LUZERN: Alt Regierungsrätin Schärli macht das Ibach sicherer

Die Luzerner alt Regierungsrätin Yvonne Schärli hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Situation der Sexarbeiterinnen zu verbessern. Dafür putzt sie viele Klinken – mit Erfolg.

Sandra Monika Ziegler
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Yvonne Schärli, Präsidentin Verein Lisa und ehemalige SP-Regierungsrätin im Betreuungscontainer. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 7. Februar 2017))

Yvonne Schärli, Präsidentin Verein Lisa und ehemalige SP-Regierungsrätin im Betreuungscontainer. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 7. Februar 2017))

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Seit über drei Jahren betreibt der Luzerner Verein für die Interessen der Sexarbeiterinnen – kurz Lisa – im abgelegenen Gewerbegebiet Ibach einen Beratungscontainer, den sogenannten Hotspot. Damit sollen vor Ort die Sicherheit und die Arbeitsbedingungen der Prostituierten auf dem Strassenstrich verbessert werden. Zudem werden die Frauen in administrativen Belangen wie etwa Krankenkassen, Steuern, Aufenthaltsbewilligungen beraten. Und es stehen vier Ärztinnen gratis für die medizinischen Belange zur Verfügung (wir berichteten).

Das Pilotprojekt Hotspot – das bis Ende 2017 befristet ist – wird aktuell von Stadt und Kanton jährlich mit je 50 000 Franken unterstützt. Und der Verein selber muss 70 000 Franken pro Jahr aufbringen. «Kein leichtes Unterfangen», sagt die Vereinspräsidentin, alt SP-Regierungs­rätin Yvonne Schärli, beim Treffen im Container. Doch der Verein Lisa konnte die Vorgaben erfüllen. «Wir sind jetzt sogar in der Lage, vier Mal und nicht wie bisher drei Mal pro Woche den Container abends während dreier Stunden zu betreiben. Sicherer wäre, wenn wir jeden Tag offen hätten», sagt Schärli.

Als Yvonne Schärli im Sommer 2015 als Regierungsrätin zurücktrat, wurde sie angefragt, als Vorstandsmitglied im Verein Lisa mitzuwirken. Ein Jahr später übernahm sie von SP-Kantons­rätin Ylfete Fanaj das Präsidium, das Fanaj seit der Gründung inne hatte. «Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Drittmittel zu beschaffen», umschreibt sie kurz ihre Arbeit. Dabei sei es enorm wichtig, dass sich auch der frühere Gassenseelsorger Sepp Riedener als Beirat engagiere: «Seine Kontakte zur Kirche und zu kirchennahen Institutionen sind für uns sehr wertvoll. Er ist eine Vertrauensperson. Das zeigt sich auch darin, dass die Katholische Kirche Stadt Luzern uns stark unterstützt», so Schärli.

Bund zahlt 25 000 Franken

Den Schwerpunkt ihres Engagements legt Yvonne Schärli beim Geldbeschaffen auf Private, Stiftungen und Behörden. So wurde sie im Namen des Vereins beim Bundesamt für Polizei (Fedpol) vorstellig. Das Fedpol unterstützt Organisationen des öffentlichen oder privaten Rechts, die ein Projekt zur Verhinderung von Kriminalität im Zusammenhang mit Prostitution durchführen. «Dort haben wir ein Gesuch um fi­nanzielle Unterstützung eingereicht», so Schärli. Das Gesuch wurde angenommen, und Fedpol hat für dieses Jahr einen Beitrag von 25 000 Franken für die Sexarbeiterinnen gesprochen.

Der Verein will zudem beim Zweckverband für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung (Zisg) aufgenommen wer­den. Hier sind aktuell etwa 18 Vereine, Institutionen und ihre Teilbereiche vereint. «Eine Mitgliedschaft hat den Vorteil, dass wir dann wie etwa ein Frauenhaus behandelt werden und die Zuwendungen mit einem Leistungsvertrag gesichert wären.» Das sei enorm wichtig, weil das Pilotprojekt Ende 2017 endet und damit auch die Zahlungen von Stadt und Kanton. Der Entscheid über eine Aufnahme in den Zisg wird für dieses Jahr erwartet, so Schärli. Deshalb wurde jedem Regierungsrat ein Brief geschrieben, und Schärli ging auch an die Konferenz der Zentralschweizer Sozialdirektoren. Von den Zentralschweizer Kantonen hat sich der Kanton Schwyz mit ein paar tausend Franken beteiligt, und der Kanton Zug hat eine Unterstützung – in noch nicht definierter Höhe – zugesagt, so Schärli. Das Engagement des Vereins Lisa geht über den Strassenstrich hinaus: Ein niederschwelliges Angebot mit einem Behandlungszimmer für alle zirka 600 Sexarbeiterinnen wäre ein nächstes Ziel. Dazu braucht es weitere Unterstützung.

«Der Verein zählt heute 74 Mitglieder, gerne hätten wir mehr», sagt Birgitte Snefstrup, Geschäftsleiterin des Vereins Lisa. Nach der Fasnacht werde offensiv mit einem Flyer für neue Mitglieder geworben.

Hinweis

Infos unter: www.verein-lisa.ch