LUCERNE FESTIVAL: Eröffnungskonzert: Da stimmte einmal alles

Die Alphörner brummten wie Didgeridoos, Bundesrat Merz politisierte mit Witz, Claudio Abbado brachte Magie und Wucht zusammen: ein Festivalauftakt der Extraklasse.

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Zuschauer verfolgen im Inseli die Liveübertragung des Eröffnungkonzerts. (Bild Roger Zbinden/Neue LZ)

Zuschauer verfolgen im Inseli die Liveübertragung des Eröffnungkonzerts. (Bild Roger Zbinden/Neue LZ)

So sympathisch und zugleich sinnvoll wurde der Sommer von Lucerne Festival noch kaum je eröffnet. Früher gab es Referate vor geschlossener Konzertgesellschaft oder Freiluftspektakel, die mit dem Inhalt des Festivals wenig zu tun hatten. Am Mittwoch brachte die Freiluft-Performance auf der mittleren KKL-Terrasse beides zusammen.

Über dem Didgeridoo-Brummen von 15 Alphörnern stachelten sich Bläserfanfaren hoch, die in die archaische Klangwelt der Naturhörner und in die jugendlichen Stimmen der Luzerner Kantorei bereits die Künstlichkeit von Gustav Mahlers erster Sinfonie einsprengten. Das führte nicht nur Mahlers Spiel mit Natur- und Kunstwelt weiter. Das zahlreiche Publikum vor dem KKL konnte sich diesen Klängen (Konzept Balthasar Streiff) auch einfach genüsslich hingeben. Ein kurzer, aber ebenso sinniger wie sinnlicher Auftakt.

«Yes you can»
Das dritte Klavierkonzert von Prokofjew mit der Pianistin Yuja Wang war dazu ein ebenso virtuoser Auftakt wie das Grusswort von Bundesrat Merz. Er bewies, dass selbst Politiker in fünf Minuten zur Sache kommen können, mit einem Seitenhieb gegen die USA, die «den Marsch blasen», und indem er Obamas Losung kurzerhand aufs Lucerne Festival ummünzte: «Yes you can.»

Urs Mattenberger / Neue LZ

Klangperformance «Wie ein Naturlaut» (Beitrag Martin Erdmann):