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Lozärner Usdröck: «Chrotzi» und «Sorrimutz» – Was soll das denn heissen?

Die Liste für die Kolumne «Lozärner Usdröck» birgt einige wohlklingende, mysteriöse Kuriositäten. Wir haben sie hier gesammelt. Erkennen Sie sie?

«Abstalte»

Querrinnen in Naturstrassen und Wegen heissen im Luzerner Hinterland «Abstalte», wie uns ein Leser aus Hergiswil schreibt. Abstalte fangen das Regenwasser ab und leiten es auf eine Strassenseite ab, damit das Wasser nicht die Strasse abwäscht oder Schneisen in die Erde gräbt. Die Bedeutung dieses Wortes ist also hinreichend geklärt – seine Herkunft allerdings liegt für uns komplett im Dunkeln.


«barhämig»

Für das Adjektiv barhämig hat das Mundartwörterbuch eine poetische Erklärung parat: Schenkellahm und steifbeinig bedeute es, könne aber auch auf ungelenke oder faule Zeitgenossen verweisen. Barhämig seien Personen besonders, wenn sie lange unbequem herumgesessen oder -gestanden seien. Dann sind die Gelenke eingeschlafen. Das Wort stammt von «bar» ab, das so viel heisst wie steif hervorstehend.


«Breusi»

Dieses Wort ist auch bekannt als «Broisi», «Bröisi» oder «Brausi». Damit gemeint ist die Rösti. Laut Idiotikon kann man diesen Begriff viel weiter fassen. Dort ist das «Bransi» schlicht etwas, das gebacken oder in Butter geröstet wurde – unter anderem Gemüse, Fleisch oder Brot. Und besonders auch in Butter geröstete Kartoffelschnitze, Rösti halt. Interessant: Offenbar ass man diese früher gerne zum Kaffee.


«chäch»

Chäch ist so ein Adjektiv, das alles Mögliche bedeuten kann. Die Einsendung erläutert den Begriff mit dem Satz «Es hed chäch grägnet». Damit ist wohl gemeint, dass es stark geregnet hat. Das Wort stammt laut Idiotikon vom Mittelhochdeutschen «quëc» (lebendig) ab. Eine Auswahl weiterer möglicher Bedeutungen: rüstig, frech, zuversichtlich, herb, scharf, sauer, stramm, straff, einflussreich, wohlhabend und bieder.


«Chlotteri»

Der Chlotteri ist ein runder Gegenstand aus verschiedenen Materialen, den man morgens beim Kochen der Milch in die Pfanne setzt. Bevor die Milch den Siedepunkt erreicht, kommt der Chlotteri am Boden der Pfanne in Bewegung – und gibt ein «chlotterndes» (ratterndes) Geräusch von sich. In Obwalden ist der Chlotteri auch bekannt unter dem Namen «Bambele», auf Hochdeutsch heisst er «Milchwächter».


«Chrotzi»

Hier haben wir es mit einer Knacknuss zu tun. Denn zum Begriff «Chrotzi» gibt es überhaupt keinen Anhaltspunkt. Es könnte sich um einen Eigennamen handeln – oder um die Substantivierung von «krotzig», das laut Mundartwörterbuch so viel wie unsauber bedeutet. Geht man allein nach dem Klang, scheint es sich jedenfalls tatsächlich um eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung zu handeln.


«Dänewäschhudel»

Den Dänewäschhudel legt man ins Dänewäschwasser, schreibt uns eine Leserin. Damit gemeint sei der Abwaschlumpen und das Abwaschwasser. Es handle sich um alte Obwaldner Ausdrücke. Wäschhudel heisst wortwörtlich Waschlumpen. Woher das Präfix «däne» kommt, wissen wir nicht. Wenn man diesen Ausdruck in Google eingibt, geschieht etwas Bemerkenswertes: Man findet keinen einzigen Eintrag.


«Dötzi»

«Wenn nicht alles aufgegessen ist, muss jeder noch ein Dötzi nehmen.» Mit dieser Erklärung versorgt uns eine Leserin. Das Dötzi tritt als Biss oder Happen auf, aber diese Definition findet sich nirgends. Um den «Dotze» (Dutzend) handelt es sich kaum. Laut Idiotikon kann Tötzi jedoch auch Prise heissen. Damit kommen wir der Sache schon näher, auch wenn das dann ein klitzekleiner Happen wäre.


«Erschtmälch»

Der Erschtmälch ist eine Kuh oder eine Ziege, die vor nicht allzu langer Zeit zum ersten Mal gekalbt hat und damit auch zum ersten Mal Milch gibt. Zum Spasse kann man mit diesem Wort auch unverheiratete Männer bezeichnen; oder aber Personen, die sich zum allerersten Mal an eine bestimmte Aufgabe heranwagen – also Neulinge oder Anfänger, die noch nicht so recht wissen, wie der Hase läuft.


«Greubiheuscher»

Der Einsender dieses Wortes schreibt, es könnte sich um einen Luzerner oder Berner Ausdruck handeln. Als Greubiheuscher ist nur eine Guuggenmusig aus Schachen bekannt. Möglich, dass damit dasselbe wie «Chnuupesaager» gemeint ist: Geizhals. «Greubi» ist Schmalz, und Fett ein Symbol für Knauserige. Ein Beispiel ist «schmürzele». Auch das Verb «heuschen» (verlangen) unterstützt diese Interpretation.


