LUTHERN: Erbitterter Kampf im Kiesgeschäft

Der Kampf ums Hinterländer Kies wird mit Haken und Ösen geführt. Hinter den Auseinandersetzungen, die der Luzerner Justiz viel Arbeit bereiten, steht auch ein Baukonzern: die Marti Holding AG, Bern.

Thomas Heer Thomas Heer
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Der Kampf ums Hinterländer Kies wird mit ethisch grenzwertigen Mitteln geführt. (Archiv) (Bild: Christof Borner Keller / Neue ZZ)

Der Kampf ums Hinterländer Kies wird mit ethisch grenzwertigen Mitteln geführt. (Archiv) (Bild: Christof Borner Keller / Neue ZZ)

Als Mitbesitzer einer Firma mit rund hundert Angestellten kennt sich Franz Wüest in der Geschäftswelt bestens aus. Wüest, der im Nebenamt die CVP im Luzerner Kantonsrat vertritt, weiss natürlich, dass ein Unternehmer nicht immer nur auf der Sonnenseite stehen kann. Was er aber als Mitglied des Verwaltungsrates der Kieswerk Hofstatt AG erlebt, ist selbst für einen gestandenen Geschäftsmann wie Wüest starker Tobak.

Dazu der Hintergrund: Die Kieswerk Hofstatt AG verfügt in Luthern im Gebiet Under Moos über eine Abbauparzelle, was im Grundbuch festgehalten ist. Anlässlich der Gemeindeversammlung vom 25. Mai 2011 genehmigten die Stimmberechtigten von Luthern eine Änderung des Bau- und Zonenreglements und wiesen alle Einsprachen ab. Die Konsequenz: Die Hofstatt AG hätte mit dem Kiesabbau beginnen können, denn an der Sitzung vom vergangenen 1. Februar gab auch der Luzerner Regierungsrat in dieser Angelegenheit grünes Licht.

Fragwürdige Einsprachen

Bevor das Kieswerk Hofstatt die ersten Kubikmeter Kies abbauen wird, dürfte aber noch viel Zeit verstreichen. Denn einmal mehr, wenn es ums Hinterländer Kies geht, ist der Unternehmer Luc Fux* beziehungsweise eine von ihm geführte Tochtergesellschaft des Berner Baukonzerns Marti auf den Plan getreten. Dieses Tochterunternehmen, das ganz in der Nähe der Under-Moos-Parzelle vor Jahren eine Liegenschaft erwarb, ist als Nachbarin zur Einsprache berechtigt. Von dieser Möglichkeit wurde Gebrauch gemacht. Franz Wüest sagt: «In diesem Fall wird Recht missbraucht.» Und der Besitzer der Kieswerk Hofstatt AG, Beat Fischer, hält fest: «Das Ganze ist an den Haaren herbeigezogen.» Ein Anwalt, der im Luzerner Hinterland schon zig Fälle bearbeitete, in welche Fux involviert war, sagt: «Das ist Konkurrenzbehinderungspolitik. Es kommt zum rechtsmissbräuchlichen Einsatz der Justiz.»

Bei seiner Vorgehensweise ist Fux nicht auf sich alleine gestellt. Mit dem Baukonzern Marti Holding AG, domiziliert im bernischen Moosseedorf, hat Fux einen mächtigen Partner im Rücken. Im Kiesgeschäft gehts um Millionenbeträge und vor allem um kurze Lieferwege. Es lohnt sich nicht, Kies über 100 Kilometer zu transportieren. Deshalb ist die Marti Holding AG darauf aus, dass sie sich schweizweit an strategisch wichtigen Punkten an Kiesvorkommen partizipieren kann (siehe Box).

Das Erstaunliche daran: Im Kampf ums Kies mischt auch Rudolf Marti, seines Zeichens Verwaltungsratspräsident der Marti Holding AG, höchstpersönlich an der Front mit. Beat Fischer erinnert sich an die Begegnung mit einem der einflussreichsten Schweizer Bauunternehmer. Fischer sagt: «Herr Marti sagte mir deutlich, er habe viel Geld und gute Anwälte.» Marti will an Fischers Under-Moos-Kies partizipieren.

Dass der Konzern schon seit Jahren mit harten Bandagen kämpft, verdeutlichen Briefe, die ein Anwalt im Auftrag der Marti-Baugruppe an einen Konkurrenten versandte. Der Jurist ist heute noch Verwaltungsratspräsident in der bereits erwähnten und von Fux geführten Tochtergesellschaft. So schrieb der Rechtsvertreter: «Wir haben an die Pforten des Lutherntals geklopft und haben uns Einlass verschafft.» Und in bedrohlicher Tonalität gehts weiter: «Räume sind (noch) nicht aufgeteilt. Aber wir bieten Hand zu einer sinnvollen Zuweisung der Ausbeutungszuständigkeiten in den Räumen, in die wir eingedrungen sind und in denen wir uns ausbreiten werden.» Zudem heisst es: «Wir wollen den Frieden nicht um jeden Preis, man kann auch auf Kollisionskurs mit uns gehen.» In einem anderen Dokument wird angedeutet, dass der Berner Konzern seinen Statthalter Fux im Hinterland schon früh schalten und walten liess, wie es ihm gefiel. «Bis wir allerdings zu einer solchen Entente (Bündnis, Anm. d. Red.) gelangt sind, sehen wir keinen Grund, Herrn Fux Fesseln anzulegen.»

Unternehmer ist der Justiz bekannt

Die Marti Holding AG ist einer der renommiertesten Baukonzerne der Schweiz. Deshalb erstaunt es, dass die Firma an einer Person festhält, welche in weiten Teilen der Luzerner Justiz bestens bekannt ist. Denn im vergangenen November wurde bekannt, dass Fux rechtskräftig verurteilt wurde, und zwar zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Ein Jahr davon wurde unbedingt ausgesprochen. Zwei Gründe für die Verurteilung: mehrfacher betrügerischer Konkurs und mehrfache Urkundenfälschung (siehe Kasten).

* Name von der Redaktion geändert.