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Lozärner Usdröck: «Chuenägeli»

Wenn man die Finger vor Kälte kaum mehr spürt, dann «chuenegelets». Mit der Kuh hat das aber nichts zu tun, sondern eher mit einem Fisch.

Simon Mathis
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Der Winter stellt den menschlichen Körper immer wieder
vor Herausforderungen. Von schmerzhaften Rissen an den Fingern («Hecku») hatten wir’s bereits. Dieses Mal beschäftigen wir uns mit einem Wortvorschlag aus Horw, bei dem es ebenfalls um Schmerzen an den Fingern geht: «Chuenägeli». Josef Röösli-Balmer nennt es in seinem Buch über die Entlebucher Mundart das «Jucken von Frostbeulen». Röösli kennt auch das Verb «chuenegele».

Das Idiotikon verortet den «Chuenagel» oder «Hornagel» genauer, bezeichnet ihn nämlich als «prickelnden Frost an den Fingerspitzen». Eine Leserin beschreibt das «Chuenegele» wie folgt: «Im Winter werden die Finger manchmal so kalt, dass man sie fast nicht mehr spürt. Wenn man dann in die Wärme tritt, fangen die Fingerspitzen an zu schmerzen.»

Eher Egli als Kuh

Christoph Landolt, der heutige Redaktionsleiter des Idiotikon, vermutet in einem Artikel von 2013, dass der hintere Teil des Begriffes auf ein Wort für «spitzig» verweist. Das Substantiv «Agle» oder «Agne» bedeute so viel wie «stacheliges Bruchstück». Bezeichnen kann man damit etwa Tannennadeln, Fischgräten oder Stängelsplitter von Hanf und Flachs.

Der erste Teil des Wortes sei da wesentlich mysteriöser, so Landolt. Denn er variiere stark, könne unter anderem «Chuen-», «Un-», «Horn-» oder «Hurn-» heissen. Der Wortteil «Horn» verweise vermutlich auf den Fingernagel, sodass Hornagel wörtlich «Nagelstechen» bedeute. Wenn man dann alle anderen Wortanfänge als Umformungen verstehe, sei das Problem der Herkunft gelöst. Allerdings betont Landolt, dass es sich hierbei bloss um Vermutungen handelt. Denn jeder Wortanfang könnte ein eigenständiger Begriff sein. Mit der Kuh hat das Chuenägeli jedenfalls gar nichts am Hut. Eher noch mit dem Egli; denn der Schweizer Name für den Flussbarsch ist verwandt mit dem Wort «Agle». Er verweist laut Landolt auf die spitzen Rückenflossen des Fisches.

Hinweis: Kennen Sie typische «Lozärner Usdröck»? Schicken Sie Ihre Vorschläge an dialekt@luzernerzeitung.ch. Das Schweizerdeutsche Online-Wörterbuch: www.idiotikon.ch