LUCERNE FESTIVAL: Riccardo Chailly führt Abbados Erbe weiter

Scala-Musikdirektor Riccardo Chailly wird neuer Chefdirigent des Lucerne Festival Orchestra. Der 62-jährige Italiener tritt damit die Nachfolge seines 2014 verstorbenen Lehrmeisters und Freundes Claudio Abbado an. Chailly übernimmt die neue Aufgabe im Sommer 2016.

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Wird neuer Chefdirigent des Lucerne Festival Orchestra: Riccardo Chailly. (Bild: Peter Fischli / Lucerne Festival)

Wird neuer Chefdirigent des Lucerne Festival Orchestra: Riccardo Chailly. (Bild: Peter Fischli / Lucerne Festival)

Der neue Chefdirigent des Lucerne Festival Orchestra heisst nicht Andris Nelsons, der seit Abbados Tod als Favorit für dessen Nachfolge galt, sondern Riccardo Chailly. Der Italiener tritt die Position mit dem Beginn des Sommer-Festivals 2016 an: Am 12. August 2016 wird er das Festivalorchester im Eröffnungskonzert zum ersten Mal leiten – in Gustav Mahlers Achter Sinfonie.

Riccardo Chaillys Vertrag ist auf fünf Jahre angelegt und sieht vor, dass er das Orchester in vier bis fünf Konzerten während der Festivalsommer dirigiert. Das Lucerne Festival Orchestra eröffnet seit seiner Gründung durch Claudio Abbado 2003 jedes Jahr den Sommer von Lucerne Festival. Im Eröffnungskonzert von heute Abend wird es geleitet von Bernard Haitink, zwei Konzerte dirigert Andris Nelsons.

Dritter italienischer Dirigent an der Spitze

«Ich freue mich ausserordentlich, dass mit Riccardo Chailly ein grossartiger Künstler als Chefdirigent des Lucerne Festival Orchestra gewonnen werden konnte», kommentiert Michael Haefliger, Intendant des Festivals. «Arturo Toscanini rief 1938 dieses einzigartige Sinfonieorchester ins Leben, Claudio Abbado hat es 2003 wiederbegründet und zu Weltgeltung gebracht. Mit Riccardo Chailly übernimmt zum dritten Mal ein grosser italienischer Dirigent die Leitung des Lucerne Festival Orchestra. Als herausragende künstlerische Persönlichkeit wird auch er neue starke Akzente setzen.»

Karrierestart unter Abbado

«Für dieses herausragende künstlerische Projekt verantwortlich zu sein, das Claudio Abbado initiiert hat, ist nicht nur ein Privileg, sondern berührt mich zutiefst», erklärt Riccardo Chailly. «Seit der Zeit, als er mich im Alter von 18 Jahren zu seinem Assistenten an der Scala ernannte, war Abbado mein Vorbild und dann mein Bezugspunkt und lebenslanger Freund, in tiefer Verbundenheit bis zum Ende.

Riccardo Chailly trat seit 1988, zunächst als Chefdirigent des Concertgebouw Orchestra und bis letztes Jahr des Gewandhausorchesters Leipzig, regelmässig am Lucerne Festival und verweist auf "volle künstlerische Einverständnis" mit Michael Haefliger: "Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit ihm eine wirkliche Gelegenheit ist, das musikalische Profil des Orchesters und des Festivals weiterzuentwickeln, sowohl in der Schweiz als auch weltweit, so wie es das Festival verdient.».

Riccardo Chailly, 1953 in Mailand geboren, ist seit 2005 Gewandhauskapellmeister des Gewandhausorchesters Leipzig und seit Januar 2015 Principal Conductor an der Mailänder Scala. Nach seinem Karrierestart als Assistent von Claudio Abbado an der Mailänder Scala leitete er 16 Jahre lang als Chefdirigent das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam.

Regelmässig dirigiert er die wichtigsten Sinfonieorchester in Europa und den USA: die Wiener Philharmoniker, Berliner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das London Symphony Orchestra und das Orchestre de Paris, das New York Philharmonic, das Cleveland Orchestra, das Philadelphia Orchestra und das Chicago Symphony Orchestra.

Er gastierte immer wieder an den grossen Opernhäusern wie der Metropolitan Opera New York, dem Royal Opera House, Covent Garden, in London, der Bayerischen Staatsoper in München oder dem Opernhaus Zürich. Bei Lucerne Festival ist Riccardo Chailly seit 1988 kontinuierlich zu Gast, mit dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam und mit dem Gewandhausorchester Leipzig.

pd/nop