«Hoopi», «Böörzi»

Diese beiden klangvollen Begriffe bezeichnen die Hochsteckfrisur einer Frau. Im Idiotikion finden sich diese Wörtchen nicht direkt. Einzig der Böörzi wird dort als kleine, beerenartige Erhöhung beschrieben. Das passt. Dass der Böörzi auch eine Eiterbeule sein kann, lässt vielleicht darauf schliessen, dass man diese Frisur ästhetisch eher gering schätzte. Den Hoopi kennt man auch als «Hoppi» oder «Huppi».


«Lodo!»

Dieses Wort begegnet uns auch als «Loda!». Es handelt sich hierbei um eine Verkürzung des Imperativs «Lueg da!» (Schau da!) Begleitet wird dieser Ausspruch meist von einer Geste: Sei es, dass man jemandem einen Gegenstand reicht oder auf einen bestimmten Punkt zeigt. Aber Vorsicht: Wer «Lodo!» sagt, duzt das Gegenüber. Ein Fauxpas, der in Zeiten der Du-Kultur wohl nicht mehr ganz so gravierend wäre.


«Mösele»

Eine Leserin kennt dieses Wort unter der Bedeutung Holzscheit. Einen Nachweis dafür haben wir bisher nicht gefunden. Das Idiotikon kennt nur das «Möseli», eine dreiblättrige Zottenblume mit dem wissenschaftlichen Namen Menyanthes Trifoliata. Das Verb «mösele» kann zweierlei bedeuten: zu Brei zerquetschen oder nach Sumpfwasser riechen – beides führt uns sicherlich auf die falsche Fährte.


«mouggle»

Wenn es mougglet, spielt das Wetter verrückt. Dann ist die Wetterlage höchst unsicher; der Himmel wechselt rasch zwischen hell und trübe. Auch den Wolkenaufzug oder die Dämmerung kann man damit meinen. Und etwas ganz anderes: nämlich, die Augen rasch zu öffnen und wieder zu schliessen. Dass diese Bedeutung auf das schnell wechselnde Wetter übertragen wurde, ist möglich, aber nicht belegt.


«öbertschaupet»

Wer «tschaupet», schlurft und watschelt unbeholfen vor sich hin. Heisst öbertschaupen also etwa, sich bei einem tollpatschigen Schritt etwas zu verstauchen? Oder vielleicht gar, jemanden zu überrennen? Oder hat das Wort eher mit dem Partizip «getschaupet» zu tun, das laut Idiotikon altersschwach oder abgemagert bedeuten kann? Fragen über Fragen. Vielleicht wissen Sie die Antwort.


«Rüticharrer»

Ein Leser aus Emmenbrücke verwendet das Wort für rohe, ungehobelte Menschen. Schriftlich ist der Begriff nicht verbürgt. Bekannt ist der «Rüüteri», laut Journalist Hans Kurmann ein grober und schlechter Arbeiter. Abgeleitet sei das Wort vom «Reuten» (Roden) der Wälder. Den «Charrer» kennt das Idiotikon als Knecht. Wir haben es hier also wahrscheinlich mit einem Knecht zu tun, der grob zu Werke geht.


«Schinner»

Auch bekannt als «Schener» oder «Schiner». Nach Josef Röösli-Balmers «Entlebucher Mundart» ist der Schinner ein grosser, geflochtener Korb mit zwei Griffen. Er wurde als Wäschekorb (Zeine), aber auch zum Einsammeln von Holz oder Äpfeln gebraucht. Die Herkunft des Wortes liegt in der Schiene. Denn diese Körbe wurden mit breiten, gespaltenen Holzbändern oder eben -schienen hergestellt.


«Schwerrli»

Einer Einsendung zufolge ist das Schwerrli – wahrscheinlich Neutrum – eine Holzzaunlatte, also der Querbalken zwischen zwei oder mehreren Holzpfosten. Schriftlich ist dieser Begriff leider nirgends auffindbar. Über seine Hrkunft lässt sich somit nur mutmassen. Dass das Schwerrli verwandt ist mit dem veraltenden Adjektiv «schwärlich» (schwerlich), ist eher unwahrscheinlich.


«sorrimutz»

Schlechtgelaunte Zeitgenossen kann man offenbar auch sorrimutz nennen – ein schönes Adjektiv, das sich leider nirgends auftreiben lässt. Möglich, dass der Wortteil «sorri» verwandt ist mit «surrig», das so viel wie mürrisch bedeutet und auch im Adjektiv «rompusorig» vertreten ist. «mutz» könnte als Verstärkung im Sinne von «ganz und gar» gemeint sein, aber hier bewegen wir uns ins Reich der Spekulation.


«ushouele»

Dieses Verb war eines der ersten Wörter, die uns erreichten. Es wurde uns von einem Leser aus Menznau zugetragen; er schrieb: «Vielleicht wissen Sie ja, was das bedeutet.»Ganze ehrlich: Sicher sind wir uns bis heute nicht. Laut Idiotikon heisst «houele», ein Kartoffelfeld mit einer kleinen Hacke auflockern. Womöglich heisst ushouele analog zur «Ustrinkete», mit dieser Arbeit abzuschliessen?


«Zibööri»

Dieses Wort bezeichnet offenbar einen doofen Typen. Das Idiotikon kennt den Zibööri als Übername für Theodor, abgeleitet von Theodöri. Möglich, dass ein unbedarfter Theo als Platzhalter für andere doofe Menschen herhalten musste. Der Stadtluzerner Zyböri-Weg bezieht sich übrigens auch auf einen Theodor, aber sicher keinen blöden: nämlich auf den beliebten Mundartdichter Theodor Bucher (1868–1935).

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