LUKB: «Wir haben Verunsicherung gespürt»

Nach wochenlangen Gesprächen mit dem Verwaltungsrat zieht LUKB-Chef Bernard Kobler die Reissleine und tritt zurück. Verwaltungsratspräsident Mark Bachmann sagt, was er davon hält.

Interview Hans-Peter Hoeren
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«Wir haben die ganze Bandbreite an Reaktionen erlebt» - Mark Bachmann, Verwaltungsratspräsident der LUKB. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

«Wir haben die ganze Bandbreite an Reaktionen erlebt» - Mark Bachmann, Verwaltungsratspräsident der LUKB. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Kurz vor Weihnachten gelangt die Strafklage einer ehemaligen Geliebten von Bernard Kobler an die Öffentlichkeit und bringt den CEO der Luzerner Kantonalbank massiv unter Druck. Die Klägerin, eine 35-jährige Brasilianerin, hatte Strafklage gegen Kobler eingereicht – wegen versuchter Nötigung sowie versuchter sexueller Nötigung. Aus der ausserehelichen Beziehung zwischen Kobler und der Frau war 2012 ein Sohn hervorgegangen. Ende 2013 entbrannte zwischen den beiden ein Streit um die Bezahlung des von der Frau geforderten Betreuungsgeldes. Auch Kobler erstattete Anzeige gegen seine ehemalige Geliebte – wegen Körperverletzung, Nötigung und Erpressung.

Am 23. Dezember, kurz nach Bekanntwerden des Falls, teilten die Anwälte mit, dass sich beide Parteien geeinigt hätten und die Strafklagen zurückziehen würden. Noch vor Bekanntgabe dieser Einigung sprach der LUKB-Verwaltungsrat Kobler das Vertrauen aus. Er kündigte aber gleichzeitig an, die Situation genaustens zu analysieren.

Mark Bachmann, man hatte den Eindruck, die Luzerner Kantonalbank habe die Affäre Kobler beinahe schon ausgesessen – das öffentliche Interesse ist abgeflaut. Wieso erfolgt nun doch der Rücktritt?

Mark Bachmann*: Wir haben am 23. Dezember mitgeteilt, dass wir uns bewusst sind, dass die Angelegenheit Auswirkungen auf die Reputation und die Geschäftstätigkeit der Bank haben kann. Diese Fragestellung wollten wir fundiert und ohne Zeitdruck prüfen und unseren Entscheid dann in Ruhe treffen. Für uns stand das Wohl der Bank im Vordergrund.

Hat Bernard Kobler den Rücktritt angeboten oder hat ihn der Verwaltungsrat dazu drängen müssen?

Bachmann: Bernard Kobler ist nach einem engen Austausch mit dem Verwaltungsrat zum Schluss gekommen, dass die Angelegenheit das Potenzial hat, seine Tätigkeit als LUKB-CEO zu beeinträchtigen. Das war der entscheidende Punkt.

Wie stark haben die LUKB und Bernard Kobler in den vergangenen Wochen bei Kunden und Aktionären an Vertrauen und Reputation eingebüsst?

Bachmann: Wir haben meines Wissens keine grösseren Geldabflüsse gehabt oder Kunden verloren, wir haben jedoch die ganze Bandbreite an Reaktionen erlebt. Viele Kunden haben Bernard Kobler unterstützt und seine Verdienste als CEO gewürdigt. Es gab aber auch Reaktionen von Leuten, die seinen Verbleib im Amt nicht verstehen konnten, weil sie einen Zusammenhang zwischen dem Amt und dem Privatleben hergestellt haben. Das Stimmungsbild war nicht eindeutig, das hat eine Beurteilung der Angelegenheit auch so schwer gemacht. Die Bank hat unter dem Strich zwar keinen materiellen Schaden genommen, aber wir haben eine Verunsicherung gespürt.

Wie gross ist der Flurschaden?

Bachmann: Ich glaube, dass die Reputation unserer Bank nach wie vor intakt ist.

Wie haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf die Affäre reagiert?

Bachmann: Sie sind natürlich oft mit dem Thema konfrontiert worden, im Kundengespräch und auch privat.

Gerade für die weiblichen Mitarbeiter dürfte der Umgang mit einem durch die Affäre zweifellos beschädigten CEO nicht immer einfach gewesen sein. Das wusste man auch schon Ende Dezember, kommt der Rücktritt nicht doch etwas spät?

Bachmann: Auch bei den Mitarbeitenden haben wir die ganze Bandbreite an Reaktionen erlebt. Auch hier war kein eindeutiges Stimmungsbild auszumachen. Zudem soll man Entscheide mit solcher Tragweite nicht überhastet und unter Druck treffen.

