Lozärner Usdröck: «Plange»

Wer auf etwas «plangt», wartet sehnsüchtig – zum Beispiel auf Weihnachten. Die Wurzel dieses Wortes ist das Verb langen; sich lang machen, um etwas zu erreichen.

Simon Mathis
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«Wie lange dauert es denn noch bis Weihnachten?» Wer sich diese Frage stellt, «plangt» auf oder nach etwas; wartet sehnsüchtig oder gelangweilt auf das Eintreffen eines bestimmten Ereignisses oder einer Person. Der Ursprung dieses Verbes liegt im Deutschen «langen» (nach etwas greifen). Dieses wiederum ist direkt abgeleitet vom Adjektiv lang. Es verweist darauf, dass man sich lang machen muss, um etwas zu erreichen.

Plange ist laut Mundartwörterbuch Idiotikon eine Verkürzung des Verbes belangen. Gemeint ist damit nicht die juristische Bedeutung von «zur Rechenschaft ziehen», sondern ein Synonym vom oben erwähnten langen. Wer plangt, ist also wie ein Kind, das sich lang macht, um eine Guetzlidose zu erreichen. Wer plangt, greift im Geiste nach dem Ersehnten.

Plange hat auch Entsprechungen in anderen Sprachen. Laut Online-Wörterbuch Wiktionary etwa heisst es im Englischen «to long for» (sich etwas ersehnen) und im Isländischen «langa» (mögen oder wollen). Im Hochdeutschen spricht man von «verlangen» einerseits im Sinne von fordern, andererseits im Sinne von ersehnen. In beiden Fällen kann man sich eine Person vorstellen, die den Arm verlangend ausstreckt.