Lozärner Usdröck: «Hecku»

Wenn's kalt wird, bilden sich auf den Fingern manchmal Risse. Diese kann man auch «Hecku» nennen. Es ist ein Wort mit vielen Verwandten: darunter «hacken» und «Hag».

Simon Mathis
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Wer bei kalten Temperaturen nach draussen geht, hat es wahrscheinlich schon erlebt: Manchmal bilden sich an den Fingern kleine, schmerzhafte Risse. Der wissenschaftliche Name dieses mitunter schmerzhaften Phänomens lautet «Pulpitis sicca» (trockenes Fleisch). Aber es muss nicht immer Lateinisch sein: Die Risse kann man nämlich auch «Hecku» nennen, wie uns eine Leserin schreibt. Sie kennt diese Bezeichnung von ihrer Mutter aus dem Seetal. Die Leserin selbst verwendet das Wort ebenfalls, aber viele verstehen es nicht mehr.

Das Mundartwörterbuch Idiotikon kennt den Begriff unter anderem in den Formen «Heckeler», «Hick» und «Hecker». Abgeleitet seien diese vom Verb «hecken», das stechen oder ritzen bedeute. Hecken stammt von der Wurzel «Hag» ab, wie dem Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm zu entnehmen ist.

«Hag»: Vom Schlag zum Holz zum Zaun

Laut Grimm verwies das Substantiv Hag ursprünglich auf die Handlung des Schlagens. Später meinte das Wort geschlagenes Holz, mit dem man sein Grundstück von dem des Nachbarn abgrenzte. Deshalb kann Hag auch Zaun heissen – eine Bedeutung, die in der Mundart heute noch bestens bekannt ist.

Auch der Begriff «Heu» als geschlagenes, gemähtes Gras gehört laut Grimm zur Verwandtschaft von Hag. Die Verben «hacken», «hecken» und «hauen» sind ebenfalls eng verwandt; sie teilen sich die Wurzel Hag. Während hacken den Schlag betont, bezieht sich hecken eher auf den Stich oder den Biss, zum Beispiel des Skorpions oder der Schlange. Der «Hecku» entsteht also dann, wenn uns die Kälte und die Trockenheit in die Finger «beisst».