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LUZERN: 1000 Schüler demonstrieren gegen kantonale Sparmassnahmen

Rund tausend Schüler haben am Mittwoch gegen die Sparpolitik des Kantons demonstriert. Die Organisatoren betrachten die Demo als Erfolg, sind aber von einer Person enttäuscht.
Mehrere hundert Schüler demonstrierten vor dem Regierungsgebäue gegen die Sparpläne im Bildungsbereich. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 5. April 2017))

Mehrere hundert Schüler demonstrierten vor dem Regierungsgebäue gegen die Sparpläne im Bildungsbereich. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 5. April 2017))

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Der Himmel ist mit Wolken überzogen, Regen liegt in der Luft, und doch lassen sich rund tausend Kantischüler nicht davon abhalten, gegen die Sparmassnahmen im Bildungswesen zu demonstrieren. Auch in Zürich, Basel, Aarau und Genf finden im Laufe des Tages unter dem Motto #KeLoscht Kundgebungen statt.

Samuel Zbinden hat den Protest in Luzern organisiert: «In der Haut der Regierung möchte ich im Moment nicht stecken», eröffnet er die Demonstration. «Sie sieht sich heute mit dem grössten Schülerprotest in der Schweizer Geschichte konfrontiert.» Klatschen und Zurufe der Schüler begleiten die Rede. Dann bewegt sich die Masse langsam und friedlich vom Helvetiaplatz zum Regierungsgebäude. Ab und zu stimmen die Schüler in Sprechchöre ein. «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut», klingt es da etwa oder: «Tri, tra, trullala, Bildung ist für alle da.» Viele Schüler sind der Ansicht, dass man bei der Bildung nicht sparen soll. «Die Sparmassnahmen in diesem Bereich sind sehr kurzsichtig. Die Bildung ist doch unsere wichtigste Ressource», meint etwa Liza aus Luzern. Und Merline aus Obwalden schlägt vor, dass man den Politikern die Löhne kürzen soll, bevor man bei der Bildung spare.

Auch Lehrer laufen am Protestmarsch mit. Matthias Lussi unterrichtet an der Kanti Sursee. «Lehrer zu sein, hat auch eine soziale Komponente. Die Schüler wollen von den ‹Alten› lernen. Das ist ein generationenübergreifender Prozess», erklärt er. Deshalb dürfe man Lehrer nicht einfach wegsparen.
Immer wieder halten Passanten am Strassenrand an – und unterstützen die Jugendlichen. «Die Jugend ist unsere Zukunft, und in diese sollten wir investieren. Ohne Bildung werden wir bald weit unten sein», sagt etwa Selima Häfliger aus Luzern. Und auch die Luzernerin Franziska Rubin findet die Aktion gut. «Die Jugendlichen sollen nicht alles mit sich machen lassen. Es ist gut, dass auch das schwächste Glied in der Kette sich mal zu dieser Diskussion äussert.»

Kantonsratspräsident zeigt sich «tief beeindruckt»

Vor dem Regierungsgebäude wird die Truppe von Kantonsratspräsident Andreas Hofer in Empfang genommen. «Ich bin tief beeindruckt», sagt Hofer ob dem Anblick der vielen Schüler. Er sei nicht der Meinung, dass die Schüler «ke Loscht» hätten, wie sie auf ihren Transparenten schreiben – im Gegenteil. «Ihr habt sogar sehr viel Lust. Lust, euch für die Zukunft der Bildung einzusetzen.» Das finden offenbar auch Regierungsrat Reto Wyss und Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung: Sie empfangen eine Delegation des Verbands Luzerner Schülerorganisationen (VLSO) nach der Kundgebung zum Gespräch.

Für Serafin Curti, Präsident des VLSO, ist der Protest ein voller Erfolg. «Wir haben ungefähr jeden vierten Mittelschüler heute auf die Strasse gebracht», sagt Curti. Etwas enttäuscht ist er über die Abwesenheit von Finanzdirektor Marcel Schwerzmann. «Es ist seine Politik, die uns überhaupt in diese Lage gebracht hat.» Auf die Anfrage mehrerer Medien, ob er am Anlass teilnehmen werde, habe Schwerzmann lediglich geschrieben, er habe keine Zeit. Curti: «Die Botschaft an uns ist klar: Wir sind ihm nicht wichtig genug.» Umso schöner sei es, dass sich wenigstens Reto Wyss und Aldo Magno zu einem Gespräch bereit gezeigt hätten.

Doch Schwerzmann ist mit seiner Einstellung nicht alleine. Auch die FDP des Kantons Luzern «stört sich an der Sparpolemik» und fordert «mehr Sachlichkeit in dieser Diskussion», wie es in einer Mitteilung heisst.

Auch deshalb habe man umso mehr Lärm machen wollen, sagt Curti. Schwerzmann und Konsorten sollen wissen, dass die Schüler hier sind. Curti ist überzeugt: Die Politiker haben die Schüler gehört. «Wenn sie das ignorieren, werden sie das Resultat bei den nächsten Wahlen sehen.» Die Kundgebung verlief laut der Polizei ruhig.

Die demonstrierenden Schüler zeigen auf einem Transparent, wohin Kürzungen in der Bildung führen können. (Bild: Keystone/Alexandra Wey, Luzern, 5. April 2017)

Die demonstrierenden Schüler zeigen auf einem Transparent, wohin Kürzungen in der Bildung führen können. (Bild: Keystone/Alexandra Wey, Luzern, 5. April 2017)

«Auch wenn man sparen muss: Die Bildung ist ganz sicher der falsche Ort», sagt Merline Rutz (20), Schülerin aus Obwalden. (Bild: Martina Odermatt)

«Auch wenn man sparen muss: Die Bildung ist ganz sicher der falsche Ort», sagt Merline Rutz (20), Schülerin aus Obwalden. (Bild: Martina Odermatt)

«Es ist wirklich schwierig, eine Alternative zu finden. Irgendwo muss man ja sparen», sagt Jonas Herzing (19), Schüler aus Luzern. (Bild: Martina Odermatt)

«Es ist wirklich schwierig, eine Alternative zu finden. Irgendwo muss man ja sparen», sagt Jonas Herzing (19), Schüler aus Luzern. (Bild: Martina Odermatt)

«Bei den Mittelschulen wurde genug gespart. Die Unternehmenssteuern müssen rauf», sagt Matthias Lussi (40), Kantilehrer aus Luzern. (Bild: Martina Odermatt)

«Bei den Mittelschulen wurde genug gespart. Die Unternehmenssteuern müssen rauf», sagt Matthias Lussi (40), Kantilehrer aus Luzern. (Bild: Martina Odermatt)

«Die Jugend ist unsere Zukunft, in diese sollten wir investieren», sagt Selima Häfliger (55), Passantin aus Luzern. (Bild: Martina Odermatt)

«Die Jugend ist unsere Zukunft, in diese sollten wir investieren», sagt Selima Häfliger (55), Passantin aus Luzern. (Bild: Martina Odermatt)

«Den Firmen machen die Politiker Geschenke, aber den Schulen nehmen sie das Geld weg», Phoebe (16), Schülerin aus Luzern. (Bild: Martina Odermatt)

«Den Firmen machen die Politiker Geschenke, aber den Schulen nehmen sie das Geld weg», Phoebe (16), Schülerin aus Luzern. (Bild: Martina Odermatt)

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