LUZERN: Alle wollen den Unfall-Kater

Keine Ohren mehr, und trotzdem heiss begehrt: Ein bei einem Unfall schwer verletzter Kater bleibt bei seinen Lebensrettern.

Luca Wolf
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Der Kater hat bei dem Unfall zwar beide Ohren verloren, er kann aber trotzdem normal hören. Die Mitarbeiter der Tierklinik nennen ihr neues Maskottchen Quasimodo. (Bild Tierklinik Obergrund)

Der Kater hat bei dem Unfall zwar beide Ohren verloren, er kann aber trotzdem normal hören. Die Mitarbeiter der Tierklinik nennen ihr neues Maskottchen Quasimodo. (Bild Tierklinik Obergrund)

«Weit über ein Dutzend Personen haben sich gestern schon bei uns gemeldet und Ansprüche auf die Katze gestellt», sagt Elian Huber von der Luzerner Tierklinik Obergrund. Einige der Anrufer hätten Fotos von ihren vermissten Büsi geschickt, um zu beweisen, dass Quasimodo ihnen gehöre. Andere hätten einfach Mitleid mit dem Tier gehabt und es bei sich aufnehmen wollen. «Aber uns ist Quasimodo so ans Herz gewachsen, wir geben ihn nicht mehr her», sagt Huber. Quasimodo heisst der Kater seit kurzem, weil er eine so unglaubliche wie rührende Geschichte hinter sich hat.

Mit Kopf im Kühlergrill festgesteckt

Und das kam so: Der schwarz-weisse Kater wollte am 8. Juli bei Gisikon die Autobahn A 14 überqueren. Dabei wurde er frontal von einem Auto erfasst – bei Tempo 120 – und blieb kopfvoran im Gitter der Stossstange hängen. Nach 12 Kilometer Fahrt entdeckte die Autofahrerin geschockt die erstaunlicherweise noch lebende, aber schwer verletzte Katze. Erst mit Hilfe einer Tierärztin der Tierklinik Obergrund in Luzern konnte das wimmernde Häufchen aus dem Gitter befreit werden.

Überlebt hat es aber nur dank einem sechswöchigen Intensiv-Pflegeaufenthalt in der Tierklinik (Ausgabe von gestern). Dem Kamikaze-Kater sind bei dem Unfall wegen der Hitze im Motor beide Ohren verbrannt, er erfreut sich ansonsten aber bester Gesundheit. Vom gebrochenen Wadenbein und dem ausgerenkten Sprunggelenk habe er sich gut erholt. Quasimodo wurde er von seinen Lebensrettern in Anlehnung an den ebenfalls missgebildeten Glöckner von Notre Dame genannt.

Wem der schätzungsweise drei Jahre alte Stuben- und Autobahntiger gehört, ist unklar. Der Besitzer konnte trotz eines Inserates auf einer Webseite für Tiervermittlungen nicht gefunden werden. «Und wenn sich nach zwei Monaten niemand meldet, erlischt der Anspruch auf das Tier», weiss Elian Huber.

Zutraulich und dankbar

Das ist nun der Fall, was der Klinik nur recht sein dürfte. Denn der – zumindest seit dem Unfall – gutmütige Quasimodo hat sich während der langen und intensiven Behandlung in die Herzen des gesamten Tierpraxisteams geschnurrt. «Er ist sehr zutraulich, und es scheint, als ob er auch dankbar für unsere Hilfe sei», freut sich Elian Huber. Eine psychische Störung aufgrund des Unfalls – etwa Angst vor Autos oder Flucht bei Motorenlärm – sei bislang nicht feststellbar.

Besitzer nicht gefunden

Von den über einem Dutzend Per­sonen, die sich nach den gestrigen, in vielen Zeitungen erschienenen Artikel über den Unfall bei der Tierklinik gemeldet hätten, habe sich zudem niemand als Besitzer des Katers herauskristallisiert. «Auf keinem der präsentierten Fotos der vermissten Katzen war einwandfrei Quasimodo zu sehen», sagt Huber. Dass die Tierklinik die Katze als Praxismaskottchen behalten will, haben die vielen Anrufer/Interessenten laut Huber schlussendlich akzeptiert – allen voran Quasimodo selber.