LOHN: VBL-Direktor muss seinen Bonus verteidigen

Nachdem die Gewerkschaft VPOD mit den VBL einen Gesamtarbeitsvertrag ausgehandelt hat, kritisiert sie die Vergütung für Geschäftsführer Norbert Schmassmann heftig. Dieser zeigt sich irritiert.

Beatrice Vogel
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Zwei Doppelgelenktrolleybusse vor dem VBL-Depot Weinbergli. (Bild PD)

Zwei Doppelgelenktrolleybusse vor dem VBL-Depot Weinbergli. (Bild PD)

Dank einem neuen Gesamtarbeitsvertrag erhalten Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) eine fünfte Ferienwoche. Ausserdem wird der Mindestlohn für die Chauffeure angehoben. Eigentlich ein Grund zur Freude – doch der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) ist nicht wirklich glücklich damit. «Der Gesamtarbeitsvertrag ist nicht unbefriedigend, aber auch nicht berauschend», sagt Martin Wyss, Geschäftsleiter VPOD Luzern. «Beispielsweise konnten wir keine Anpassung des Vaterschaftsurlaubes von zwei auf fünf Tage erreichen.» Ebenso sei die Geschäftsleitung der VBL nicht bereit gewesen, trotz gutem Geschäftsjahr die Löhne substanziell zu erhöhen. «Die Lohnerhöhung beträgt lediglich 0,35 Prozent der Lohnsumme, was zirka 100000 Franken entspricht», so Wyss.

Besonders verstimmt ist der Gewerkschafter über die Vergütung von VBL-Geschäftsleiter Norbert Schmassmann: «Was Schmassmann als Bonus bezieht, entspricht 40 Prozent der Summe, die für Lohnanpassungen im ganzen Betrieb eingesetzt werden», empört sich Martin Wyss, «damit streicht er die Lohnerhöhung von fast 200 Mitarbeitenden ein.» Bekannt ist, dass Norbert Schmassmann jährlich eine Basisvergütung von 235400 Franken erhält, wie aus dem Geschäftsbericht 2015 hervorgeht. Ausserdem werden ihm zusätzlich 40050 Franken an Boni ausbezahlt. Für den VPOD ist das Lohnverhältnis von Geschäftsleitung zu Arbeitnehmer nicht haltbar. «Wir fordern deshalb die Stadt Luzern auf, die Höhe der Boni an das Ergebnis der Lohnrunde für das Personal zu koppeln», stellt Wyss klar.

Dass der Gewerkschafter die Boni der VBL-Spitze kritisiert, hat folgenden Hintergrund: Erst kürzlich reichte die SP/Juso-Fraktion im Grossen Stadtrat ein Postulat ein, das einen Bonus-Deckel für Geschäftsleitungsmitglieder von Betrieben in städtischem Besitz fordert. Konkret sollen die variablen Vergütungen nicht mehr als 20 Prozent der Basisvergütung betragen (Ausgabe vom 26. November). Zwar ist Norbert Schmassmann davon gar nicht betroffen, da sein Bonus bereits weniger als 20 Prozent des Lohns ausmacht. Doch Martin Wyss stört sich am Verhalten des VBL-Verwaltungsrats respektive der Geschäftsleitung: «Es gab auf den Vorstoss keinerlei Reaktion von Seiten VBL. Vor diesem Hintergrund ist es ein Affront gegen die Arbeitnehmer, dass so viel Geld in Boni investiert wird.»

40050 Franken sind nicht nur Bonus

Norbert Schmassmann selbst zeigt sich befremdet über die vom VPOD angestellten Vergleiche. Die Geschäftsleitung unterliege nicht dem Gesamtarbeitsvertrag. Zuständig für die Festlegung der Geschäftsleitungslöhne ist der Verwaltungsrat. Er lege diese aufgrund von Quervergleichen in der ÖV-Branche fest.

Schmassmann präzisiert ausserdem den im Jahr 2015 ­ausbezahlten Betrag: «Bei den 40050 Franken handelt es sich um die Summe aus Pauschalspesen, steuerpflichtigen Ausbildungszulagen sowie einer erfolgsabhängigen variablen Vergütung.» Die variable Vergütung – der eigentliche Bonus – sei zudem abhängig vom Geschäftsgang sowie vom Erreichen gewisser Jahresziele. Wenn es ausserdem das Jahresergebnis zulasse, erhalten auf Beschluss des Verwaltungsrates alle VBL-Mitarbeiter eine erfolgsabhängige variable Vergütung.

Zum Gesamtarbeitsvertrag sagt Schmassmann: «Der neue Gesamtarbeitsvertrag wurde im Rahmen fairer und konstruktiver Verhandlungen mit den Sozialpartnern ausgehandelt, alle Parteien haben die neuen Konditionen akzeptiert.» Nicht alle gewerkschaftlichen Forderungen seien erfüllt, so Schmassmann, da die VBL auch unter Druck stünden – von Stadt, Kanton und Verkehrsverbund.

«Da wir zu ungefähr einem Viertel unseres Umsatzes von öffentlichen Geldern abhängig sind, können wir im Bereich des Gesamtarbeitsvertrags keine eigenmächtigen Entscheide mit Signalwirkung für die ganze Branche fällen.» Ausserdem betont er, die Lohnsumme werde um 0,75 Prozent angepasst. Die von Martin Wyss erwähnten 0,35 Prozent entsprängen der Lohnrunde, 0,4 Prozent entfallen auf Verbesserungen des Gesamtarbeitsvertrags wie zusätzliche Ferientage.

Beatrice Vogel
beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

...Norbert Schmassmann, CEO VBL,... (Bild: Pius Amrein)

...Norbert Schmassmann, CEO VBL,... (Bild: Pius Amrein)

«Mit dem Bonus streicht er die Lohnerhöhung von fast 200 Mitarbeitenden ein.» Martin Wyss, Geschäftsleiter VPOD Luzern. (Bild: Pius Amrein / LZ (Luzern, 23. November 2015))

«Mit dem Bonus streicht er die Lohnerhöhung von fast 200 Mitarbeitenden ein.» Martin Wyss, Geschäftsleiter VPOD Luzern. (Bild: Pius Amrein / LZ (Luzern, 23. November 2015))