LUZERN: Abschied von Hans Erni

Ein Kommentar von Kurt Beck zum Abschied von Hans Erni.

Drucken
Teilen
Hans Erni an seinem 106. Geburtstag in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Hans Erni an seinem 106. Geburtstag in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Pius Amrein)

Ein Jahrhundertkünstler ist tot. Hans Erni ist am Samstag, exakt einen Monat nach seinem 106. Geburtstag, gestorben. Hans Erni verdient die Auszeichnung Jahrhundertkünstler nicht allein ­wegen seiner erstaunlichen Langlebigkeit. Hans Erni war ein Künstler, der von einem ganzen Jahrhundert geprägt war. Künstlerisch und menschlich. Kriege, Nazi-Gräuel, aber auch technischer Fortschritt, wissenschaftliche Errungenschaften haben sein Denken und sein künstlerisches Schaffen beeinflusst.

Er hat seinerseits mit seiner Kunst Menschen eines ganzen Jahrhunderts erfreut, berührt und bewegt. Er hat sich verlauten lassen und Stellung bezogen mit künstlerischen Mitteln, mit Plakaten, Wandbildern, Briefmarken, Zeichnungen, Gemälden und einer Vielzahl von grafischen Blättern. Dabei hat er nicht nur ein exklusives Publikum angesprochen, sondern auch Menschen erreicht, die mit zeitgenössischer Kunst wenig vertraut waren.

Hans Erni war ein populärer Künstler, der es verstanden hat, sein Engagement und seine künstlerischen Inhalte einem breiten, internationalen Publikum verständlich zu machen, ohne volkstümelnd oder trivial zu sein. Seine Kunst hat etwas Elegantes, strahlt Dynamik und schwungvolle Energie aus. Hans Erni hat im Verlauf seines künstlerischen Lebens zu einer eigenen, unverkennbaren Bildsprache gefunden und einen persönlichen Stil zwischen Abstraktion und Figuration entwickelt, der es ihm erlaubt hat, auch komplexe, philosophische und soziale Inhalte in zugängliche Bilder umzusetzen. Dass es ihm in seiner Kunst nicht bloss um ästhetische Effekte ging, machen seine Plakate deutlich, die Atomkrieg und ökologische Desaster auf sehr drastische Art visualisierten.

Hans Erni konnte sich zwar an den schönen Seiten des Lebens, der Natur, des Sports erfreuen und diese in heiteren Bildern festhalten, aber er war alles andere als ein Schönfärber. Als bildender Künstler hat er sich selbstverständlich intensiv mit formalen Fragen auseinandersetzen müssen und immer wieder um die richtige Form gerungen, doch im Grunde ging es ihm stets um die Botschaft seiner Werke, um das Verlangen, etwas Wesentliches zum Ausdruck zu bringen. Dieses Ringen hat sein Werk bis zum Schluss geprägt.

Hans Erni war ein höchst erfolgreicher Künstler, der von seiner Kunst nicht nur gut leben, sondern auch ein eigenes Museum bauen konnte. Der Erfolg ist ihm allerdings nicht in den Schoss gefallen. Der Künstler, der als Dreissigjähriger den nationalen Durchbruch schaffte, wurde als Kommunist boykottiert und als Landesverräter diffamiert. Trotzdem hat sich Hans Erni durchgesetzt, erst in den USA, später auch hierzulande. Sein unermüdlicher Arbeitseifer hat ihm dabei geholfen, sich als bedeutender Schweizer Künstler zu etablieren. Ebenso wichtig ist die Menschlichkeit, die er mit seiner Kunst verbunden hat. Darin liegt die unvergessliche Grösse des Künstlers Hans Erni.

