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Abwasser: Mit der Aufrüstung wird im Kanton Luzern zugewartet

Um die Gewässer von kleinsten Verunreinigungen zu befreien, müssen sich Luzerner Kläranlagen verbessern. Die Experten sind sich jedoch uneins, welche Methode am geeignetsten ist.
Roseline Troxler
Die Kläranlage Buholz in Emmen muss eine neue Filtrationsanlage bauen. (Bild: Manuela Jans-Koch, 7. März 2014)

Die Kläranlage Buholz in Emmen muss eine neue Filtrationsanlage bauen. (Bild: Manuela Jans-Koch, 7. März 2014)

Immer mehr Medikamentenrückstände, Hormone oder Biozide gelangen in hiesige Gewässer. Das Problem: Gegen diese Art der Verunreinigung sind heutige Kläranlagen machtlos. Denn diese Stoffe sind gegen die Bakterien der Kläranlagen resistent. Das soll sich ändern. Der Bund will schweizweit rund 100 Kläranlagen aufrüsten.

Seit Anfang 2016 ist eine Vorschrift in Kraft, dass gewisse ­Abwasserreinigungsanlagen eine weitere Reinigungsstufe für solche Mikroverunreinigungen einführen müssen. Dies betrifft vor allem die grösseren Anlagen.

Zwei Anlagen müssen bis 2025 handeln

Im Kanton Luzern sind drei Abwasserreinigungsanlagen betroffen: die ARA Emmen, die ARA Surental in Triengen und die ARA Hochdorf. Pascal Caluori, Teamleiter Abwasser bei der Dienststelle Umwelt und Energie, erklärt das Zeitkonzept des Kantons: «Die beiden Anlagen mit den meisten angeschlossenen Einwohnern haben die grösste Priorität und müssen bis ins Jahr 2025 handeln.» Es sind dies die ARA Emmen und Surental. «Diese Anlagen machen über 60 Prozent der angeschlossenen Einwohner im Kanton Luzern aus», sagt Caluori. Ausserdem beträgt der Anteil des gereinigten Abwassers von der ARA Surental in der Sure über 10 Prozent. Caluori rechnet für die Aufrüstung mit Investitionskosten von 25 bis 50 Millionen Franken für die zwei Anlagen.

Martin Zumstein ist Direktor beim Gemeindeverband Real (Recycling Entsorgung Abwasser Luzern), der auch für die Abwasserreinigungsanlage Buholz in Emmen zuständig ist. Er sagt zum Zeitplan: «2019 beginnen wir mit der Planung der neuen Reinigungsstufe.» Die Grösse der Anlage ist laut Zumstein abhängig davon, ob sich bis 2030 weitere Nachbaranlagen der ARA Real anschliessen. Laut Zumstein laufen dazu Gespräche. Nähere Angaben will er derzeit nicht machen.

«Die zusätzliche Reinigungsstufe soll in den Jahren 2021 und 2022 realisiert werden.» Bis ­dahin hofft Zumstein noch auf eine Weiterentwicklung der Verfahren. Denn er betont: «Bei den Ingenieurbüros wird das notwendige Wissen über die verschiedenen Verfahren zurzeit erst aufgebaut.» Zumstein schätzt die Kosten für die zusätzliche Reinigungsstufe auf rund 20 Millionen Franken. Zumstein rechnet künftig «nicht unbedingt» mit einer Gebührenerhöhung: «Die Kosten für den Betrieb sind zirka gleich gross wie für die Abgabe, welche nach der Inbetriebnahme entfällt.»

Der Bund übernimmt jeweils drei Viertel der Kosten für die Aufrüstung der Anlagen. Bezahlt werden diese allerdings über ­einen Fonds. Jedem Einwohner werden bis ins Jahr 2035 zusätzliche Kosten von 9 Franken pro Jahr aufgebrummt. Damit wird der Fonds geäufnet. «Sobald eine Anlage aufgerüstet hat», werden die angeschlossenen Einwohner um diesen Beitrag entlastet», sagt Caluori. Er erwartet allerdings, dass die Betriebskosten durch die zusätzliche Reinigungsstufe steigen. «Die Kosten erhöhen sich jährlich um 7 bis 27 Franken – abhängig vom Verfahren und der Grösse der Abwasser­reinigungsanlage», führt er aus. Es handle sich dabei um Schätzungen des Bundes.

«Die Fachleute sind sich noch uneins»

Die ARA Surental, die ebenfalls aufrüsten muss, wartet noch ab. Präsident Walter Bucher sagt: «Die Fachleute sind sich noch uneins darüber, welche Methode am sinnvollsten ist. Deshalb sind wir noch nicht zu sofortigem Handeln gezwungen.» Derzeit gibt es zwei Verfahren, um Mikroverunreinigungen zu beseitigen. Entweder geschieht dies mit gasförmigem Ozon oder mit Aktivkohle. «Die Abklärungen werden uns aufzeigen, welche Variante für unsere Anlage am sinnvollsten ist», sagt Bucher. Da bereits Entwürfe vorliegen würden, könnte eine Umsetzung laut Bucher rasch erfolgen, sobald ein Entscheid vorliegt.

Mit der ARA Hochdorf muss eine weitere Anlage nachrüsten. Denn diese liegt im Einzugsgebiet des Baldeggersees. Die ARA Hochdorf ist im Moment mit Sanierungsarbeiten beschäftigt. «Eine Aufrüstung ist für uns im aktuellen Ausbau noch zu früh», sagt deren Leiter Kurt Bürkli. Die Arbeiten sind Mitte 2018 abgeschlossen, wie er ausführt. Doch untätig bleibt man nicht. «Wir prüfen einen Zusammenschluss mit vier Anlagen im Seetal bis nach Lenzburg.» Diese Analyse dürfte laut Bürkli aber noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Künftig könnte eine dieser Anlagen auch das Abwasser aus dem Seetal reinigen – inklusive Mikroverunreinigungen.

«Bund steht hinter den festgelegten Prioritäten»

Das Bundesamt für Umwelt hat laut Caluori das vom Kanton Luzern gewählt Konzept zur Elimination der Mikroverunreinigungen geprüft. «Es steht hinter den festgelegten Prioritäten und der gewählten Vorgehensweise.»

Noch offen ist hingegen, ob die ARA Oberes Wiggertal in Reiden zur Elimination von Mikroverunreinigungen verpflichtet wird. Die Anlage befindet sich in einem ökologisch sensiblen Gebiet und an einem für die Trinkwasserversorgung wichtigen Gewässer. «Dieses Kriterium ist noch nicht in Kraft. Die genaue Formulierung sowie die Umsetzung sind noch unsicher», erklärt Pascal Caluori.

In der Aargauer Gemeinde Reinach wird das Abwasser schon seit September von Mikroverunreinigungen befreit. Dies geschieht mithilfe von Ozon. «Es handelt sich um die schweizweit zweite derartige Anlage», sagt Joe Eugster, Präsident des Abwasserverbands Oberwynental AOW. Bei der Pionieranlage wird auch das Abwasser der Gemeinden Beromünster und Rickenbach gereinigt.

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