Lozärner Usdröck: «z’Chilt goh»

Unsere heutige Wendung beschwört ein mehr oder minder romantisches Bild aus alten Tagen: Einen jungen Mann nämlich, der auf den Balkon seiner Geliebten klettert.

Simon Mathis
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Der junge Mann klettert auf den Balkon seiner Geliebten. Im Dunkeln schleicht er in ihr Zimmer, um mit ihr die Nacht zu verbringen. Dieses geheime Treffen zweier Liebenden kann man in der Mundart auch «Chilt» nennen. Das dazu passende Verb lautet «chilte». Wer es noch eleganter haben will, kann «z’Chilt goh». Das ist jene Wendung, die uns eine Leserin aus Horw vorschlägt. Der Begriff lässt sich auch allgemeiner verstehen: Wer eine Frau umwirbt und ihr auf indirektere Weise den Hof macht, ist auch auf dem «Chilt».

Die ursprüngliche Bedeutung liegt aber im nächtlichen Besuch. Denn der «Chilt» ist im Grunde nichts anderes, als das Wachbleiben bis zu später Stunde – meist in einem «geselligen Kreise bei Arbeit, Scherz und Spiel», wie das Mundartwörterbuch Idiotikon schreibt. Solche Zusammenkünfte unter Mitbewohnern und Nachbarn in einer Stube waren laut Idiotikon besonders an Herbst- und Winterabenden beliebt.

Beim Räbelchilt geht’s wild zu und her

«Chilt» kann auch ganz einfach Nacht und Dunkelheit bedeuten. In diesem Sinne kennt es auch das Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm; dort unter dem Namen «Kilt», der schon seit althochdeutscher Zeit belegt sei. Als Synonyme des Verbes «kilten» nennt das Wörterbuch die Begriffe «dorfen», «lichteln» und «fenstern».

Um den Begriff «Chilt» gruppieren sich zahlreiche verwandte Wörter. Wer «chilted», wird auch «Chiltbueb» oder «Nachtbueb» genannt. Und «Chilter» sind Männer, die Nachtschicht schieben. Schliesslich gibt es da noch den sogenannten «Räbelchilt», an dem junge Frauen und Männer ordentlich auf den Putz hauen. Das Idiotikon spricht von «mannigfaltigen Spielen», lautem Gesang, Tanz und «Unfug» in der Nacht. Das zeigt, dass das Wort gar nicht einmal so veraltet ist. Denn: Wer heutzutage an eine WG-Party geht, ist im Grunde ebenfalls «z’Chilt».

Hinweis: Kennen Sie typische «Lozärner Usdröck»? Schicken Sie Ihre Vorschläge an dialekt@luzernerzeitung.ch. Das Schweizerdeutsche Online-Wörterbuch: www.idiotikon.ch