Kurt Beck

2015: Der Künstler Hans Erni anlässlich des Interviews hinsichtlich seines 106.Geburtstags in seinem Atelier bei sich zu Hause. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
38 Bilder
2015: Der Künstler Hans Erni wurde 106 Jahre alt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
2014: Der Künstler Hans Erni zeichnete bis zum Schluss. So auch in dieser Aufnahme vom 16. Dezember 2014 in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
2014: Der Künstler Hans Erni am 16. Dezember 2014 in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
2014: Der Künstler Hans Erni am 16. Dezember 2014 in seinem Atelier. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
2013: Der Minotaurus ist eine Figur im Skulpturengarten des Hans Erni Museums welches sich im Gelände des Verkehrshauses der Schweiz in Luzern befindet. (Bild: Keystone)
2012: Hans Erni bei der Einweihung des neuen Biotops mit Skulpturengarten beim Hans Erni Museum sowie Gartenbahn mit neuem Bahnhof und Rollstuhlwagon am Freitag, 15. Juni 2012, im Verkehrshaus der Schweiz. (Bild: Keystone)
2011: Der Luzerner Künstler Hans Erni in einer Aufnahme aus dem Jahr 2011. (Bild: Keystone)
2011: Hans Erni präsentiert das Sujet der neuen Bisquit Dose am Dienstag, 14. Juni 2011 in Luzern. Zum 100-jährigen Bestehen der Krebsliga Schweiz hat Wernli 2010 zusammen mit dem Schweizer Kuenstler Hans Erni eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Wernli übergab den Scheck an die Krebsliga. (Bild: Keystone)
2010: Hans Erni und seine Frau Doris posieren mit dem Geschenk, einem russischen Samowar, vor dem im Jahr 1944 stark kritisierten politischen Plakat von Erni, nachdem dieser von der Gesellschaft Schweiz - Russland für seine Verdienste zur Völkerverständigung geehrt wurde. (Bild: Keystone)
2009: Hans Erni posiert mit einem Modell einer von ihm gestalteten Goldmünze zum 100 Jahr Jubiläum der Pro Patria im Jahr 2009 in Bern. (Bild: Keystone)
2009: Doris und Hans Erni posieren für die Fotografen anlässlich der Verleihung der Swiss Awards im Hallenstadion in Zürich. Hans Erni wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet und gewann den «LifetimeAward». (Bild: Keystone)
2009: Die Brille des Künstlers Hans Erni liegt vor ihm auf einem Tisch, während einer Führung durch seine Ausstellung "Retrospektive zum 100. Geburtstag", am Freitag, 22. Mai 2009 im Kunstmuseum Luzern. (Bild: Keystone)
2009: Hans Erni und seine Ehefrau Doris führen die Medien durch seine Ausstellung "Retrospektive zum 100. Geburtstag" im Kunstmuseum Luzern. (Bild: Keystone)
2009: Das Wandbild, das Hans Erni vor dem Palais des Nations der UNO in Genf realisiert hat am 6. Juni 2009. (Bild: Keystone)
2004: Der Luzerner Künstler Hans Erni, während eines Mediengesprächs am Mittwoch, 18. Februar 2004 im Hans Erni Museum von Luzern. (Bild: Keystone)
2004: Hans Erni in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Keystone)
2004: Hans Erni in seinem Atelier in Luzern. (Bild: Keystone)
1997: Beni Thurnheer im Gespräch mit Hans Erni in der 25. Benissimo-Sendung im Schweizer Fernsehen, aufgenommen am 5. April 1997. (Bild: Keystone)
Wandbild von Hans Erni vor dem UNO-Gebäude in Genf. (Bild: Leserbild Willy Birrer)
1994: Portrait von Hans Erni, Schweizer Kunstmaler, aufgenommen im Februar 1994. (Bild: Keystone / Str)
1990: Der Schweizer Kunstmaler Hans Erni schneidet am 6. März 1990 im kleinsten Rebberg der Welt ob Saillon den ersten Rebstock des Jahres ab. (Bild: Keystone / Str)
1987: Der Schweizer Kunstmaler Hans Erni malt an einem seiner Werke. (Bild: Keystone / Str)
1989: Das monumentale Wandgemälde der Landesausstellung 1939, "Die Schweiz, das Ferienland der Völker" von Hans Erni wird 1989 im Freien ausgestellt. (Bild: Keystone / Str)
1986: Das Abstimmungsplakat "Raus aus der Nussschale" des Luzerner Kunstmalers Hans Erni, welches fuer einen UNO-Beitritt der Schweiz wirbt, hängt an einer Plakatwand. (Bild: Keystone / Str)
1982: Hans Erni orientiert am 28. Oktober 1982 in Neuenburg, Schweiz, über den Fortgang der Renovationsarbeiten an einem Freskogemälde an der Nordfassade des Völkerkundemuseums, das Erni 28 Jahre zuvor gemalt hat. (Bild: Keystone / Str)
1982: Der Schweizer Künstler Hans Erni arbeitet am 14. September 1982 an einem Gipsmodell für den Erinnerungstaler an das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 1983 in Langenthal, Bern. (Bild: Keystone / Str)
1972: Hans Erni päesentiert auf dem Bellevue in Zürich eine Ausstellung von 24 seiner Plakate, eines davon mit einem Selbstportrait. (Bild: Keystone / Str)
1969: Der Schweizer Künstler Hans Erni, aufgenommen im Februar 1969 in Meggen. (Bild: Keystone/STR)
1964: Hans Erni, links, am Tag der offiziellen Eröffnung des Sektors 'Waren und Werte' in der Abteilung Büroorganisation, wo Erni ein grosses Wandbild präsentiert, an der Landesausstellung Expo 64 in Lausanne, aufgenommen am 21. Mai 1964. Dr. Felix Wulkan (Mitte) zeichnete für den Auftrag an Hans Erni für sein Wandgemälde an der Expo 64 mitverantwortlich. (Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Bruell)
1939: Ausschnitt aus Hans Ernis Wandbild «Die Schweiz, das Ferienland der Völker» an der Schweizerischen Landesausstellung am 10. Oktober 1939 in Zürich. (Bild: Keystone/Photopress-Archiv)
2014: Eine Zuschauerin betrachtet das Werk "5 Pferde, 1968", in der Hans-Erni-Ausstellung in der Casa Rusca in Locarno. Die Stadt Locarno präsentierte vom 5. April bis 17. August 2014 eine Einzelausstellung über den Schweizer Künstler Hans Erni. (Bild: Keystone)
2014: Kurator Rudy Chiappini posiert neben dem Werk "Saubere Energie, 1999", in der Hans-Erni-Ausstellung in der Casa Rusca in Locarno. (Bild: Keystone)
2014: Eine Zuschauerin betrachtet das Werk "Tiger mit Holzsammlerin,1973", in der Hans-Erni-Ausstellung in der Casa Rusca in Locarno. (Bild: Keystone)
2014: Kurator Rudy Chiappini posiert neben dem Werk "Poema Nucleare, 1958", in der Hans-Erni-Ausstellung in der Casa Rusca in Locarno. Die Stadt Locarno präsentierte vom 5. April bis 17. August 2014 eine Einzelausstellung über den Schweizer Künstler Hans Erni. (Bild: Keystone)
2015: Eine der letzten Aufnahmen des Luzerner Künstlers Hans Erni anlässlich seines 106. Geburtstages im Februar diesen Jahres. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
2015: Aufnahme vom Februar. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
2015: Hans Erni im Februar. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

2015: Der Künstler Hans Erni anlässlich des Interviews hinsichtlich seines 106.Geburtstags in seinem Atelier bei sich zu Hause. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)