Löcher in den Kassen: Das Corona-Virus torpediert die Luzerner Gastroszene

Die Luzerner Gastronomie ächzt unter dem Corona-Virus: Gewisse Lokale könnten schon bald gezwungen sein, den Betrieb einzustellen.

Pascal Studer
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Die Tische bleiben leer: Hoang Thi Loan steht im Shanghai an der Haldenstrasse in Luzern.

Die Tische bleiben leer: Hoang Thi Loan steht im Shanghai an der Haldenstrasse in Luzern.

Bild: Pius Amrein, Luzern,
10. März 2020

Mit der Verbreitung des Corona-Virus sind dunkle Wolken über der Zentralschweizer Gastronomie aufgezogen. Auch über dem chinesischen Restaurant Shanghai an der Haldenstrasse. Ein Blick in das Lokal verrät gähnende Leere. Einzig das leise Gespräch eines Pärchens ist hörbar, leise wird mit dem Besteck hantiert. Sie sind die einzigen Gäste, vier weitere Personen werden später noch erwartet. Dabei hat das Restaurant Platz für 130 Personen. Geschäftsführerin Hoang Thi Loan ist besorgt, ihre sind Worte alarmierend:

«Wenn sich die Situation im nächsten Monat nicht bessert, müssen wir das Restaurant vielleicht schliessen.»

Spürbar war der Einfluss des Corona-Virus auf den Restaurant-Betrieb gemäss Hoang bereits Ende Februar. Akzentuiert habe er sich aber vor allem Anfang März, genau während jener Zeit also, in welcher das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die aktuelle Situation als «besonders» eingestuft hatte. Seither sagen Veranstalter Anlässe massenhaft ab und vor allem ältere Menschen sowie immunschwache Personen bleiben zunehmend zu Hause.

Umsätze fallen in den Keller

Das asiatische Restaurant Falken am Rotsee in Ebikon hat ebenfalls Einbussen – seit dem Ausbruch des Corona-Virus sank der Umsatz um rund 40 Prozent. Auch Einheimische sind dem Restaurant vermehrt ferngeblieben. Selbst wenn man die nächste Zeit mit Kurzarbeit zu überbrücken hofft, gibt sich das Lokal besorgt:

«Wenn sich die Lage in drei Monaten nicht verbessert, müssen wir in Betracht ziehen, den Betrieb einzustellen.»

Diese existenzielle Aussage zeigt, dass die Krankheit die Gastronomie auch über die Luzerner Stadtgrenze hinaus fordert. Auch das Ace Cafe in Rothenburg findet dringliche Worte. Inhaber Dany Kunz sagt: «Unser Umsatz ist um 30 Prozent gesunken.» Er erzählt exemplarisch, wie er letzten Freitag eine Ü31-Party veranstaltet hatte. Erwartet hatte er 150 Gäste, gekommen sind 20. «Die Situation hat sich verschlechtert», sagt Kunz. Ob er bald schon gezwungen ist, harte Massnahmen zu ergreifen? Der Geschäftsführer verneint: «Ich werde niemanden entlassen.» Dass er seine Mitarbeitenden bald auffordern könnte, Ferien zu beziehen, oder er auf Kurzarbeit umstellen muss, zieht Kunz jedoch in Betracht.

Dem Luzerner Backwarenbetrieb Bachmann macht die Epidemie ebenfalls Sorgen. Geschäftsleitungsmitglied Matthias Bachmann sagt: «Wir spüren die Auswirkungen besonders beim Fachgeschäft am Schwanenplatz.» Hier habe man hohe Einbussen hinnehmen müssen. Aber auch bei anderen Läden seien die Umsätze seit letzter Woche verhalten.

Auch wenn es schwierig sei, genaue Rückschlüsse zu ziehen, ist das Virus gemäss Bachmann «sicherlich nicht verkaufsfördernd». Das zurückgehende Kaufverhalten der Kunden am Ladentresen – das Online-Geschäft beeinflusst das Virus nicht – sei aber schwierig zu quantifizieren. Bachmann sagt jedoch: «Ich gehe davon aus, dass wir in den letzten Wochen mindestens 5 Prozent weniger Umsatz gemacht haben.» Er betont:

«Diese Einbussen schmerzen.»

