LÖWENDENKMAL: «Lieber zahlen als das hier»

Die beiden neu aufgestellten Toi-Toi-WCs sorgen für Unmut. Touristen wie Einheimische ekeln sich.

Aleksandra Mladenovic
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Wollte eigentlich nicht aufs WC: die neunjährige Luzernerin Daphna. (Bilder Aleksandra Mladenovic)

Wollte eigentlich nicht aufs WC: die neunjährige Luzernerin Daphna. (Bilder Aleksandra Mladenovic)

«Es stinkt unglaublich», beschwert sich Dung Tran, Verkäuferin im Souvenir-Kiosk direkt gegenüber den beiden neuen Toi-Toi-WCs beim Löwendenkmal. Die Stadt Luzern hat diese als WC-Provisorium aufgestellt (Ausgabe von gestern). Fast den ganzen Tag über stehen die Baustellen-WCs in der heissen Sonne.

In den letzten Tagen war der Gestank laut der Souvenirverkäuferin Tran je nach Windrichtung unerträglich. «Manchmal», erzählt Tran weiter, «wollen so viele Touristen auf einmal aufs WC, dass sich Schlangen bis zum Kiosktresen bilden.» Das sei für die Verkäuferin aus zwei Gründen problematisch: Kaufwillige kämen gar nicht mehr an den Tresen heran. Und, so Tran: «Während ich an der Türe etwas verkaufe, stehlen die in der Schlange stehenden Touristen einfach Souvenirs.»

WC-Papier auf dem Boden

Bei unserem gestrigen Augenschein haben sich zwar keine langen Schlangen vor den WCs gebildet – im Gegenteil: Viele Touristen nähern sich den Toi-Tois oft sehr zaghaft, fassen den Türgriff gerade einmal mit zwei Fingern an, schauen erst einmal ins WC hinein, bevor sie es benutzen, oder machen einfach wieder kehrt. So etwa Scott Mitchell (23) aus Australien. «Es ist nicht gerade das sauberste WC, das ich je gesehen habe. Es liegt jede Menge Papier auf dem Boden, und es ist nass», berichtet der Tourist. Seine Freundin Kierra Hagedorn (22) fügt hinzu: «Unser Hotel ist zu Fuss 20 Minuten von hier entfernt. So lange können wir es noch aushalten.»

Kein fliessendes Wasser

Eine ältere Russin, die das WC gerade verlassen hat, kramt mit einem vor Ekel verzerrten Gesicht feuchte Taschentücher hervor und rät ihrer Kollegin, doch noch bis zum nächsten verfügbaren WC auszuharren.

Eine Luzerner Mutter, die nicht namentlich erwähnt werden will, läuft indes mit ihren sechs Kindern auf die WCs zu und bekommt von ihrer neunjährigen Tochter Daphna zu hören: «Nein, ich kann es noch zurückhalten.» Eine Viertelstunde früher sei die Familie bereits hier gewesen, jetzt müssten die Kinder aber wirklich dringend aufs WC. «Es hat nicht einmal fliessendes Wasser. Sehr hygienisch ist das nicht», sagt die Mutter, während ein Kind nach dem anderen zaghaft im WC verschwindet. «In Luzern hat es generell zu wenig öffentliche WCs», fährt die Mutter mit der Kritik fort. «Aber ein anständiges WC an einem so touristischen Ort wäre doch nun wirklich kein Luxus. Ich würde lieber 50 Rappen bezahlen als das hier.»

«Ich bin überrascht»

Auch Cyrus Chao (42) aus Macao in China ist von der provisorischen Lösung nicht gerade begeistert – nach dem WC-Besuch sucht er vergebens nach einem Brunnen, um sich die Hände zu waschen. Allerdings sagt er: «Es liegt zwar überall Papier herum. Ich bin aber überrascht, dass es nicht schlimmer stinkt. Man sieht ja, dass es ein Provisorium ist, das wohl bald einmal ersetzt wird.»