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LUZERN: Alle Parteien wollen mehr Frauen

Frauen sollen mehr politische Ämter übernehmen. Dieses Ziel setzen sich Frauen aus allen sechs im Kantonsrat vertretenen Parteien – obwohl Luzern bereits spitze ist.
Gabriela Jordan und Roseline Troxler
Ohne Diskussion hat der Luzerner Kantonsrat am Montag beschlossen, dass Gemeinden bei Budgets transparenter sein müssen. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Ohne Diskussion hat der Luzerner Kantonsrat am Montag beschlossen, dass Gemeinden bei Budgets transparenter sein müssen. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Gabriela Jordan und Roseline Troxler

151. So viele Frauen haben für ein Amt bei den vergangenen Gemeinderatswahlen im Kanton Luzern kandidiert. Männliche Kandidaten gab es mit 299 fast doppelt so viele. Eine neue Arbeitsgruppe hat sich nun zum Ziel gesetzt, dieses Ungleichgewicht zu verbessern: «Frauen Luzern – Politik» will den Frauenanteil der Kandidatinnen bei den kantonalen und nationalen Wahlen 2019 sowie bei den kommunalen Wahlen 2020 erhöhen oder zumindest halten.

Dazu hat die Gruppe – bestehend aus sechs Frauen der Parteien CVP, Grüne, Grünliberale, FDP, SP und SVP – zunächst die Luzerner Kommunalwahlen vom vergangenen Frühling unter die Lupe genommen. Fazit: Der Frauenanteil liegt bei rund einem Drittel. So wurden 130 Frauen in die Exekutiven der Gemeinden gewählt. Vier Gemeinden verbleiben ohne eine Frau in der Exekutive: Horw, Neuenkirch, Pfaffnau und Udligenswil. Nur in acht Gemeinderäten machen Frauen mehr als die Hälfte aus (siehe Grafik). «Es hat uns erstaunt, dass nicht mehr Frauen in den Gemeinderäten vertreten sind», sagt Claudia Bernasconi, Gemeindepräsidentin von Greppen und CVP-Kantonsrätin.

Frauenquote als Ziel?

Als Grund für den tiefen Frauenanteil vermutet Bernasconi dies: «Viele Frauen haben Respekt vor der Politik. Sie trauen sich weniger zu.» Diese Bedenken vor einem politischen Amt wollen die Luzerner Parteien den Frauen nehmen. Bernasconi unterstreicht aber: «Wir wollen keine Quote.» Deshalb nenne die Gruppe auch keine Zahlen. Ihnen sei es wichtiger, dass mehr Frauen in der Politik aktiv würden. Bernasconi: «Es muss nicht zwingend der Gemeinderat sein. Frauen können sich auch in Kommissionen engagieren.»

Wie wollen die sechs Frauen ihr Ziel denn erreichen? Das Projekt steht noch in den Startlöchern, doch klar ist bisher: Es wird jährlich zwei Anlässe geben. Im Wahljahr werde es vermutlich noch ein drittes und viertes Treffen geben, so Bernasconi. Die Veranstaltungen sollen dabei überparteilich sein. Das Ziel sei vor allem der Austausch zwischen Frauen, die sich in der Politik bereits engagieren, und solchen, die Interesse daran haben. Bernasconi stellt fest: «Bei Frauen braucht es viel mehr Überzeugungsarbeit, damit sie für ein Amt kandidieren.» Nebst einem Austausch sind auch Anlässe zu bestimmten Themen geplant. Als Beispiel nennt Bernasconi die Altersreform des Bundes.

Als treibende Kräfte hinter der gemeinsamen und überparteilichen Gruppe sieht Claudia Bernasconi vor allem Vertreterinnen der SP, FDP, Grünen, GLP und der CVP. Als letzte Partei stiess auch die SVP dazu – mit der Stadtluzerner Kantonsrätin Lisa Zanolla. Die SVP ist jene Partei, die bei den Gemeinde­wahlen am wenigsten Kandidatinnen portierte, nämlich lediglich 24 Prozent. Zanolla: «Es dürften sich mehr Frauen als Kandidatinnen aufstellen lassen. Allerdings sollte sich dies selbst und nicht mittels einer Quote regulieren.»

Den höchsten Frauenanteil verzeichneten GLP und SP mit 75 beziehungsweise 56 Prozent.

Mehr Politikerinnen auf dem Land

Die Auswertung der Gemeindewahlen brachte ausserdem Überraschendes zu Tage. So stellte der Wahlkreis Luzern Land mit 38 Prozent am meisten Kandidatinnen auf, die Stadt Luzern mit 18 Prozent am wenigsten. In der Stadt waren die Wahlchancen der Frauen mit 50 Prozent zudem am tiefsten, und im Wahlkreis Entlebuch waren sie am höchsten: Dort wurden alle Kandida­tinnen gewählt. Dass gerade ländliche Gemeinden mehr Frauen in politischen Ämtern haben, erstaunt, zumal die Frauenerwerbsquote in der Stadt höher liegt.

Laut Tobias Arnold, Politologe beim Luzerner Politbüro Interface, könnte indes genau dies die Ursache sein: «Politische Ämter sind sehr zeitintensiv. Es ist denkbar, dass deshalb erwerbstätige Frauen aus der Stadt auf ein politisches Amt verzichten.» Auf dem Land hingegen gebe es mehr Frauen mit kleinen Arbeitspensen, die sich dafür Zeit nehmen können. Arnold begrüsst das Vorhaben der Gruppe: «Es ist ein gesellschaftlicher Wille, dass die Frauen angemessen vertreten sein sollen. Ideal wären eigentlich 50 Prozent.»

Vergleich: Luzern hat die Nase vorn

Und wo befindet sich Luzern im kantonalen Vergleich? Arnold zufolge weit vorne. Schweizweite Daten gibt es für die Kantonsparlamente. Mit einem Frauenanteil von 29,2 Prozent liegt Luzern im oberen Mittelfeld, zu dem auch Zürich und Bern zählen. Im Vergleich mit den übrigen Zentralschweizer Kantonen liegt Luzern an erster Stelle. Uri, Schwyz und Nidwalden bewegen sich unter 19 Prozent – Obwalden und Zug kommen Luzern sehr nahe. Interessant ist laut Arnold auch, dass Luzern bereits in den 1990er-Jahren auf diesem hohen Niveau war.

Bild: Grafik: Lea Siegwart

Bild: Grafik: Lea Siegwart

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