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«Luisa» soll vor sexuellen Übergriffen schützen

Die Organisation Safer Clubbing lanciert in der Stadt Luzern eine Kampagne mit einem Code, um Frauen in Clubs und Bars Hilfe anzubieten. In Winterthur gibt es das Angebot bereits, doch es wird nur selten genutzt.
Fabienne Mühlemann
Partygäste in einem Club in der Schweiz. (Symbolbild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Partygäste in einem Club in der Schweiz. (Symbolbild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Es gibt immer wieder Personen, die Opfer von sexuell motivierter Gewalt werden. Gerade wenn man sich auf Partys oder in Bars aufhält, wo eine ausgelassene Stimmung herrscht, laute Musik läuft und es alkoholische Getränke gibt, kann es zu solchen Vorkommnissen kommen. Dabei kennt der Täter meist die Grenzen zwischen Flirten und einem Übergriff nicht.

Um sexuell motivierter Gewalt entgegenzuwirken, hat das nationale Label Safer Clubbing die Kampagne «Luisa ist hier» lanciert. Das Projekt wurde im englischsprachigen Raum und in Deutschland erprobt. In der Schweiz sind bereits Winterthur und Zürich mit an Bord. Ab jetzt macht auch die Sektion Luzern mit Hilfe der Opferberatungsstelle des Kanton Luzern mit.

Personal wurde extra für solche Situationen geschult

Das Projekt funktioniert so: Fühlt sich eine Person in einem Club oder einer Bar bedrängt oder unsicher oder wurde sie sexuell belästigt, kann sie zur Bar gehen und die Frage «Ist Luisa hier?» stellen. Das Personal bringt das Opfer daraufhin in einen geschützten Raum. «Der Code ist dazu da, damit sich das Opfer nicht vor allen outen muss. Häufig ist dann auch die Hemmschwelle tiefer und die Person getraut sich eher auf den Mitarbeiter zuzugehen», meint Rolf Tschuppert, Vize-Präsident von Safer Clubbing Luzern und Inhaber von Tschuppi’s Wonderbar. Ist das Opfer erst von der Menschenmasse weg, gehe es darum, ihm Schutz zu bieten. Das Personal wurde für solche Situationen spezifisch geschult. Der Name Luisa wurde gewählt, weil er einen Kopfton enthält. Damit ist er auch in einer lauten Umgebung leicht verständlich, heisst es auf einem Merkblatt.

In Luzern gehören 14 Bars und Clubs der Organisation Safer Clubbing an: Bar 58, Rok Club, Madeleine, Bourbaki, Grand Casino Luzern, Filou und Bengel, Roadhouse, Max, Tschuppi’s Wonderbar, Schwarzes und Weisses Schaf, Bruch Brothers, Princesse Club, Franky und das El Cartel. Dort hängen ab jetzt beim Eingang und auf der Toilette Infoplakate, die auf die Kampagne aufmerksam machen. Mit dem Projekt will die Organisation die Leute vor allem für das Thema sensibilisieren. «Es soll zudem auch eine abschreckende Wirkung für allfällige Täter haben», sagt Tschuppert. In Luzern gebe es zwar nicht viele Übergriffe auf Frauen. Aber man wolle mit gutem Beispiel vorangehen.

In Winterthur wird das Projekt schon seit Oktober 2017 durchgeführt. «Wir erhalten viele positive Rückmeldungen auf die Kampagne», sagt Kajo Böni, der für «Luisa ist hier» in Winterthur verantwortlich ist. Das Angebot werde aber nur selten genutzt. Das kann einerseits daran liegen, dass Frauen sich oft selber zu helfen wissen. Andererseits benötigt es nach wie vor Überwindung, andere um Unterstützung zu bitten. Das Projekt würde Böni aber auf jeden Fall wieder durchführen. «Wir können damit ein Zeichen setzen.»

Handlungsvorschläge für Mitarbeitende der Bars und Clubs gemäss Opferberatungsstelle

1. Biete der hilfesuchenden Frau einen Ort als Rückzugsmöglichkeit an. Das kann der Personalraum oder die Küche sein.
2. Frage die betroffene Frau nicht, was genau passiert ist. Frage, inwiefern du ihr behilflich sein kannst.
3. Frage die Frau, ob sie möchte, dass jemand aufpasst, während sie ihre Sachen von ihrem Sitzplatz oder aus der Garderobe holt.
4. Biete der Frau an, ein Taxi zu rufen oder sei ihr behilflich bei der Kontaktierung einer Freundin, eines Freundes oder eines Familienangehörigen.
5. Wenn die Frau von einer Person abgeholt wird, bleibe möglichst in Kontakt mit der Frau, bis die Bezugsperson angekommen ist.
6. Sorge dafür, dass die Frau den Ort nicht alleine verlässt, damit sie weiterhin vor der belästigenden Person sicher ist.
7. Falls die verursachende Person des Ortes verwiesen werden soll, sorge dafür, dass es zu keiner unmittelbaren Begegnung zwischen dieser Person und der Frau kommt.
8. Gegebenenfalls rufe die Polizei via Notruf 117.
9. Verweise für weitere Hilfe auf die Opferberatungsstelle (Telefon 041 228 74 00). (fmü)

Weitere Informationen gibt es hier.

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