Kommentar

Das Luzerner Kantonsspital muss die Mitarbeiter ernst nehmen

Rund drei Monate nach der Einführung des neuen Klinikinformationssystems am Luzerner Kantonsspital harzt es bei der Umsetzung im Alltag. Deshalb muss die Spitalleitung den Anliegen der Mitarbeiter annehmen. 

Yasmin Kunz
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Das Luzerner Kantonsspital (Luks) hat im September ein neues Klinikinformationssystem eingeführt. Der Arbeitsalltag von Ärzten und Pflegepersonal ist seither digital.

Das Luks ist das erste Spital im deutschsprachigen Raum, das auf das 65-Millionen teure System aus Amerika setzt. Vorreiterrollen bergen immer Risiken, zumal nicht von Erfahrungen anderer profitiert werden kann.

Jetzt zeigt sich, dass die Umsetzung im Alltag harzt. Zumindest in gewissen Bereichen wie etwa beim Schreiben von Berichten oder beim Erfassen von Operationsterminen. Das sind grundlegende Arbeitsschritte im Spitalalltag. Der Mehraufwand ist für das Personal beachtlich, weil einige Arbeitsvorgänge nun mehr Zeit beanspruchen. Das führt zu Unzufriedenheit bei den Angestellten, den zuweisenden Ärzten und den Patienten.

Unbestritten ist: Das Spital muss punkto Anwenderfreundlichkeit zwingend Optimierungen vornehmen. Solche Anpassungen brauchen jedoch Zeit, darum wären voreilige Schlüsse jetzt falsch. Spitäler in England führten dieses System vor wenigen Jahren ein – mit anfänglich grossen Schwierigkeiten. In der Zwischenzeit hat sich das System etabliert.

Das zeigt: Ein neues System kann auch eine Chance sein. Allerdings nur dann, wenn die Anliegen der Angestellten stets ernst genommen werden. Für sie steht die Behandlung der Patienten im Vordergrund – und nicht die Bedienung einer komplexen Software.

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