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LOZÄRNER MÄÄS: Herzensbrecherin und «Kupplerin»

Neben Zuckerwatte und Magenbrot geht es an der Määs auch um ganz grosse Gefühle und darum, wie man sie offenbart. Unser Autor erzählt von früher und zieht Parallelen zu heute.
Putschi-Autos an der Määs heute... (Bild: Corinne Glanzmann)

Putschi-Autos an der Määs heute... (Bild: Corinne Glanzmann)

Kilbi, Määs. Welch wundervolle Zeit, mit Zuckerwatte, Magenbrot, gebrannten Mandeln, Schiessbuden, Verkaufsständen. Und dann die Fahrgeschäfte: Autoscooter, Riesenrad, Polyp, Kettenkarussell. Rauf und runter, in rasendem Tempo, teils kopfüber. Eine Mutprobe, die den Puls in die Höhe schnellen lässt und den Alltag vergessen macht.

Kilbi, Määs: Das ist und war – vor allem für Junge – aber auch etwas anderes. Nämlich die Chance, mit jemandem anzubandeln, den oder die man schon lange auf der Wunschliste hatte, bisher aber nicht anzusprechen wagte. Jetzt, im Glitzern der Kilbilichter, im Trubel und Gelächter, scheints endlich möglich. Die Määs als Ort, wo sich Liebschaften anbahnen. Als Ort, an dem manch scheuer Teenager zum wagemutigen Don Juan wird. Die Määs als «Kupplerin», wie sie Heinrich Hüsler nennt. Der heute 72-Jährige muss es wissen. Er war jahrelang Platzchef der Määs und ist ihr auch heute noch eng verbunden – als Sekretär der IG Luzerner Herbstmesse und Märkte.

Die Määs als Ort, an dem man sein Liebesglück versucht – «das war immer ein Thema», sagt Hüsler: «Schon in historischen Zeiten boten Määs und Kilbi die legale Möglichkeit, dass sich die Heiratsfähigen finden konnten.» Hüsler selber kam erst 1968, als 24-Jähriger, nach seiner Rückkehr nach Luzern erstmals mit der Määs in Berührung. «Da war ich aber schon liiert», erzählt er schmunzelnd. Zuvor war er acht Jahre lang als Schiffsjunge, Matrose und Schiffsführer auf Rheinschiffen tätig gewesen.

Kraftmesser, Boxgeräte oder der «Hau den Lukas» seien früher besonders beliebte Geräte an der Määs gewesen, erzählt Hüsler: «Da konnten sich die Burschen gegenüber den Mädchen aufspielen. Die Mädchen konnten allenfalls mit dem Liebesbarometer kokettieren.»

Durchsetzungsvermögen für Fahrt mit Putschi-Auto

Putschi-Autos, die heutigen Autoscooter, gabs in den 1960er-Jahren auch schon. Das kann der Autor dieses Artikels bezeugen: So um 1969/70 dürfte es gewesen sein, als ich als gebürtiger Emmenbrücker an der Kilbi beim Gersag-Schulhaus erstmals damit in Berührung kam. Meine Eltern hatten mich mit 3 Franken ausgestattet – eine Putschi-Auto-Fahrt kostete damals, so weit ich mich erinnere, 50 Rappen, eine Zuckerwatte 20 Rappen. Damit käme man an der heutigen Määs nicht weit.

Der Andrang auf die Putschi-Autos war riesig. Um sich so ein Ding zu ergattern und gleichzeitig seine heimlich Angebetete zur Fahrt darauf einzuladen – dazu brauchte es neben körperlichem Durchsetzungsvermögen auch ganz viel Mut. Ich habs beim ersten Mal jedenfalls nicht geschafft. So brauste die schöne Brigitte dann halt – oh weh! – mit einem frecheren Rivalen davon. Und dann waren da noch die Schifflischaukeln. Wie haben wir die wagemutigen Halbstarken bewundert, die darauf ihr Girl hin und her wiegten, bis der Bug ihrer Schaukel die Deckenplane ganz oben berührte. Auch für Heinrich Hüsler ist klar: «Die Schifflischaukeln waren besonders beliebt, weil dort die Röcke schön und hoch flatterten.»

