LUZERN: Ab Herbst ist das «Schiff» flott

Seit vier Jahren ist das Traditionslokal an der Reuss geschlossen. Nun hat der lange Hickhack zwischen Stadt und Besitzern ein Ende.

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Das Hotel und Restaurant Schiff Unter der Egg. (Bild Nadia Schärli)

Das Hotel und Restaurant Schiff Unter der Egg. (Bild Nadia Schärli)

Sandra Monika Ziegler

Es läuft harzig mit der Sanierung von Hotel und Restaurant Schiff. Nachdem im August 2015 wegen fehlenden Baugesuchs ein Baustopp verhängt wurde, hat das Hotel die Baubewilligung inzwischen erhalten (Ausgabe vom 19. Mai). Die Bewilligung für die Umbauten im Restaurant steht aber noch aus. Die künftigen Gastgeber Silvia und Peter Wiesner-Joller vom benachbarten Vin­café La Barca und die Eigentümer, die Gebrüder Neufeld aus Zürich, warten täglich darauf. «Wir werden im ‹La Barca› immer wieder gefragt, wann wir das ‹Schiff› eröffnen. Doch der Ball liegt bei der Stadt, alles Geforderte wurde angepasst», erklärt Silvia Wiesner. Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche Stadt Luzern, bestätigt: «Die Baubewilligung sollte bis Mitte Juni da sein.» Die Eröffnung ist laut den Wiesners im Herbst vorgesehen.

Beteiligte müssen harmonieren

«Warum das so lange dauert, versteht niemand. Es scheint, als ob die Stadt ein Exempel gegenüber den Zürchern statuieren will», sagt Silvia Wiesner und fügt an: «Damit treffen sie aber uns und nicht die Neufelds, denn wir sind an der Front.» Dazu Markus Hofmann: «Die Verfahrensdauer wird nicht unwesentlich durch die Zusammensetzung der Beteiligten bestimmt. Je mehr sie harmonieren, desto schneller geht es.» Im aktuellen Fall scheint die Harmonie offensichtlich nicht gegeben. Für die Neufelds, die die Liegenschaft im Januar 2015 gekauft haben, ist ein solches Vorgehen ungewohnt. Auf die Frage, was denn jetzt noch alles fehle, sagt Neufeld: «Das weiss ich beim besten Willen nicht.» Neufeld erzählt vom langwierigen Weg bis zur Baubewilligung.

Da sie das Arkadegeschoss ebenfalls für einen Restaurationsbetrieb nutzen wollen, müssen die Türen im Parterre aus feuerpolizeilichen Gründen nach aussen – in Richtung Fluchtweg – aufgehen. Doch durch das Öffnen der Türe wird öffentlicher Grund benutzt, und das wiederum brauche eine separate Bewilligung. «Das würde doch in einem Schritt gehen», so Neufeld. Hofmann sagt dazu: «Wird eine Fluchttüre montiert, wird die Bewilligung zur Benutzung des öffentlichen Grundes zusammen mit der Baubewilligung erteilt.» Auch das Einreichen von Detailplänen der Inneneinrichtung verursacht bei den Zürcher Gastrounternehmern Stirnrunzeln. «Wir müssen klar einzeichnen, wo in der Küche welche Maschinen und wie und wo im Restaurant Tische und Stühle zu stehen kommen. Und welche Materialien verwendet werden», zählt Neufeld auf.

Machtkämpfe statt Sachkämpfe

«Das Restaurant Schiff ist in der Ortsbildschutzzone A und hat deshalb sowohl innen wie aussen spezielle Vorschriften. Es gilt, die historische Substanz zu erhalten», erklärt Hofmann das Vorgehen. Das Einzeichnen der Inneneinrichtung im Grundriss sei deshalb nötig, weil im Arkadengeschoss vorgängig kein Restaurant war. Das sei nötig, damit sichtbar ist, ob sie Einfluss auf den Grundriss und die Substanz hat. Für die obere Etage, in der bereits ein Restaurationsbetrieb war, wurde kein solcher Grundrissplan verlangt. Dem widerspricht Wiesner klar: «Wir mussten auch für den ersten Stock einen Detailplan einreichen.» Ein Insider, der namentlich nicht genannt werden will, sagt: «Das ist in Luzern nicht Usus.» Er vermutet, dass es längst nicht mehr um die Sache geht: «Hier werden offensichtlich Machtkämpfe ausgetragen. Der Behörde geht es doch darum, den Zürchern eins auszuwischen. Das ist gelebter Kantönligeist.»