LUZERN: Abfallverband macht Ernst: Karton wird liegen gelassen

Der Abfallverband nimmt ungebündelten Karton nicht mehr mit – mit Folgen für die Bürger und das Stadtbild.

Alexander von Däniken
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Nicht eingesammelter Karton – fotografiert gestern Nachmittag an der Dufourstrasse in Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Nicht eingesammelter Karton – fotografiert gestern Nachmittag an der Dufourstrasse in Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Es ist ein unschönes Bild, das sich derzeit an manchen Strassen in Stadt und Agglomeration Luzern präsentiert: Auf vielen Trottoirs türmen sich Kartonabfälle – obwohl die Abfuhr in gewissen Gebieten erst Ende letzter Woche erfolgt ist.

Der Grund: Seit Anfang März setzt der Gemeindeverband Real (Recycling, Entsorgung, Abwasser Luzern) das neue Güselregime in die Tat um – und nimmt nur noch gebündelten Karton mit. Schachteln und Papiersäcke mit Karton werden liegen gelassen und mit einem Aufkleber versehen, welcher die Verursacher auf den Fehler hinweist.

Strasseninspektor Bernhard Jurt, in der Stadt Luzern für die Abfallentsorgung im Auftrag von Real zuständig, regt sich auf: «Es stört, wenn der nicht gebündelte Karton auf den Trottoirs liegt – und teilweise vom Wind in alle Richtungen verstreut wird. Das gibt für die Tourismusstadt Luzern ein schlechtes Bild ab.» Wenn der Karton nicht eingesammelt werde, «sollte er wenigstens von den Verursachern wieder ins Haus gebracht werden». Rund 2300 Tonnen Karton werden pro Jahr in Luzern eingesammelt. «Die Belader leisten Schwerarbeit», sagt Jurt. «Da ist das Bündeln des Kantons nicht zu viel verlangt.»

Zustände wie in Neapel?

Herrschen in Luzern bald Zustände wie in Neapel? «Nein», sagt Real-Direktor Martin Zumstein. «Die Situation in Neapel ist eine ganz andere. Bei uns wird der Abfall eingesammelt, sofern er gemäss geltenden Regeln rausgestellt wird.» Wird der Karton wiederholt falsch bereitgestellt, kontaktiert Real oder das Strasseninspektorat die Hausverwaltung, um eine Lösung zu suchen. Nützt alles nichts, versucht Real, den Verursacher zu ermitteln, der dann für diesen Aufwand aufzukommen hat.

Per E-Mail und Abfall-Telefon seien zwar zahlreiche Reaktionen eingegangen, «aber deutlich weniger als Anfang dieses Jahres, als wir erstmals über die neuen Regeln informiert haben», sagt Zumstein und betont: «Einige Reaktionen sind durchaus positiv, dass wir das Ganze regeln. Generell ist das ein Zeichen, dass die Leute sich für die Abfallentsorgung engagieren, was uns freut.»

«Eine Schikaniererei»

Viele Luzernerinnen und Luzerner haben mit den Entsorgungsregeln indes ihre liebe Mühe. «Für mich ist das Ganze mehr oder weniger Schikaniere­rei», hat eine Frau aus Meggen am Samstag in einem Leserbrief in unserer Zeitung geschrieben. Die Entrüstung beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Kartonabfuhren. Ein Leser vermisst die Grüngut-Sammelstelle im Weggiser Röhrliquartier, welche Real geschlossen hat. Weil das Grüngut auf Nebenstrassen nicht abgeholt werde, «wird nun von uns Bürgern erwartet, eine Grüngut-Tonne rund 300 Meter bergauf zur nächsten Hauptstrasse zu ziehen». Dabei finde es Real anscheinend akzeptabel, «dass sich manche Anwohner, im Kofferraum ihres Autos sitzend und die Grüngut-Tonne haltend, zur Hauptstrasse fahren lassen».

Dazu sagt Zumstein, dass die Güselwagen manche engen und abschüssigen Nebenstrassen nicht befahren könnten, «was in der Regel auch für die normalen Kehrichttouren gilt». Die Sammelstelle sei geschlossen worden, weil eine Grüngut-Holsammlung eingeführt worden sei.

Bald Entsorgungscoupons?

Eine Frau aus Ebikon ärgert sich unserer Zeitung gegenüber über die Gebühren, welche bei der Entsorgung von noch so kleinen Gegenständen im Ökihof anfallen: «Es wird gewogen und kostet immer den Mindestpreis von 3 Franken für 10 Kilogramm.» Sie schlägt deshalb vor, dass Real pro Jahr Entsorgungscoupons in die Haushalte schickt. Mit den Coupons kann eine bestimmte Menge Abfall kostenlos in den Ökihöfen entsorgt werden.

Zumstein hat bereits klargemacht, dass man in den Ökihöfen bei kleinen Mengen kulant sein werde: «Aber wir werden den Vorschlag der Entsorgungscoupons prüfen.»

«Ein Anruf reicht»

Weiter weist Zumstein darauf hin, dass es in Ausnahmefällen auch vorkomme, «dass aus technischen oder menschlichen Gründen an einzelnen Orten oder sogar Strassen der Abfall nicht mitgenommen wird». Allerdings reiche dann ein Anruf aufs Abfall-Telefon, «und wir kümmern uns darum». Abgesehen davon erwartet Zumstein, dass sich die Umstellung nach einer gewissen Zeit einspielen wird, «wie in Zürich, Bern oder Basel».