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LUZERN: Alleinerziehende unter sich: Besser als jedes Antidepressivum

Alleinerziehende sind oft mit Geldsorgen und sozialer Isolation konfrontiert. Ein neu gegründeter Verein versucht diesen Problemen entgegenzuwirken. Das Konzept ist simpel, die Resonanz gross.
Will Alleinerziehende miteinander vernetzen: Vereinspräsident Roger Baumeler mit Tochter Danielle. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 17. März 2018))

Will Alleinerziehende miteinander vernetzen: Vereinspräsident Roger Baumeler mit Tochter Danielle. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 17. März 2018))

Ein verregneter Nachmittag: Kein Stuhl der Bourbaki-Cafeteria ist unbesetzt, lautes Stimmgewirr erfüllt den Raum. Mittendrin eine Gruppe von Erwachsenen, die es sich auf einer schwarzen Lederpolstergarnitur bequem gemacht hat. Einige ihrer Kinder cruisen mit Kickboards um die Bartresen, andere spielen Versteckis. Eine Zusammenkunft von befreundeten Familien? Dieser Eindruck täuscht – es handelt sich um den Osteranlass des Vereins «Alleinerziehende Mütter und Väter Luzern».

Die Geschichte der Organisation ist schnell erzählt. Angefangen hat alles mit einer Facebook-Gruppe für Luzerner Einelternfamilien. Roger Baumeler, Berufsschullehrer und selber alleinerziehender Vater von zwei Kindern, gründete diese im Dezember 2016. Die Seite stiess rasch auf grosse Resonanz. Anfangs dieses Jahres entschied sich Roger Baumeler, die Gruppe in einen Verein umzuwandeln. Um von bereits vorhandenen Ressourcen Gebrauch zu machen, schloss man sich dem nationalen Dachverband an.

Ein Fünftel bezieht Sozialhilfe

«Unser Verein soll eine Plattform sein, die Alleinerziehende untereinander vernetzt», sagt Roger Baumeler. Dieser soziale Austausch ist oft dringend nötig. Geldprobleme und soziale Isolation überschatten den Alltag vieler Einelternfamilien. In Luzern bezieht ein Fünftel der Alleinerziehenden Sozialhilfe. «Selbst wenn das eigene Kind krank im Bett liegt, gehen viele zur Arbeit – aus Angst, die Stelle zu verlieren», so Roger Baumeler. Als Berufsschullehrer habe er glücklicherweise einen kulanten Arbeitgeber. Nicht so Vereinsaktuarin Chantal Ryf: Die Reussbühlerin musste aufgrund der mangelnden Toleranz ihres ehemaligen Chefs die Stelle wechseln. Die Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Sozialhilfe wirke sich zudem auf die Freizeitgestaltung aus, weiss Chantal Ryf: «Wenn die Teilhabechancen am Freizeitangebot fehlen, führt das zur sozialen Isolation.» Auch sie selbst habe sich als alleinerziehende Mutter oft ausgegrenzt gefühlt.

Nicht starre Strukturen, sondern ein loser Netzwerkcharakter soll den Problemen entgegenwirken. Die Mitglieder unterstützen sich bei der Kinderbetreuung und schmieden gemeinsam Pläne für Ausflüge. «Auf ein solches Umfeld zählen zu können, entlastet enorm», sagt Chantal Ryf. Trotz des grossen Potentials sind der Organisation Grenzen gesetzt. Das weiss auch Vereinspräsident Roger Baumeler: «Wir sind keine Fachstelle. Wir können weder die Finanzen noch die Situation des Besucherrechts verbessern.» In vielen Fällen würde der durch Mitgliederbeiträge und Legate finanzierte Verein gezielt Institutionen weiterempfehlen. Die Chancen der Organisation lägen in ihrer lokalen Ausrichtung und persönlicher Adressierung.

Mitglied werden kann jede Person aus dem Kanton Luzern, die alleinerziehend ist. «Auch Wochenendpapis sind willkommen», sagt Roger Baumeler. Momentan zählt die Organisation 170 passive Mitglieder. «Das Bedürfnis ist gross – das spüren wir. Pro Tag erhalten wir zwei bis drei Beitrittsanfragen», erzählt Chantal Ryf. Nicht nur die Alleinerziehenden sind am Verein interessiert. Eine Krankenkasse bietet den Vereinsmitgliedern seit kurzem eine Prämienverbilligung an – der soziale Austausch schütze vor psychischen Erkrankungen, so die Begründung. Dass diese ungewöhnliche Massnahme durchaus berechtigt ist, zeigte sich am Osteranlass des Vereins. Schliesslich ist ein solches Beisammensein besser als jedes Antidepressivum.

Ines Häfliger

<span style="font-size: 1em;">stadt@luzernerzeitung.ch</span>

Hinweis

<span style="font-size: 1em;">www.alleinerziehende-luzern.ch</span>

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