LUTHERN: Diese Jungs geben Gas

Rennsport der besonderen Art wird am Fusse des Napfs geboten. Einige der Fahrer treten sogar nur mit halben Töffs an.

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Spinner – aber sympathische: Remo «Long John» Schnider (links) und Michel «Crazy» Schmidlin vom Mohawk-Motorradclub. (Bild: Dominik Wunderli)

Spinner – aber sympathische: Remo «Long John» Schnider (links) und Michel «Crazy» Schmidlin vom Mohawk-Motorradclub. (Bild: Dominik Wunderli)

Impressionen der letzten Alpenrider-Party finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

Roger Rüegger

Schmutzig, schnell, laut. Mit diesen drei Worten ist das Wesentliche über die Alpenrider-Party in Hofstatt bei Luthern bereits erwähnt. Zum fünften Mal organisiert der Luzerner Motorradclub Mohawk MC dieses wilde Motorsportfest, bei dem die Musik nicht nur im Festzelt, sondern auf mehreren Rennpisten spielt.

Im Rahmen dieser Feier liefern sich auf einer Wiese im Grünenboden ab Freitag rund 100 Motorradfahrer in drei Kategorien atemberaubende Dragrace-Duelle. Diese Beschleunigungsrennen, an denen jeweils zeitgleich Fahrer gegen Fahrer gegeneinander antreten, werden auf zwei parallelen Bahnen ausgetragen. Gefahren wird auf Strecken mit losem Untergrund, also auf Gras oder Erde.

Vollblut-Rennfahrer

Auch Rennleiter und OK-Mitglied Michel Schmidlin (41) startet mit seiner umgebauten Offroad-Maschine. Der 41-jährige gelernte Elektriker und Tierpfleger ist ein Vollblut-Rennfahrer. «Mein Ziel ist, mit meiner Yamaha R1 vorne mitzumischen», sagt er. Rennerfahrung sammelte Schmidlin in vielen Jahren als Motocross-Rennfahrer. Von 16 bis 20 fuhr er solo, danach 15 Jahre als «Plampi» im Seitenwagen. «Der Aufwand mit drei bis vier Trainings pro Woche war im Motocross enorm. Ausserdem kostete das Hobby viel Kohle, aber das ist im Motorsport generell so», sagt er. Heute nehme er nur noch an Dragrace- und Hillclimbing-Wettbewerben teil. Bei Letzteren geht es darum, einen steilen Berghang möglichst weit hochzufahren.

Zwar hat er seiner Freundin versprochen, kürzerzutreten: «Aber wenn ein Rennen naht, merkt sie, dass ich nervös werde. Und manchmal kann sie es nicht mit ansehen, wenn ich derart kribblig und unruhig bin, sodass sie mich dann von sich aus an die Rennen schickt.» Leute wie Schmidlin, der sich Crazy nennt, sind – vorsichtig ausgedrückt – unerschrockene Haudegen. Aber solche, die ihre Maschinen im Griff haben. Auf den Strecken, die nur 80 bis 85 Meter lang sind, erreichen sie auf ihren Geschossen Geschwindigkeiten von über 120 Sachen.

Lasse die Finger davon

Der Präsident des Mohawk MC, Remo Schnider, den die meisten Leute Long John nennen, ist ebenfalls ein leidenschaftlicher Motorradfahrer. An Drag-Rennen würde er jedoch unter keinen Umständen teilnehmen. «Von solchen Fahrzeugen lasse ich die Finger. Wenn man den Racern zuschaut, befällt einen die Angst. Von den Fahrkünsten dieser Kerle bin ich meilenweit entfernt», gibt der 48-jährige Koch zu. Auf der Strasse ist Long John aber häufig unterwegs. Mit seiner Harley Davidson des Typs Wide Glide spult der Mann jedes Jahr weit über 20 000 Kilometer ab.

Doch zurück zu den Dragracern. Die wahren Spinner sind jene, die mit selbst gebauten Unimoto-Dragbikes über die Rennplätze donnern. Diese Fahrzeuge bestehen aus einem Rahmen, einem kräftigen Motor und – wie der Name verrät – nur einem Rad. Das Lenken dieser Boliden geschieht mittels Gewichtsverlagerung. Anders ausgedrückt: Es ist praktisch unmöglich. Dennoch sind Unfälle an der Alpenrider-Party selten, wie Long John betont.

Modifizierte Räder

Damit die Dragsters zügig beschleunigen, lassen sich Fahrer und Mechaniker immer neue Tricks einfallen. So werden die Räder modifiziert, indem an ihnen etwa Nägel, Schrauben oder Schaufeln angebracht werden. Die ganz wilden Fahrer montieren Metallschaufeln an die Reifen. Diese sind in Luthern aus Sicherheitsgründen jedoch nicht erlaubt. «Die Zuschauer sind nahe am Geschehen. Wenn Metallteile bei diesen Beschleunigungen durch die Luft fliegen, würde es gefährlich», sagt Schmidlin.

Ein Spektakel wird es gleichwohl. Wenn das Wetter mitspielt, dürften sich laut Schätzung von Long John gut und gerne 1000 Leute auf dem Festgelände einfinden. «An unseren Rennen treffen wir immer wieder auf neue Gesichter, die noch nie an einem Dragracing waren. Leute aus dem Dorf oder andere, die nicht Motorrad fahren. Aber natürlich kommen auch immer einige Motorrad-Clubs an unsere Events», sagt Long John.

An der Alpenrider-Party feiern die 14 Männer des Mohawk MC auch sich selber. Vor 25 Jahren haben Long John und eine Gruppe Motorradfreaks den Club gegründet. Selbstredend, dass zur vorgerückten Stunde auch im Festzelt die Post abgehen wird. Wie bei den Rennen, kennen die Akteure auch dann nur eine Version – Vollgas.