LUZERN: 36'000 Fasnächtler verfolgen gigantischen Wey-Umzug

Piraten, Ritter und Räuber: Die Luzerner Fasnacht zeigte sich von ihrer kämpferischen Seite – und auch von ihrer gemütlichen.

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Gigantisch war er, der Fasnachtsumzug! Keine Frage. Der Umzug vom Güdismontag, der wie immer der grosse Tag der Wey-Zunft ist, vermochte mit erstklassigen Sujets, rund 36'000 gut gelaunten Zuschauern und sogar mit schönstem Sonnenschein zu überzeugen. Aber der Wey-Umzug war dieses Jahr noch etwas anderes: Er war in hohem Masse gemütlich. «Spinnt die?», mögen Sie jetzt denken. «Da kann sie ja gerade so gut ‹langweilig› schreiben!» Doch bevor Sie jetzt gleich zum Hörer greifen, um sich bei uns zu beschweren, lesen Sie bitte weiter – und nehmen Sie’s gemütlich ...

Nun, gemütlich war der Wey-Umzug gleich aus mehreren Gründen (und wer ihn verfolgt hat, wird es bereits ahnen): Gleich zwei Umzugswagen riefen nämlich zur Gemütlichkeit auf. Zuerst die als Affen verkleideten Wey-Zünftler höchstpersönlich, von deren Wagen zu Beginn des Umzugs das Dschungelbuch-Lied erklang: «Und wenn du – stets gemütlich bist (...) dann kommt das Glück zu dir – es kommt zu dir.» Ganz so gemütlich war ihr Sujet dann aber doch nicht. Statt eines freundlichen Bären prangte eine riesige Rakete (die eigentlich eine Raketenglacé war) auf ihrem Wagen. Darin lieferten sich US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un einen Wettkampf, wer denn «de Schlemmschti uf de Wält esch». Dabei ertönte immer wieder das Gedichtchen: «Sie pöbled met erne Waffe ond benämmed sech wie die domme Affe.» Einfach herrlich!

Sonne und Holdrio

Die Dschungelbuch-Figuren samt der Schlange Ska kamen dann aber doch noch. Und zwar wenig später mit der Wagenbaugruppe Conversio aus Luzern. Und so tutete es wieder aus den Lautsprechern: «Probiers mal – mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit ...» Angenehm gemütlich schienen den Umzug übrigens auch etliche Zuschauer gefunden zu haben. So mancher wandte sein Gesicht genüsslich der Sonne zu und schlürfte zufrieden sein Holdrio.

Aber ich gebe Ihnen trotzdem ein wenig recht. So einfach lässt sich die Lozärner Fasnacht natürlich nicht schubladisieren. Sie zeigte sich auch von ihrer wilden Seite – und glänzte mit vielen gfürchigen Sujets. So etwa dank der Safran-Zünftler, die als fiese Piraten auftraten. Oder dank der RüssSuuger Ämme als kämpferische Ritter (die im Übrigen eine tolle Darbietung der Titelmelodie von «Game of Thrones» hinlegten). Dann traten die Chottlebotzer als böse Räuber aus 1001 Nacht auf den Plan (begleitet von schönen Bauchtänzerinnen).

Unter den insgesamt 39 Umzugsnummern aufgefallen ist ausserdem die Gesellschaft der Notredamen mit ihrem Liedchen: «Ohni Manne gömer los, ond d’Fasnacht werd famos. Fraue chönd au loschtig si, d’Mannefasnacht esch verbi.» Oder die Muppet Show der Maskenliebhaber Gesellschaft der Stadt Luzern. Oder die Kostüme der Guuggenmusig Bärg-Wörze Uedlige. Oder die Nölli Grötze Lozärn. Oder... Na gut, jetzt mach’ ich Schluss.

Vier Kinder gingen verloren

Einigermassen gemütlich war es übrigens auch für die Luzerner Polizei. Wie sie meldete, verlief der Umzug aus polizeilicher Sicht ruhig. Die Stimmung war friedlich und es kam zu keinem nennenswerten Zwischenfall. Vier Kinder gingen im Getümmel zwar verloren – Polizei-sei-Dank konnten sie aber rasch wieder gefunden und den jeweils passenden Eltern übergeben werden. So muss es sein! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin eine tolle Fasnacht. Auf gigantisch-gemütliche Zeiten!

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