadt hat darauf in einem Facebook-Post aufmerksam gemacht und das respektlose Verhalten angeprangert: So liessen Besucher der Ufschötti am Montagabend haufenweise Abfall liegen, Hinweisschilder wurden ausgerissen und Grill-Eimer demoliert.

Da stellt sich die Frage: Wird in der Ufschötti mehr Abfall liegen gelassen, weil es keine Güselkübel, sondern nur noch vier Recycling-Stationen gibt? Seit Ende Mai testet die Stadt mit diesen Stationen ein neues Abfalltrennungssystem. Das Pilotprojekt dauert bis im Herbst. Nach den ersten drei Wochen hatte das Strasseninspektorat ein positives Fazit gezogen. Allerdings: Ende Juni wurde bereits eine der vier Stationen durch einen Brand zerstört.

«Das Littering-Problem hat nichts mit den Recycling-Stationen zu tun», sagt Florian Aschbacher, Leiter Betrieb und Strassenunterhalt beim Stadtluzerner Strasseninspektorat. «Auch als die Kübel noch standen, lag nach schönen Abenden viel Abfall auf der Wiese herum.» In der ganzen Innenstadt werde Jahr für Jahr mehr gelittert. Littering verursacht der Stadt jährliche Reinigungs­kosten von bis zu 1,5 Millionen Franken.

Nachtleben ist grösster Littering-Verursacher

Wie viel Arbeit dem Strasseninspektorat durch Littering anfällt, zeigt auch der Lockdown-Vergleich: «Während der coronabedingten Schliessung der Bars und Restaurants waren zwei Mitarbeitende pro Wochenendmorgen ab 5 Uhr im Stadtzentrum unterwegs. Mit der Rückkehr zur ‹Normalität› stehen wieder elf Mitarbeitende im Einsatz», heisst es im Facebook-Post. Das bedeutet: «Neun Leute sammeln am Wochenende in der Stadtmitte nur jenen Abfall auf, der von Leuten auf den Boden geworfen wird, die im Ausgang waren», so Aschbacher.

Das Nachtleben ist denn auch das eigentliche Problem, sowohl was Littering als auch was Vandalismus betrifft. «In der Nacht fehlt oft die soziale Kontrolle, es ist Alkohol im Spiel, da kommt den Leuten der Respekt abhanden», sagt Aschbacher. Dann sei es den Nachtschwärmern egal, ob alle 20 Meter ein Abfallkübel steht wie etwa an der Pilatusstrasse. Im Sommer ist das Problem grösser, da es dann die Temperaturen zulassen, sich bis spät in die Nacht im Freien aufzuhalten.

Tagsüber wird derweil kaum gelittert, weil dann die soziale Kontrolle grösser ist. Allerdings, so Aschbacher: «Am Tag haben wir das Problem, dass die Abfallkübel sehr schnell voll sind, weil Take-away-Verpackungen oft sehr voluminös sind.» Um dieses Problem zu beheben, will die Politik weitere Massnahmen ergreifen, etwa mit einer Sauberkeitscharta.

Stadt will stärker sensibilisieren

Zurück zur Ufschötti. Als Reaktion auf den Facebook-Post der Stadt haben diverse User mit Vorschlägen kommentiert, wie man Littering vorbeugen könnte: die Abfallsünder am frühen Morgen zum Aufräumen aufbieten, Eintritt verlangen, oder die Ufschötti gar nachts abriegeln. Solche Restriktionen lassen sich kaum umsetzen. Auch, weil die Übeltäter höchst selten in flagranti erwischt werden: Gemäss einer Schätzung der Luzerner Polizei von Ende 2019 werden im Kanton Luzern jährlich nur rund 200 Bussen wegen Littering ausgesprochen. Und für mehr Kontrollen hat die Polizei keine Ressourcen.

Am ehesten umsetzen liesse sich wohl der Vorschlag eines Users, die Ufschötti-Nutzer zum freiwilligen Spenden zu animieren. Wobei fraglich ist, wie viele Abfallsünder wirklich Geld spenden würden – wenn sie schon zu faul sind, ihren Güsel wegzuwerfen. Für Florian Aschbacher ist klar, dass die Stadt vor allem eine Möglichkeit hat, um dem Problem zu begegnen: «Wir müssen die Leute stärker sensibilisieren.» Deshalb der Facebook-Post. Das Strasseninspektorat sei aktuell daran, eine entsprechende Kampagne aufzubauen, die über diverse Kanäle laufen soll.