LÖWENPLATZ: Eisenskelett für das «Panorama»-Gebäude

Der Rundbau des Bourbaki-Panoramas auf dem Löwenplatz in der Stadt Luzer wurde billig gebaut. Ein Genfer Immobilienhändler versprach sich davon eine gute Rendite.

Rainer Rickenbach
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Blick auf «Panorama»-Baustelle im Jahr 1889 (Bild: Stadtarchiv)

Blick auf «Panorama»-Baustelle im Jahr 1889 (Bild: Stadtarchiv)

Der heutige Gebäudekomplex mit Bibliothek und Kinos. (Bild: Nadia Schärli)

Der heutige Gebäudekomplex mit Bibliothek und Kinos. (Bild: Nadia Schärli)

1889 machten sich die Bauarbeiter daran, die «Panorama»-Rotunde auf dem Löwenplatz zu errichten. Zuerst zogen sie den Eisenskelettbau hoch, dann füllten sie die Zwischenräume mit Beton. Lange dürfte das nicht gedauert haben. «Es wurde eine preisgünstige Bauweise gewählt, obwohl der Baugrund schwierig war», sagt die heutige Museumsleiterin Ute K. Würthenberger.

Bauherr war der Genfer Immobilienhändler Benjamin Henneberg. Grosse Panorama-Gemälde galten im ausgehenden 19. Jahrhundert als der letzte Schrei, sie schossen in den europäischen Metropolen wie Pilze aus dem Boden. In der Schweiz gab es bislang zwei: in Zürich und in Genf, wo das Ölgemälde des Westschweizer Malers Edouard Castres ein paar Jahre lang zu sehen war, ehe es 1889 in die Innerschweiz gezügelt wurde. Henneberg hatte den Standort mit Bedacht gewählt. Luzern war damals ein sehr beliebtes Reiseziel für die Adligen aus ganz Europa. Die Lage nahe bei den anderen Touristenattraktionen Löwendenkmal und Gletschergarten verhiessen einen stattlichen Besucherstrom und reichlich Einnahmen aus dem Eintrittskarten-Verkauf.

Die humanitäre Schweiz

«Panoramas waren sozusagen die Kinos vor den Kinos. Die Leute informierten sich über andere Städte und weit entfernte Landschaften», erklärt Würthenberger. Vor allem aber waren in Paris, Berlin oder Brüssel martialische Schlachtszenen zu sehen, denn es war die Zeit des aufkeimenden Nationalgefühls in Europa. Nicht viel fehlte, und auch das Luzerner Gemälde hätte sich um ein kriegerisches Ereignis gedreht. Doch die einheimische Gruppe, die ein Panoramagebäude an gleicher Stelle der Schlacht von Sempach widmen wollte, brachte die notwendigen 400 000 Franken nicht zusammen.

So kam es, dass am Löwenplatz das Schweizerische Rote Kreuz zu sehen ist, das sich 1871 den Soldaten der abgedrängten Armee des französischen Generals Bourbaki annimmt. «Das Gemälde zeigt die humanitäre Schweiz, das ist einmalig. Es löste eine weltweite Medienkampagne aus und trug stark zur Bekanntheit des Roten Kreuzes bei», sagt Ute K. Würthenberger.

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