Zauberhaft! Die Määs in Luzern ist bald vorbei. In Erinnerung bleiben phantastische Bilder wie z.B. diese Lichtshows am Riesenrad. (Bild: Leser Kurt Kaufmann)
Luzerner Määs (Bild: Leser Vincenzo De Chiara)
Määs (Bild: Leser Stefan Kunz)
Spiegelbild des Lebens (Bild: Leser Christoph Mutzner)
Luzerner Määs (Bild: Leser Vincenzo De Chiara)
Der 80 Meter hohe Kettenflieger an der Luzerner Herbstmesse "Määs" (Bild: Leser Lukas Thüring)
Lichtspektakel am Riesenrad. (Bild: Leser Kurt Kaufmann)
Jedes Jahr wieder ein Traum (Bild: Leser Hardy Konzelmann)
Reflexionen des Riesenrades in einer Langzeitbelichtung. (Bild: Leserin Nicole Signer)
Die beiden Nicole geniessen den Höhenflug mit dem Condor an der Määs. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Bahn, welche in 80 Metern Höhe und bis zu 70 km/h schnell fliegt, gehört Hanspeter Maier. (Bild: Dominik Wunderli)
Einen freut die Eröffnung der Määs besonders: den Metzger Urs Doggwiler, der heuer zum 47. Mal am Grill steht und im letzten Jahr massiv für den Erhalt des Standorts Inseli gekaempft hat. (Bild: Jakob Ineichen)
Schausteller an der Määs: Riton Griegou an der Kasse für «Dream-Team». (Bild: Nadia Schärli)
Robert DJ an der Kasse des «Condor» (Bild: Nadia Schärli)
Deborah Reymond an der Kasse «Cocobong» (Bild: Nadia Schärli)
Uschi Spengler an der Kasse des «Crazyrun» (Bild: Nadia Schärli)
Jesse Secco-Bergdorf an der Kasse (Bild: Nadia Schärli)
Brigitte Maier an der Kasse des Etagenrunning (Bild: Nadia Schärli)
Marcel Flammer an der Kasse des «Bienenflug» (Bild: Nadia Schärli)
Määs by night II (Bild: Stefan Kunz)
Ernst Rodel (links) und Domenic Kotlcarczyic an der Kasse des «Tower». (Bild: Nadia Schärli)
Patrick Marti an der Kasse des «Octopus». (Bild: Nadia Schärli)
Das beleuchtete Riesenrad der Mäss spiegelt sich im Wasser vor dem KKL (Bild: Leser Hansruedi Tschudin)
Bewegte Lichter an der Mäss (Bild: Leser Hansruedi Tschudin)
Kilian Hermann bei den Plüschtieren. (Bild: Nadia Schärli)
Mit einem Chlapf... (Bild: Claude Hagen)
... eröffnet Stadtpräsident Beat Züsli (zweiter von rechts) am 1. Oktober die Määs. (Bild: Claude Hagen)
Besucher vor dem Eingang. (Bild: Claude Hagen)
Süssigkeiten und Herze mit Sprüchen warten auf die Besucher. (Bild: Dominik Wunderli)
Margrit Wyder vom James Shop stellt trendige Einkaufswägeli her. (Bild: Dominik Wunderli)
Zipfelkappen sind wieder im Trend, erzählt Hans Wyder. (Bild: Dominik Wunderli)
31 Bilder

Määs 2016

Und heute? Da ist vieles gleich wie früher. Die Berg-und-Tal-Bahn heisst jetzt zwar Crazy Run. Doch nach wie vor achten die Jungs dort drauf, dass die Mädchen innen Platz nehmen, damit sie durch die Fliehkraft eng an ihre Begleiter gedrückt werden. Auch die Autoscooter sind weiterhin beliebt. Und ganz viele Sympathiepunkte holt man sich noch immer, wenn man an einem Wurf- oder Schiessstand ein Plüschherz oder eine Rose für die Geliebte, den Geliebten ergattert.

Hinweis

Die Lozärner Määs dauert noch bis und mit kommenden Sonntag.

Hugo Bischof

... und um 1985. (Bild: Stadtarchiv)

... und um 1985. (Bild: Stadtarchiv)

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