LUZERN: «Ältere Generation ist aktiver als je zuvor»

Medizin im Alter – darüber referierten an einem Forum mehrere Ärzte. Vorgestellt wurden neuste Behandlungsmethoden – und Statistiken zeigten Überraschendes auf.

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«Der Mensch ist alt, wenn die Geburtstagskerzen teurer werden als der Geburtstagskuchen selbst, also etwa mit 140», mit diesen Worten eröffnete François Höpflinger aus Horgen ein Forum zum Thema Medizin im Alter. Dieses hat gestern Nachmittag im Kurhotel Sonnmatt in der Stadt Luzern stattgefunden. François Höpflinger ist Ehrenmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Gerontologie und befasst sich unter anderem mit der Forschung von Generationenbeziehungen und Generationenverhältnissen sowie der Pflege im Alter.

Der St. Galler Hans Groth, der durch den Vortragsnachmittag führte, sensibilisierte die gut 100 Zuhörer zu Beginn mit einer Aussage des englischen Universalgelehrten Thomas Hobbes für das Thema. Hobbes hatte sich im Jahre 1651 im Alter von 54 Jahren mit einer für die damalige Zeit typischen Aussage zum Thema Leben geäussert: «Das Leben ist arm, unangenehm, brutal und kurz».

Lebenserwartung hat sich drastisch verändert

Dass sich das Leben und die Lebenserwartung seither drastisch geändert hat, machte François Höpflinger mit seinen Ausführungen deutlich. «Heutzutage werden die Menschen ab 65 zur Altersbevölkerung gezählt, was allerdings völlig veraltet ist, denn diese Aussage stammt aus dem Reichbevölkerungsgesetz aus dem Jahre 1912», so Höpflinger. In seinem Vortrag ging der Professor vor allem darauf ein, dass das biologische Alter meist nicht mit dem gefühlten Alter übereinstimmt.

Hierzu legte Höpflinger zahlreiche Statistiken vor, wie beispielsweise das Onlineverhalten der Senioren und Seniorinnen. Heutzutage seien 81 Prozent der 50- bis 64-Jährigen online aktiv, bei den 65- bis 74-Jährigen seien es immer noch 62 Prozent. Ausserdem seien die älteren Menschen in der Schweiz nebst den Dänen die zufriedensten.

Auch das Konsumverhalten der älteren Generation wurde untersucht und verglichen. Die Schweizer finden unter anderem 2 bis 3 Deziliter Wein pro Tag normal, die Franzosen hingegen geniessen einen Liter Wein täglich. «Wir befinden uns in einem Strukturwandel, der sensationell ist. Die neue Generation ist aktiver im Alter als alle anderen zuvor», mit diesen Worten brachte Höpflinger sein Vortragsthema auf den Punkt.

Kleiner Aufwand, grosse Wirkung

Verena Briner, ehemalige Chefärztin des Luzerner Kantonsspitals, befasste sich in ihrer Rede mit der Gesundheit der älteren Menschen. Ihr ging es vor allem darum, die ältere Generation über Krankheiten und Heilungsmöglichkeiten zu informieren. «Mit kleinem Aufwand und einfachen Mitteln erreicht man oft gute Resultate», sagte die Ärztin. Sie informierte die Anwesenden auch über Stürze bei den über 65-Jährigen.

Erstaunt nahm das Publikum zur Kenntnis, dass einer von drei der über 65-Jährigen mindestens einmal pro Jahr stürzt. Dies könne schwerwiegende Folgen, wie beispielsweise eine Schenkelhalsfraktur, nach sich ziehen, führte Briner aus. Deshalb verwies sie auf die Wichtigkeit der Bewegung im Alter. «Sei es nun Altersturnen, spazieren oder den Hund Gassi führen, Bewegung hält uns fit», so Briner. Auch Tanzen reduziere das Risiko einer Fraktur.

Ihre Schlussfolgerung, körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung, Mundhygiene und Disziplin unterstrich sie mit einem Zitat von Hypokrates: «Wenn wir jedem Individuum das richtige Mass an Nahrung und Bewegung zukommen lassen könnten, hätten wir den sichersten Weg zur Gesundheit gefunden.»

Elektroden gegen Parkinson

Als letzter referierte Johannes Brettschneider, Chefarzt Reha-Klinik Sonnmatt Luzern, zum Thema Hightech in der Medizin. Dabei befasste er sich mit der Krankheit Parkinson. Er verglich die Behandlungsmethoden bei der Parkinson Krankheit. Einerseits die übliche Methode mit Medikamenten und andererseits die neue Möglichkeit mit der Einpflanzung eines Chips ins Gehirn. Eindrücklich führte er den Besuchern Videos mit Beispielen von Betroffenen vor. Er liess es allerdings nicht ausser Acht, die Leute zum Schluss des Vortragsnachmittags über die Nachteile von beiden Methoden zu informieren.

 

Astrid Longariello

stadt@luzernerzeitung.ch