LUNA-PARK: In schwindelnden Höhen

Die Bahn Maxximum 2 an der Luga verspricht den ultimativen Kick. Doch bringt sie Begeisterung oder Elend? Ein Selbstversuch.

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Links der Kettenflieger «Condor», rechts «Maxximum 2».

Links der Kettenflieger «Condor», rechts «Maxximum 2».

Plötzlich hänge ich in über 50 Metern Höhe mit dem Kopf nach unten und frage mich, was mein Beruf als Journalistin sonst noch so mit sich bringen wird. Zeit zu überlegen hätte ich genug, die Gondel der Bahn Maxximum 2, in der ich festgeschnallt sitze, verharrt eine gefühlte Ewigkeit in dieser Position. Zu allzu komplexen Gedankengängen bin ich dann doch nicht im Stande, ich konzentriere mich lieber darauf, meinen Herzschlag etwas zu beruhigen, ehe mich die Bahn wieder in alle Richtungen schleudert.

Und Sekunden später tut sie das gnadenlos: Wir rotieren einmal um die eigene Achse, werden gedreht, gekippt, jäh gestoppt – und wieder in die Gegenrichtung geschwungen. Und damit nicht genug: Der lange Arm, an dessen Ende die Gondel befestigt ist, saust gleichzeitig nach unten, so dass einem regelrecht das Herz in die Hose rutscht.

Eines vorweg: Ein Weichei in Sachen Achterbahnen bin ich nicht. Silverstar in Rust, Extasy im Wiener Prater – alles schon gesehen. Doch diese Bahn, die es in der Schweiz erst seit 2016 gibt und die zum ersten Mal an der Luga ist, hat es in sich! Sie beginnt zwar mit einer gemütlichen Schaukelbewegung, wird aber immer höher und schneller. Ab einer gewissen Höhe geht die Looping-Fahrt mit der sich um 360 Grad drehenden Gondel dann richtig los.

Etwas erleben statt herumsitzen

Als ich kaum mehr weiss, wo oben und wo unten ist, und vor meinen Augen Himmel und Erde verschwimmen, fange ich an, mir echte Sinnfragen zu stellen. Wieso macht man so etwas? Wieso sitze ich nicht gemütlich bei Kaffee und Kuchen in unserem Luga-Büro? «Das wäre doch öde!», meldete sich eine innere Stimme. Nun gut, sage ich mir – und bin aber trotzdem heilfroh, dass ich das Mittagessen auf später verschoben habe. Etwas besser als mir erging es zwei Frauen, deren Schreie ich während der Fahrt vernahm. «Esch voll geil gsi!», meinte Heidi Fleischmann (28) nach der Fahrt. Und auch ihre Freundin, Fränzi Aschbacher (24), bereute die Achterbahnfahrt keineswegs: «Wir dachten, wir gehen gleich aufs Ganze und testen die neue Bahn aus.» Jetzt müssten sie nämlich wieder nach Hause ins Entlebuch.

Adrenalin-Fans können sich also definitiv freuen. Und solche gab es während der Luga eine Menge, auch wenn dies am gestrigen verregneten Nachmittag nicht gross zu sehen war: Laut Bahnbetreiber Jean-Marc Jolliet wurde die Bahn bereits rege besucht, besonders am letzten Wochenende. Eine Fahrt kostet dabei 13 Franken. Jolliet meint dazu: «Die Sensation sei den Preis wert, höre ich von den Besuchern jeweils nach der Fahrt.»

 

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Archivbild LZ

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«Maxximum» war bereits 2009 an der Luga. (Archivbild: LZ)

«Maxximum» war bereits 2009 an der Luga. (Archivbild: LZ)