LUTHERN: Eine Arche für bedrohte Tiere

Der Bauernhof Russberg ist der einzige Archehof in der Zentralschweiz. Der Hof beheimatet fünf Tierrassen, die vom Aussterben bedroht sind.

Roseline Troxler
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Franz Kreienbühl inmitten seiner Schützlinge auf dem Archehof Russberg in Hofstatt. (Bild: Pius Amrein  / Neue LZ)

Franz Kreienbühl inmitten seiner Schützlinge auf dem Archehof Russberg in Hofstatt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Zu Beginn wurde er ausgelacht, als er vom Aussterben bedrohte, alte Tierrassen zu züchten begann, erzählt der Landwirt Franz Kreienbühl (52). Seit 2005 betreiben er und seine Frau Marianne mit ihren vier Kindern den Bauernhof im Napfbergerland als «Archehof». Dieses Label wird von der Stiftung Pro Specie Rara vergeben (siehe Box). Nun läuft der Betrieb, und Franz Kreienbühl ist stolz auf die seltenen Tiere – Evolèner Rinder, Engadinerschafe, Pfauenziegen, Pommernenten und Appenzeller Barthühner – welche auf seinem Hof leben. Nebst den Pro-Specie-Rara-Tierrassen besitzt er auch original Schweizer Braunvieh. Der Bauernhof Russberg ist der einzige Archehof der Zentralschweiz.

Ohne die neue Ausrichtung, welche viele Besucher und Feriengäste anzieht, hätte die Familie den Hof nicht weiterbetreiben können. «Da der Betrieb, den ich von meinen Eltern übernommen habe, sehr klein ist, konnten wir nicht nur auf Landwirtschaft setzen.»

Robuster und einfacher zu halten

Sich Pro-Specie-Rara-Tiere anzuschaffen, sei gar nicht so einfach gewesen. «Es gab damals nur noch 86 Evolèner Kühe – durch Glück konnte ich eine Kuh kaufen», sagt Franz Kreienbühl. Heute sei der schweizweite Bestand auf mehr als 500 Kühe angewachsen. An der Luga vor zwei Jahren waren die Evolèner Rinder von Franz Kreienbühl die Stars. «Ein Mann hat mir erzählt, dass ihm das Augenwasser kam, als er die gehörnten Tiere an der Luga sah», erzählt er. Die Pro-Specie-Rara-Rassen brauchen laut Kreienbühl keine spezielle Pflege und können neben den Hochleistungsrassen gehalten werden. «Diese Rassen sind gar viel robuster und einfacher zu halten.» Aber sie würden langsamer wachsen und weniger feiss werden, weshalb sie bei den Landwirten unbeliebt seien. Doch es finde langsam ein Umdenken statt, so Kreienbühl. «Das Fleisch der Engadinerschafe wird sehr geschätzt, da es eher mager ist.» Dreimal die Woche fährt der Landwirt auf den Markt in Liestal und Solothurn, um Trockenfleisch zu verkaufen. Weiter bietet der Archehof Russberg auch Teemischungen, Sirup, Konfitüre, Brot und Likör an.

Kleinster Campingplatz im Kanton

Die Produkte der Familie Kreienbühl seien auf dem Markt beliebt. Dies war nicht immer so: «Zu Beginn kaufte fast niemand bei uns ein – beinahe hätten wir aufgegeben.» Nun aber laufe das Geschäft. Nebst dem Verkauf der Produkte und der Haltung der Pro-Specie-Rara-Rassen steht der Archehof für Besucher offen. Besonders beliebt bei Schulklassen ist der Barfussweg, den die Familie angelegt hat. Firmen und Vereine nehmen gerne an der Bauernhof-Olympiade teil, wo sich die Besucher in verschiedenen Disziplinen wie Strohballenwerfen, Hufeisenboccia oder Milchkannenrollen messen. «Künftig möchten wir das Angebot ‹Schule auf dem Bauernhof› noch ausbauen», sagt Franz Kreienbühl.

Die Familie Kreienbühl bietet auf ihrem Hof zudem Platz zum Campieren an. So ist der Archehof mit fünf Plätzen auch der wohl kleinste Campingplatz im Kanton Luzern. «Besucht werden wir vor allem von Schweizern, Holländern und Belgiern.»