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LOHNDUMPING: Gipser streiken in Sursee

Elf polnische Bauarbeiter haben auf der Grossbaustelle Hofstetterfeld die Arbeit niedergelegt. Sie beklagen «unmenschliche Bedingungen» und bringen ihre Auftraggeber unter Druck.
Gemäss der Gewerkschaft sollen mindestens 10 Arbeiter auf der Baustelle am Hofstetterfeld in Sursee massiv unterbezahlt worden sein. Aus Protest dagegen legten die Bauarbeiter gestern die Arbeit nieder. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Gemäss der Gewerkschaft sollen mindestens 10 Arbeiter auf der Baustelle am Hofstetterfeld in Sursee massiv unterbezahlt worden sein. Aus Protest dagegen legten die Bauarbeiter gestern die Arbeit nieder. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Ernst Meier

Während Monaten hätten sie bis zu 60 Stunden gearbeitet, obwohl laut Vertrag nur 40 Stunden erlaubt wären. Statt dem vereinbarten Lohn von 4800 Franken hätten sie am Schluss nur zwischen 1200 und 1600 Franken erhalten bar auf die Hand, ohne Abrechnung. Die beiden polnischen Gipser sind wütend und wollen nicht mehr länger schweigen. Karol* und Pjotr* erzählten gestern am Sitz der Unia Zentralschweiz in der Stadt Luzern von ihrem Job auf der Grossbaustelle Hofstetterfeld 9 in Sursee. Dort entsteht eine neue Siedlung mit 312 Wohnungen – eine Viereinhalbzimmerwohnung kostet bis zu 925 000 Franken. Verantwortlich für das Projekt ist die Generalbauunternehmung Frutiger AG. Die ausländischen Bauarbeiter werden jedoch von Subunternehmen angestellt.

«Krasse Missstände»

Giuseppe Reo, Regionalsekretär Unia Zentralschweiz, hat sich mit dem Fall ausführlich auseinandergesetzt. Er spricht von «krassen Missständen» und «unmenschlichen Bedingungen» für die Angestellten, «wie ich das noch nie erlebt habe», sagt Reo. «In zahlreichen Fällen und während mehrerer Monate ist es zu massivem Lohndumping gekommen.» Der Gewerkschafter schildert Verhältnisse, wie man sie sonst nur aus dem Ausland kennt.

Karol und Pjotr zeigen Bilder von ihrer Unterkunft; ein altes Bauernhaus im bernischen Melchnau. «In Polen hat man uns ein sauberes Zimmer versprochen, Niveau 3-Sterne-Hotel, hiess es», sagt Karol. Die Realität sah anders aus. Die Gastarbeiter schlafen, Matratze an Matratze, zu siebt in einem Zimmer. Küche und sanitäre Anlagen sind völlig verschmutzt.

Frutiger: «Wussten von nichts»

Das Bauernhaus in Melchnau ist laut Handelsregister zugleich der Firmensitz der Nela Bau GmbH. Diese arbeitet in der ganzen Schweiz für Generalbauunternehmen (GU). Im Fall Sursee läuft es wie folgt ab: Frutiger vergibt Aufträge an das Subunternehmen TD-Gips- und Fassadenbau. Diese wiederum vergibt Unteraufträge an die Nela Bau. «Unsere Abklärungen haben ergeben, dass Nela Bau gegen den Gesamtarbeitsvertrag für Maler und Gipser verstösst», sagt Reo. Die GmbH stelle Bauarbeiter aus Polen und anderen Ostländern mit zweifelhaften Verträgen an. Diese würden eine selbstständige Tätigkeit simulieren. Die Arbeiter erhalten einen Werkvertrag. «Scheinselbstständigkeit» nennt es Reo.

Bei Nela Bau war gestern niemand erreichbar, bei Frutiger erklärte der Finanzchef Hans Amport, er habe erst seit Montag Kenntnis von den angeblichen Missständen, und man wolle die Vorwürfe abklären. Giuseppe Reo zweifelt: «Mindestens seit April ist man bei Frutiger über die Missstände informiert.»

Wie lange die betroffenen Bauarbeiter streiken, war gestern nicht bekannt. Es habe viel Mut gebraucht, sich zu wehren und an die Öffentlichkeit zu gehen, sagt Pjotr. Lange habe man aus Angst geschwiegen. «Der Chef von Nela drohte uns mit Schlägen. Er sagte, wenn wir nicht gehorchen, verfolge er uns bis nach Polen.»

Giuseppe Reo verlangt, dass die beteiligten Unternehmen sofort die Arbeitsbedingungen gemäss Vorschriften erfüllen. Weiter fordert er eine Klärung der Vorfälle und Lohnnachzahlungen. Laut Unia seien auf der Baustelle Hofstetterfeld mindestens 10 Personen während mindestens 4 Monaten massiv unterbezahlt worden. «Ich gehe von fehlenden Lohnbeträgen von über 500 000 Franken aus», sagt Giuseppe Reo.

Hinweis

* Name von der Redaktion geändert.

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