Lokale Kunden bleiben treu – trotz Epidemie

Anders sieht die Situation bei Betrieben aus, welche über einen lokalen Kundenstamm verfügen. Etwa bei der Macchi-Bäckerei. Das Traditionsunternehmen besitzt in Ebikon, Kriens und Luzern insgesamt sechs Filialen – unter anderem an der Pilatusstrasse. Geschäftsführer Markus Krummenacher konsultiert die Verkaufszahlen von letzter Woche und kommt zum Schluss, dass die Bäckerei keine nennenswerten Einbussen gemacht habe. «Wir sind nicht enorm betroffen», hält er fest. Zwar habe man vereinzelt an regnerischen Tagen rund 10 Prozent weniger Einnahmen generiert. Dieser Malus sei aber angesichts des Wetters normal. So ist für Krummenacher klar: «Wir sind im Vergleich zum Vorjahr auf Kurs.»

In den Macchi-Filialen spürt man wenig vom Corona-Virus.

In den Macchi-Filialen spürt man wenig vom Corona-Virus.

Bild: Roger Grütter, Luzern,
21. Juli 2016

Ähnliches sagt auch Sergio Maurizi. Im letzten August hatte er seine Pizzeria «La Bestia» an der Frankenstrasse eröffnet. Angesprochen auf die möglichen Auswirkungen des Corona-Virus auf sein Restaurant sagt er: «Wir merken nicht wirklich, dass wir deswegen weniger Kundschaft haben.» Dies könne unter anderem daran liegen, dass diese fast ausschliesslich aus Luzern käme. Dennoch gibt auch ihm die aktuelle Lage zu denken. Maurizi sagt: «Es macht mir schon Sorgen. Die Situation ist zwar noch nicht beängstigend – aber sie könnte es werden.»

Stornierungen beim Schweizerhof und Casino Luzern

Dass immer mehr Veranstalter ihre Anlässe absagen, merkt das Hotel Schweizerhof. Zahlreiche Säle und andere Räumlichkeiten können hier gemietet werden. Zuletzt habe es gemäss Inhaber Patrick Hauser allerdings überdurchschnittlich viele Absagen gegeben. «Es geht dabei um verschiedene Veranstaltungen, wie beispielsweise Generalversammlungen», erklärt Hauser. Aber auch die Reservations-Anfragen an sich seien zuletzt aufgrund der Corona-Epidemie rückläufig gewesen. Hauser sagt:

«Wir hatten für diese und die nächsten Wochen eindeutig weniger Anfragen.»

Optimistisch stimmt ihn jedoch, dass die abnehmende Nachfrage nach den Lokalitäten des Schweizerhofs nur temporärer Natur zu sein scheinen. «Die Anfragen für den Sommer und den Herbst sind nach wie vor da», bestätigt Hauser.

Vor dem Ausbruch des Virus: Eine Menschenansammlung vor dem Hotel Schweizerhof am Suppentag der «Schweizer Tafel» letzten November.

Vor dem Ausbruch des Virus: Eine Menschenansammlung vor dem Hotel Schweizerhof am Suppentag der «Schweizer Tafel» letzten November.

Bild: Pius Amrein, Luzern,
21. November 2019

Neben dem Schweizerhof vermietet auch das Casino Luzern Räume für Anlässe verschiedenster Art. Auch wenn der Spielbetrieb gemäss Geschäftsführer Wolfgang Bliem wie bisher weiterläuft, sagt auch er: «Derzeit ist das Reservationsverhalten für grössere Anlässe zurückhaltend.» Auch würden bestehende Veranstaltungen verschoben oder gar storniert werden. Ähnliche Worte findet auch das Hotel Des Alpes. «Wir merken, dass die Gäste sehr verunsichert sind. Auch wir verzeichnen Absagen, sowohl im Veranstaltungs- als auch im Hotelbereich bei den Zimmerreservationen», sagt Direktorin Sandra Merkli.

Zurück an der Haldenstrasse. Im Restaurant Shanghai nimmt der Kellner eine Take-Away-Bestellung entgegen, die erwarteten Gäste sind inzwischen eingetroffen. Ihre Reservation wäre mit Blick auf die vielen leeren Plätze nicht wirklich nötig gewesen. Hoang gibt sich trotzdem hoffnungsvoll: «Ich glaube nicht, dass sich die Lage noch lange hinziehen wird.»

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