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LUZERN: 6000 Gläubige feiern Gottesdienst

Ab morgen findet auf der Allmend ein christlicher Massenevent statt. Der freikirchlich ­organisierte Event ist der grösste religiöse Anlass in Luzern seit dem Papstbesuch von 1984.
Remo Wiegand
Der Event "Explo 15" findet auf der Allmend statt. (Bild: Archiv)

Der Event "Explo 15" findet auf der Allmend statt. (Bild: Archiv)

So etwas hat Luzern schon lange nicht mehr erlebt: Massen bewegen sich zur Allmend, aber nicht für ein Fussballspiel, sondern zur frommen Erbauung. Die Explo 15 ist der grösste religiöse Anlass in Luzern seit dem Papstbesuch 1984. Eine Mischung aus Messe, Konferenz, Gottesdienst und Party, zu der rund 6000 Besucher erwartet werden. Der Mega­event geht ab morgen in der Luzerner Messehalle über die Bühne und dauert vier Tage (siehe Kasten). Organisatorin ist die Bewegung Campus für Christus, die in der Schweiz bereits sechs solche Grossveranstaltungen durchgeführt hat.

Wollen die Evangelikalen in den katholischen Stammlanden Fuss fassen? Andreas Boppart, Gastgeber und Leiter von Campus für Christus, lacht. «Überhaupt nicht. Es gibt einfach für Anlässe dieser Grössenordnung nur wenig geeignete Hallen. Weil die Luzerner Messe ausbaute und der Termin noch frei war, sind wir hier.» Kam hinzu, dass die Luzerner Behörden den Explo-Machern den roten Teppich ausrollten. «Man bot sofort Hand, für uns Gebäude zu öffnen, die eigentlich in dieser Zeit geschlossen sind», freut sich Boppart. So übernachtet im Armee-Ausbildungszentrum auf der Allmend ein Teil der rund 500 freiwilligen Explo-Helfer.

Unterstützung und Skepsis

Bereits vor Jahresfrist sind die Explo-Macher auf verschiedene christliche Institutionen zugegangen. Auf katholischer Seite konnte die Pfarrei St. Paul als Partner der Explo gewonnen werden. «Unsere Türen stehen offen», verkündet Pfarrer Leopold Kaiser. Er habe keinen Grund gesehen, einem Anlass Steine in den Weg zu legen, der sich eine «lebendige Gottesbeziehung» zum Ziel setze. So dient das Paulusheim während der Explo als Seminarsaal, während in der Kirche jeweils morgens eine Andacht gefeiert wird. «Wichtig war mir, dass darin kein Bücherstand aufgestellt wird. Die Kirche soll nicht zum Marktplatz werden», so Kaiser. Reservierter fiel die Reaktion im ökumenischen Pfarrkonvent aus, in der alle katholischen und reformierten Pfarrer und Gemeindeleiter die Anfrage der Explo besprachen. Die reformierte Pfarrerin Verena Sollberger spricht zwar anerkennend von der «professionellen Organisation» der Explo. Von einer Zusammenarbeit sah man bei den Reformierten dennoch ab: «Wir als Stadtkirche waren an der Vorbereitung nicht beteiligt und konnten uns inhaltlich nicht mehr einbringen», begründet Sollberger. Wenn die Explo stärker von Reformierten mitgestaltet worden wäre, hätten sie auch ihre Tradition des kritischeren Umgangs mit biblischen Texten eingebracht. «Das gewichten wir sicher stärker als die evangelikalen Christen.»

«Keine Menschenfresser»

Dennoch war auch die reformierte Kirche indirekt in die Explo-Organisation involviert, indem zwei ihrer Vertreter in einer regionalen, ökumenischen Begleitgruppe mithalfen. Die sechs Männer – je zwei Reformierte, Katholiken und Freikirchler – brüteten Begleitveranstaltungen aus, beschnupperten sich ein Jahr lang über konfessionelle Grenzen hinweg, ganz gemäss dem Ansinnen der Explo selber. «In vielen Fragen sind wir nicht gleicher Meinung, aber in den Unterschieden steckt unheimlich viel Bereicherndes», sagt Peter Jans, Mitglied der Pauluspfarrei und der katholischen Sy­node (Kirchenparlament) des Kantons. Jans plädiert leidenschaftlich für eine neue ökumenische Neugierde, gerade gegenüber den Evangelikalen: «Ich habe die Verantwortlichen als super feine Leute kennen gelernt, integer, hoch professionell. Das sind keine Menschenfresser.»

Youtube-Priester als Stargast

Aus der regionalen Begleitgruppe ging auch die Idee hervor, den italienischen päpstlichen Hofprediger Raniero Cantalemassa einzuladen, heuer der eigentliche Stargast der Explo. Auf Youtube-Videos ist der charismatische Kapuziner zu sehen, wie er das Publikum wie ein Pop-Star Glaubenssätze skandieren lässt. Bleibt in solchen Szenen genug Raum für das «selber Denken»? Andreas Boppart sieht darin keinen Widerspruch: «Ja, hoffentlich wird möglichst viel über das nachgedacht, was die Referenten sagen.»

Was aber bezweckt eine christliche Grossveranstaltung wie die Explo letztlich? Unbescheiden setzen sich die Veranstalter zwei grosse Ziele: Zum einen möchte man angesichts von unsicheren Zeiten, von Flüchtlingswellen und Terrorängsten eine «gemeinsame christliche Antwort der Hoffnung» geben. Zum anderen will man dem verbreiteten Kirchenfrust «mit einer neuen Glaubensspritze» begegnen. Markige Worte und mitreissende Musik gehören dabei als evangelikales Markenzeichen selbstverständlich dazu.

Viertagespass kostet 290 Franken

Die «Explo 15 – Fresh Faith» findet vom 29. Dezember bis zum 1. Januar in Luzern statt, hauptsächlich in der Messehalle, teilweise an Aussenstandorten, die bis Sursee reichen. Hauptreferenten sind der vatikanische Hofprediger Pater Raniero Cantalamessa, die Missionarin und Hilfswerkgründerin Heidi Baker (USA) und das australische Predigerpaar Brian und Bobbie Houston. Neben Vorträgen und der Vernetzung der christlichen Szene verfolgt die Explo auch soziale Ziele, spendet Teile der Erträge an christliche Hilfswerke und organisiert die Gratisteilnahme von Flüchtlingen. Die Preise für den Event bewegen sich zwischen 80 Franken für einen Tagespass und 290 Franken für alle vier Tage. An der Tageskasse stehen noch Tickets zum Verkauf.
www.explo.ch

Remo Wiegand

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