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LITTERING: Luzern kämpft gegen Vermüllung

Im Sommer nimmt die Abfallproblematik im öffentlichen Raum drastisch zu. 65 Männer sorgen dafür, dass die Stadt nicht vermüllt. An Spitzentagen werden allein auf der Ufschötti 20 Kubikmeter Abfall entsorgt.
Thomas Heer
Hält das Gelände der Luzerner Ufschötti sauber: Harkou Abdallah vom Strasseninspektorat. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 2. Mai 2018))

Hält das Gelände der Luzerner Ufschötti sauber: Harkou Abdallah vom Strasseninspektorat. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 2. Mai 2018))

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Es ist kurz vor 7.30 Uhr, als Thomas Kälin dem anwesenden Reporter vier A4-Blätter überreicht. Auf der ersten Seite findet sich die Überschrift, und die lautet: «RG Aufschütte 2018». Dabei steht die Abkürzung RG für Reinigung. Thomas Kälin ist seit dreieinhalb Jahren Leiter Stadtteil Süd innerhalb des Strasseninspektorates. Und er ist mit seinen 14 Leuten unter anderem verantwortlich für die Ufschötti, wie die Einheimischen die Erholungszone am linken Vierwaldstätterseeufer nennen.

Dass Kälin und seine Leute täglich mit viel Engagement und, wie das ausgehändigte Dokument unterstreicht, auch mit einer grossen Portion Systematik unterwegs sind, verdeutlicht der Augenschein zur frühen Morgenstunde irgendwann im Verlaufe dieser Woche. Die Ufschötti-Anlage erinnert den Betrachter an einen fein säuberlich herausgeputzten Schlosspark. Weit und breit lässt sich kein einziges störendes Detail ausmachen, welches das prächtige Gelände verunstalten würde. Harkou Abdallah, einer der Männer aus Kälins Team, pflegt das Terrain, als wär’s seine eigene Stube.

Tonnenweise Trink- und Essbares angeschleppt

Die Sommermonate stehen vor der Tür, und das bedeutet für ­Kälin und seine Leute ein hohes Mass an Mehrarbeit. Denn spielt das Wetter mit, zieht es die Menschen zu Tausenden ins Freie, vorzugsweise natürlich auch an den See. Die meisten kommen dabei nicht mit leeren Händen. Tonnenweise wird Trink- und Essbares angeschleppt. Die einen stellen auch beim Feiern unter Beweis, dass sie nicht mit einer Rakete durch die Kinderstube flogen. Die anderen hingegen legen ein Verhalten an den Tag, das Kälins Chef, Florian Aschbacher, Leiter des städtischen Betriebs und Strassenunterhalts, zur Aussage verleitet: «Was man am Morgen bisweilen antrifft, ist erschreckend.» Und diese erschreckenden Zustände finden sich nicht nur in Luzern und führten vor wenigen Tagen dazu, dass Holger Lange, Geschäftsführer der Hamburger Stadtreinigung, gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» sagte: «Littering ist kein Kavaliersdelikt.» So wird in Hamburg zum Beispiel unzureichend gelöschte Grillkohle mit einer Busse von 1000 Euro geahndet.

Allein auf dem Areal Ufschötti kommen an Spitzentagen bis zu 20 Kubikmeter Abfall zusammen. Das entspricht in ungepresstem Zustand dem Fassungsvermögen eines mittelgrossen Müllwagens. Seit 26 Jahren verdient Kälin mit der Reinigung des öffentlichen Raums seinen Lebensunterhalt. Eine seiner Erfahrungen aus dieser Zeit fasst er so zusammen: «Seit der Einführung der Sackgebühr hat das Littering zugenommen.» Er spricht auch von Güseltouristen. Also von Männern und Frauen, die ihren zu Hause angehäuften Müll illegal irgendwo im Freien entsorgen, um so die Sackgebühren zu umgehen. Kälin hat aber auch zum Stichwort «Van­dalismus» einiges zu erzählen. Müllbehälter würden in den See geschmissen, Duschköpfe abgeschraubt und ebenfalls ins Wasser geworfen oder Sitzbänke einfach einmal angezündet.

Auch der Umgangston sei mit den Jahren ruppiger geworden. Das treffe in erster Linie auf die Stadtmitte zu, so Kälin. Dann, wenn zu vorgerückter Stunde angetrunkene, meist junge Männer unterwegs sind. Und der enthemmende Alkohol dazu führt, dass die Reinigungskräfte der Stadt angepöbelt werden. Thomas Kälin sagt aber auch: «Mehrheitlich erfahren wir für unsere Arbeit viel Wertschätzung.»

Dieses Jahr findet in Russland die Fussballweltmeisterschaft statt. Zahlreiche Fans werden die Spiele im Rahmen eines Public Viewings verfolgen. Daher rechnet Thomas Kälin mit einem Mehraufwand. Sein Chef Florian Aschbacher relativiert jedoch: «Wirklich viel mehr Arbeit dürfte es nur dann geben, wenn die Schweiz Weltmeister wird.» Und davon ist nun wirklich nicht auszugehen.

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