Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LUZERN: AHV-Rentner als Puffbetreiber

Ein Pensionär will an der Baselstrasse ins Sexgewerbe einsteigen. Das sorgt für Unmut im Quartier.
Thomas Heer
An der Baselstrasse 56 würde sich statt mit Laden und Take-away auch mit anderem Gewerbe gut Geld verdienen lassen, ist der Rentner überzeugt. (Symbolbild / Keystone)

An der Baselstrasse 56 würde sich statt mit Laden und Take-away auch mit anderem Gewerbe gut Geld verdienen lassen, ist der Rentner überzeugt. (Symbolbild / Keystone)

Thomas Heer

Jahr für Jahr werden in der Schweiz durch käufliche Liebe etwa drei Milliarden Franken umgesetzt. Das Sexgewerbe verspricht hohe Renditen. Diese Chance will sich manch einer nicht entgehen lassen. Offensichtlich auch Oronzo Semeraro nicht, der in seiner Liegenschaft an der Baselstrasse 56 in der Stadt Luzern den Laden und den Take-away im Parterre des Hauses fürs Sexgewerbe umnutzen will.

Stadt prüft derzeit das Gesuch

Dies jedenfalls geht aus einem Gesuch hervor, das derzeit bei der Stadt zur Prüfung vorliegt. Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche bei der Stadt Luzern, sagt: «Wir prüfen die baurechtlichen Bestimmungen und ob das Gesuch zonenkonform ist.»

Im erwähnten Laden arbeitete bis vor wenigen Jahren die Coiffeuse Arlete Hafner. Sie sagt: «Als Oronzo Semeraro die Liegenschaft Ende 2009 kaufte, wollte er mehr Mietzins.» Hafner stieg auf diesen Deal nicht ein. Sie erinnert sich, der Vermieter habe gesagt: «Dann mache ich halt ein Puff daraus.»

Aus dem Lokal gewiesen

Oronzo Semeraro, ein gelernter Radio- und Fernsehelektriker, der heute Anspruch auf eine AHV-Rente hat, setzte seine Pläne in die Tat um, wie mehrere Augenzeugen gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag» bestätigen.

Ein Mann, der aus beruflichen Gründen Semeraros Etablissement besuchte, schreibt: «Es waren vier Frauen aus Ungarn, die billige Ost-Zigaretten rauchend und auf einem Bett warteten.» Der Augenzeuge sandte zudem ein Foto. Darauf ist ein handgeschriebenes Werbeplakat zu sehen. Darauf ist zu lesen: Lokal «zu vermieten», unter anderem «Massage, auch Erotik». Als Kontakt ist die 041er-Telefonnummer von Oronzo Semeraro aufgeführt. Mit dem Puff-­Betreiber kam Conny Baumgartner in direkten Kontakt. Sie führt vis-à-vis vom Haus an der Baselstrasse 56 eine Kontaktbar. Sie erinnert sich: «Oronzo Semeraro kam mehrmals zu mir rüber und versuchte, Frauen abzuwerben. Schliesslich blieb mir nichts anderes übrig, als ihn aus dem Lokal zu weisen.» Baumgartner erinnert daran: «Es ist nicht einfach in diesem Business.» Will heissen: Ohne die entsprechenden Beziehungen kann es schwierig werden, als «Puffier» eine gewisse Flughöhe zu erreichen.

Ein grosses Ärgernis für Anwohner

Während eines Telefongesprächs dementierte Semeraro sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Er sagt dann auch, er wisse noch gar nicht, ob er künftig tatsächlich im Sexbusiness tätig sein wolle. Fragt sich dann nur, weshalb er bei der Stadt ein entsprechendes Gesuch eingereicht hat? Semeraro zeigt sich im Übrigen wenig gesprächsbereit. Er verlangt schriftliche Korrespondenz, aber nicht via Mail – er hat angeblich keine entsprechende Adresse –, sondern besteht auf einen Briefwechsel.

Zurzeit ruht das horizontale Gewerbe in Semeraros Liegenschaft. In der Nachbarschaft hofft man, dass das noch lange so bleiben wird. Bereits ist eine Einsprache gegen das Rotlichtprojekt bei der Stadt eingegangen.

Thomas Glatthard ist Geschäftsführer des Vereins Basel-/Bernstrasse (BaBel), der die nachhaltige Entwicklung des Quartiers fördern will. Zu Semeraros Vorhaben sagt er: «Das ist nicht erwünscht. Wir wollen, dass sich Restaurants, Läden oder Kulturbetriebe bei uns ansiedeln.»

Und BaBel-Präsident Guerino Riva sagt: «Wir brauchen nicht mehr Rotlicht-Betriebe im Quartier.» Riva spricht in diesem Zusammenhang von einer «Seuche» und weist darauf hin, dass der Verein leider keine rechtlichen Einsprachemöglichkeiten hat.

Auch Urs Häner, Co-Präsident des Vereins Sentitreff, findet deutliche Worte: «Das angesprochene Vorhaben entspricht überhaupt nicht unserer Zielsetzung einer Branchenvielfalt.» Und Josef Moser, Präsident des Quartiervereins Wächter am Gütsch, hält Semeraros Pläne schlichtweg für «ärgerlich.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.