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LUZERN: Ärger mit dem Ex-Grossrat

Einst zählte er zu den angesehenen Politikern des Kantons. Heute liegen ihm viele Gläubiger im Nacken. Ein ehemaliger Grossrat kämpft ums wirtschaftliche Überleben.
Thomas Heer
Ab den 90er Jahren sass der Betroffene über 12 Jahre im Kantonsparlament. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Ab den 90er Jahren sass der Betroffene über 12 Jahre im Kantonsparlament. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Thomas Heer

Ab den 1990er-Jahren sass der Luzerner während 12 Jahren für die CVP im Grossrat, wie der Kantonsrat damals noch hiess. Schon zu jener Zeit war er ein Mann der Tat, einer, der Probleme erkannte, aber auch nicht ganz koschere Lösungen zu rechtfertigen versuchte. Unvergessen bleibt in diesem Zusammenhang sein Auftritt als Mitglied einer Interessen­gemeinschaft (IG). Dabei ging es um das Verbrennen einer grossen Menge Altholz. IG-Angehörige fackelten das Material mir nichts dir nichts einfach unter freiem Himmel ab. Bereits 1994 aber hätte dieses Material in einer mit Filteranlagen ausgerüsteten Anlage verbrannt werden müssen. Das Ganze hatte ein strafrechtliches Nachspiel. Das hinderte den Grossrat aber nicht daran, sich schützend vor seine IG-Kumpel zu stellen. Gegenüber einem Journalisten erklärte er denn auch: Er fände es – ob nun legal oder nicht – auch heute noch die vernünftigste Lösung. Die kleine Episode mag gewisse Charaktereigenschaften aufgezeigt haben. Einerseits bewies der Mann Standfestigkeit, andererseits fällt auf, wie eigenwillig er Gesetze interpretiert.

Probleme in Bern und im Thurgau

Diese Charaktereigenschaften mögen auch dazu geführt haben, dass sich der ehemalige Politiker heute wirtschaftlich in einer sehr delikaten Lage befindet. Ihn drücken nämlich Schulden von rund 450 000 Franken, wie er gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag» erklärte. Er betreibt seit knapp zwei Jahren einen Reithof im Kanton Thurgau. Die nötigen Investitionen konnte er aber nicht allein aus eigener Kraft stemmen. So kontaktierte er Bekannte und schwatzte ihnen teils ziemlich hohe Geldbeträge ab.

Beat Schnell, leitender Staatsanwalt des Kantons Bern, Abteilung Wirtschaftsdelikte, bestätigt auf Anfrage: «Die mutmassliche Deliktsumme beträgt zurzeit zirka 1,3 Millionen Franken.» Darauf angesprochen, sagt der ehemalige Grossrat: «Das meiste davon habe ich bereits zurückbezahlt.»

Doch auch im Kanton Thurgau sitzen ihm zahlreiche Gläubiger im Nacken. Einer davon ist Peter Truog. Dieser sagt: «Mir schuldet er noch 9500 Franken. Bislang habe ich nur einen Verlustschein gekriegt.» Truog liegt auch ein Betreibungsregisterauszug vor. Demnach drücken den Luzerner Schulden in der Höhe von knapp über 1 Million Franken. Der alt Grossrat sagt: «Auch davon habe ich das meiste zurückbezahlt.»

Ein weiterer Gläubiger heisst Urs-Alexander Späti. Dieser sagt: «Ich kontaktiere ihn oft. Jeden Tag hat er wieder eine andere Ausrede.» Einen Teil seines Darlehens hat Späti mittlerweile erhalten. Knapp 20 000 Franken seien aber immer noch ausstehend.

Gegenüber dem «Blick» machte Späti folgende Aussage: «Er», also der Luzerner Ex-Politiker, «sagte, er brauche Geld für den Reitstall. Er versprach hohe Zinsen und erklärte, dass er viel Geld aus dem Erbe seines Vaters bekommen werde. Der habe ein Kieswerk besessen und sei verstorben.»

Wahr ist, dass dem Vater eine Liegenschaft gehörte, auf der sich ein ansehnliches Kiesvorkommen findet. Das Material wurde eine Zeit lang auch tatsächlich von einem dafür spezialisierten Unternehmen abgebaut. Zurzeit läuft auf dem Grundstück aber nichts, denn durch den Verkauf der Liegenschaft hat sich ein zweiter Kiesunternehmer das Recht für den Abbau gesichert. Nun sind es also zwei Firmen, die sich den Rohstoff auf der ehemaligen Liegenschaft der Familie gesichert haben.

Hoffen auf bessere Zeiten

Aber leider können es die beiden Unternehmer nicht so gut miteinander und blockieren sich gegenseitig. Ein Insider geht davon aus, dass es noch Jahre dauern wird, bis auf dem Areal wieder die Bagger auffahren. Das heisst auch: Der Ex-Politiker und seine nächsten Verwandten werden in absehbarer Zeit kein Einkommen aus dem Kiesgeschäft generieren können.

Der Schuldgeplagte konzentriert sich derzeit voll auf seinen Reitstall. Er sagt: «Ich arbeite Tag und Nacht und bin überzeugt, dass ich sämtliche Ausstände begleichen kann.» Vor allem seine Gläubiger hoffen inständig, dass ihm dieses Vorhaben gelingen wird.

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