Waren Sie schon einmal mit so einem schwierigen Personalentscheid konfrontiert?

Bachmann: Das ist Teil meines Jobs als VR-Präsident. Aber der Entscheid hat mich berührt – auch menschlich. Nicht zuletzt, weil Bernard Kobler als CEO einen ausgezeichneten Leistungsausweis hat.

Bernard Kobler bezieht bis zu seinem Ausscheiden sein Fixgehalt von 480 000 Franken. Sein Nachfolger ad interim, der mehr Verantwortung trägt, erhält nicht mehr. Was ist der Hintergrund dieser Regelung?

Bachmann: Wir haben mit Bernard Kobler eine Austrittsvereinbarung getroffen. Er wird im Maximum noch bis Ende Januar 2015 bei uns angestellt sein. Bleibt er bis zu diesem Zeitpunkt, erhält er das Fixgehalt von jährlich 480 000 Franken. Nimmt er vorher eine neue Stelle an, bemisst sich der Lohn nach der Anzahl der gearbeiteten Monate. Wir zählen in der Übergangsphase auf seine Unterstützung. Die Bank bezahlt jedoch für die kommenden Monate weder eine variable Vergütung (Bonus) noch eine Abgangsentschädigung.

Blicken wir in die Zukunft. Ein CEO ad interim ist mit Daniel Salzmann bereits installiert, könnte er auch zu einer dauerhaften Lösung werden?

Bachmann: Wir werden das Rekrutierungsverfahren in Kürze starten, und zwar für interne und externe Kandidaten. In Daniel Salzmann haben wir sehr grosses Vertrauen und sind überzeugt, dass er die Bank als interimistischer CEO souverän führen wird.

Was sind die wichtigsten Anforderungen an den künftigen Chef oder die künftige Chefin?

Bachmann: Er oder sie braucht vor allem konzeptionelle und strategische Fähigkeiten sowie ein ausgeprägtes Banken-Know-how. Führungskompetenz ist ebenfalls zentral. Ein LUKB-Chef zeichnet sich auch durch Bodenhaftung und Nähe zu den Kunden und Mitarbeitern aus. Wenn er oder sie zudem eine Persönlichkeit mit Zentralschweizer Verankerung ist, ist dies sicher von Vorteil.

Was sind die grössten Herausforderungen für die LUKB?

Bachmann: Unser aktuelle Strategie­periode läuft noch bis 2015. Es gilt sehr bald, die Strategie für die Jahre 2016 bis 2020 aufzugleisen. Hierbei dürfte es zwar keine fundamentalen Veränderungen geben. Aber es stehen grosse Herausforderungen an, zum Beispiel beim Onlinebanking oder anderen technologiegetriebenen Themen. Zudem sehen wir uns mit einer Vielzahl an Regulierungen konfrontiert, allein die Aufarbeitung der Daten für das US-Steuerprogramm kostet die Bank über 5 Millionen Franken.

Was sind die markantesten Verdienste von Bernard Kobler als CEO der Luzerner Kantonalbank?

Bachmann: Ich nenne Ihnen einige Zahlen, welche seinen Leistungsausweis eindrücklich aufzeigen: Als Bernard Kobler Anfang 2004 Chef der LUKB wurde, stand die Aktie bei rund 180 Franken. Seitdem hat sich der Kurs mit 350 Franken fast verdoppelt. Der Unternehmensgewinn nach Steuern ist markant von 126 Millionen Franken im Geschäftsjahr 2004 auf 178 Millionen Franken 2012 gestiegen. Ebenso ist das Eigenkapital der Bank von rund 1,3 Milliarden bei Amtsantritt auf heute rund 2,1 Milliarden Franken gestiegen. Bernard Kobler hat zudem die Risiken des grenzüberschreitenden Geschäfts rechtzeitig erkannt. Bemerkenswert ist auch die sehr gute Kreditpolitik der LUKB unter seiner Regie, die Bank hatte unter Koblers Führung nur sehr wenige Kreditausfälle.

ZUR PERSON

* Der Hochdorfer Unternehmer Mark Bachmann (50) ist seit 2011 Verwaltungsratspräsident der Luzerner Kantonalbank. Er sitzt seit 2005 im Verwaltungsrat der LUKB. Bachmann war bis Ende des vergangenen Jahres CEO des Fensterherstellers 4B in Hochdorf – seit Anfang Jahr amtet er als Verwaltungsratspräsident der 4B-Gruppe.